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Jan Böhmermann wird eher kein CBD-Fan mehr.
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Jan Böhmermann wird eher kein CBD-Fan mehr.

ZDF Magazin Royale

Jan Böhmermann auf CBD - Wo bleibt die Lobbyfraktion des Komasaufens?

  • VonMirko Schmid
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Mit Studiopublikum im Rücken wird Jan Böhmermann mit seinem ZDF Magazin Royale wieder witzig. Mit CBD aber rauscht er am relevanten Thema vorbei. Die TV-Kritik.

Mensch „Böhmi“, was ist los mit dir? Da musst du hier in der Vorwoche noch lesen, dass du zwar ziemlich relevant geworden bist, aber irgendwie nicht mehr lustig. Und dann diese Folge des ZDF Magazin Royale. Moment, heißt es nicht auf den Seiten der ZDF-Mediathek: „Unterhaltung und Relevanz in einer neuen Dimension. Die Wurzeln der Late-Night-Show kombiniert mit journalistischer Recherche – willkommen zur neuen Ära der Gesellschaftssatire mit Jan Böhmermann“?

Von witzig steht da tatsächlich nichts mehr. Dementsprechend niedrig sind die Erwartungen diesbezüglich. Gerade vor Wochenfrist wurde die Klamauk-Latte im ZDF Magazin Royale auf ein Minusniveau heruntergeschraubt, der Klos Moria 2 blieb hart im Hals stecken. Zu Recht. Und jetzt kommt diese Folge und dreht den Köftespieß auf links. Denn relevant war an diesem Abend gar nichts. Der Menschheit nämlich zu eröffnen, dass CBD-Öl genauso wenig ballert wie sämtliche Produkte auf Basis dieses Globuli mit grüner Brille, ist dann doch eher nicht so Sherlock.

So ziemlich jeder Kiffer, der es probiert hat, weiß, dass dieser Mist nichts taugt. Und viel kostet. Sich also genauso verhält wie homöopathische Mittelchen oder ein Nena-Konzert. Dass dieses alkoholfreie Bier aus der Gattung Hanf eben nicht (wie von verschiedenen Herstellern und Influencer:innen behauptet) gegen Kopfschmerzen, Menstruationsschmerzen, Schlafstörungen und chronische Schmerzen hilft.

Jan Böhmermann „deckt auf“: CBD bringt nichts, weil es im Gegensatz zum Kiffen nicht kickt

Dafür weiß so ziemlich jeder Kiffer, was tatsächlich gegen Kopfschmerzen, Menstruationsschmerzen, Schlafstörungen und chronische Schmerzen hilft: kiffen. Warum die Platzpatrone (deutlich) mehr kostet als das Original ist ein Mysterium, das sich vielleicht nur damit erklären lässt, dass CDU-Politiker damit Geld verdienen, wohingegen sie biersaufend über das Kiffen herziehen. Jan Böhmermann packt aus, dass sich an die Spitze der CBD-Investoren Politiker der „haschischkritischen deutschen christlich-alkoholischen Union CDU/CSU“ gesetzt haben.

Namentlich sticht aus der, so nennt es Böhmermann, „Lobbyfraktion des Komasaufens, die seit Jahrzehnten gegen das Legalisieren des Cannabis ist“, ein gewisser Finn Age Hänsel heraus. Der ist Beisitzer in der Mittelstands- und Wirtschaftsunion der CDU und investiert fröhlich in CBD. Weil das ja legal ist. Also wie Alkohol. Also wie die Droge, von der es laut Gesundheitsministerium heißt: „Analysen gehen von jährlich etwa 74.000 Todesfällen durch Alkoholkonsum allein oder bedingt durch den Konsum von Tabak und Alkohol aus.“ Die Zahl der jährlichen Haschischtoten gegenübergestellt: 0. In Worten: null.

Und trotzdem feiern sich die Konservativen für ihre Prohibitionspolitik gegen das Kiffen. Mit einem Krug Weißbier in der Hand. Dann erzählen sie etwas von einer Einstiegsdroge. Schließlich hat noch nie jemand hackedicht irgendwelche harten Drogen geworfen. Das machen ja nur diese Kiffer. Eigentlich schade, dass Jan Böhmermann diese wahnwitzige Agenda zugunsten der deutschen (und bayerischen) Alkohollobby der CDU und CSU nicht weiter anspricht. Und auch nicht den Umstand, dass unionsgeführte Regierungen bezüglich der Legalisierung von Cannabis seit Ewigkeiten gegen das eigene Volk regieren, das laut so ziemlich allen Umfragen in großer Mehrheit für die regulierte Freigabe ist.

Jan Böhmermann verpasst im ZDF Magazin die Chance, die Ampel an die Legalisierung zu erinnern

Stattdessen bleibt Böhmermann beim CBD. Und verschenkt somit jegliche Relevanz dieser Ausgabe seines ZDF-Magazins. Der Ausgabe also, in der fahrlässiger Weise nicht darauf hingewiesen wurde, dass die Legalisierung vor den Sondierungen von SPD, Grünen und FDP das ganz heiße Thema war und es dann doch nicht mit auch nur einem Wort in das abschließende Sondierungspapier geschafft hat. Selbst Oliver Welke mit seiner heute-Show ist da einen Schritt voraus. Schon vor einer Woche nämlich mahnte Welke Grüne und FDP an, an die zu denken, von denen sie gewählt wurden.

Junge Menschen nämlich, die sich danach sehnen, nicht für einen Kick kriminalisiert zu werden, der weit weniger schädlich, gefährlich und tödlich ist, als das völlig legale Komasaufen. Hier verfehlt Böhmermann den eigenen Anspruch, „Unterhaltung und Relevanz in einer neuen Dimension“ zu liefern. Dafür bleibt er im seichten Becken eines Rants gegen ein harmloses Lifestyle-Produkt, dessen Kunden eigentlich selbst schuld sind. An dieser Stelle noch einmal zum Mitschreiben: Das Zeug bringt nichts. Die Einnahme von CBD ist genauso erfolgversprechend und wirkungsvoll wie der Versuch, einem Impfgegner die Restintelligenz unter dem Aluhut rauszukratzen.

Aber: Niemand muss den Stuss nehmen. Und es wird auch niemandem verboten, sein zumeist hart verdientes Geld auf diesem Weg rauszuballern. Ganz genauso also wie beim Alkohol. Und ganz im Gegensatz zum Kiffen. Und das ist das Problem. Gar kein Problem ist dafür an diesem Abend im ZDF Magazin Royale die Stimmung. Das Publikum ist zurück. Und wie! Mit einem eingeübten „fick dich!“ begrüßt es Jan Böhmermann und zeigt in nur wenigen Minuten, was dieser Show so lange und so qualvoll gefehlt hat.

„ZDF Magazin Royale“ mit Jan Böhmermann

„Lifestyle-CBD: Teure Produkte ohne Effekt“, ZDF, von Freitag, 29. Oktober, ab 23 Uhr. Im Netz: ZDF Mediathek.

Auch dank Publikum: Das ZDF Magazin mit Jan Böhmermann ist an diesem abend nicht relevant – aber witzig

Denn Witze, das wissen wir alle, sind witziger, wenn wir gemeinsam lachen können. Wenn jemand mitlacht. Jan Böhmermann bespielt dieses Feld an diesem Abend an vielen Stellen hervorragend, sodass sich der geneigte Kritiker dabei erwischt, endlich mal wieder gegrinst zu haben. Sogar gelacht. Das Zusammenspiel von Satiriker und Publikum, selten wurde das so deutlich, ist grundlegend. Fantastisch ist der Auftritt von Kunstradweltmeister David Schnabel im „Wo ist Walter?“-Kostüm und noch besser die Performance des Rundfunk-Tanzorchesters Ehrenfeld, das schon beim ersten Song zeigt, wie groß der Durst nach Applaus gewesen sein muss.

Und so plätschert diese Folge des ZDF Magazin ein wenig vor sich hin, ist weder großartig relevant noch auch nur im Geringsten investigativ – aber sie macht Spaß. Ab und zu darf das, zwischen aller Relevanz und Recherche, auch mal sein. Doch ganz tief drin schlummert der Wunsch, wieder einmal eine Folge zu erleben, die beides vereint. So wie damals, in einer Zeit vor dem Hauptprogramm. In einer Zeit also, in der uns noch gar nicht so richtig bewusst war, wie geil so ein Studiopublikum doch ist. (Mirko Schmid)

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