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„Korruption und Geldwäsche“: Bolsonaro wegen Immobilienkäufen unter Druck

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Von: Nail Akkoyun

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Jair Messias Bolsonaro wird am 21. März 1955 in Glicério im Bundesstaat São Paulo geboren. Seine Vorfahren stammen größtenteils aus Italien – sein Urgroßvater väterlicherseits war hingegen ein deutscher Einwanderer. Benannt wird der junge Jair nach dem brasilianischen Fußballspieler Jair da Rosa Pinto, der unter anderem für den Santos FC als offensiver Mittelfeldspieler im Einsatz war und sich mit dem späteren Präsidenten den Geburtstag teilt.
In den Umfragen zur Brasilien-Wahl abgeschlagen, nun weitere Korruptionsvorwürfe: Präsident Jair Bolsonaro gerät weiter unter Druck. (Archivfoto) © Antonio Molina/Imago

Kurz vor der Brasilien-Wahl gerät Präsident Jair Bolsonaro weiter unter Druck. Im Fokus stehen die Vorwürfe der Korruption und Geldwäsche.

Brasilia – Einer monatelangen Untersuchung der brasilianischen Nachrichtenwebsite UOL zufolge sind derzeit 107 Immobilien auf den Namen von Präsident Jair Bolsonaro oder Mitgliedern seiner Familie registriert. Besonders pikant: Fast die Hälfte der Grundstücke und Anwesen (51) wurden zu einem Großteil oder gänzlich bar bezahlt. Solche Transaktionen sind nicht illegal, werden aber häufig mit Geldwäsche in Verbindung gebracht, da die Strafverfolgungsbehörden die Herkunft der Gelder so gut wie nie zurückverfolgen können.

„Eine Immobilie in bar zu kaufen, ist verdächtig. Mehrere Immobilien in bar [zu kaufen], ist sehr verdächtig. Politisch exponierte Personen kaufen SEHR viele Immobilien bar?“, schrieb Fabiano Angélico, ehemaliger Berater der globalen Anti-Korruptionsorganisation Transparency, auf Twitter. Es handele sich dabei „um eine Reihe von Beweisen, die auf Verbrechen hinweisen. Verbrechen von Korruption und Geldwäsche“, schrieb Angélico in einem weiteren Tweet.

Laut einem Bericht des Brazilian Reports beliefen sich die Käufe inflationsbereinigt auf insgesamt 25,6 Millionen BRL (etwa 5 Millionen Euro). Mindestens 25 Immobilien stünden im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen Flávio Bolsonaro, den ältesten Sohn des Präsidenten. Auch der Kauf des Hauses, in dem Jair Bolsonaro in Rio de Janeiro wohnt, ist Gegenstand von Ermittlungen. Der Präsident habe die Immobilie deutlich unter Marktwert ergattert – und soll mit Bargeld bezahlt haben.

Brasilien: Jair Bolsonaro redet Korruptionsvorwürfe klein

„Der Präsident muss erklären, woher dieses Geld stammt. Woher kommt dieses Geld?“, sagte Juliana Dal Piva, eine der Reporterinnen, die hinter der Enthüllung stehen. Jair Bolsonaro, der 2018 einen Wahlsieg errang, nachdem er unter anderem der Korruption den Kampf angesagt hatte, reagierte gereizt auf die Anschuldigungen: „Wo ist das Problem, eine Immobilie bar zu bezahlen?“, fragte Bolsonaro dem Guardian zufolge. Mit den Worten „Untersuchen, mein Gott“, soll er die Erkenntnisse achselzuckend zurückgeworfen haben.

Leonardo Sakamoto, ebenfalls für UOL tätig, schrieb, dass man „kein Finanzgenie“ sein müsse, „um zu verstehen, dass die Verwendung großer Bargeldsummen […] ein Mittel zum Waschen von Geld illegaler Herkunf ist“. Den Bolsonaros wird seit Jahren vorgeworfen, in illegale Machenschaften verwickelt zu sein. Besonders der als „Rachadinha“ bekannte Fall, bei dem es um die Veruntreuung der Löhne von Angestellten geht, erregte Aufmerksamkeit. Die Familie hatte die Vorwürfe jedoch stets zurückgewiesen.

Die Enthüllungen kommen rund einen Monat vor der Brasilien-Wahl am 2. Oktober, und damit zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt für Bolsonaro. In aktuellen Umfragen liegt der Rechtspopulist deutlich hinter seinem linken Kontrahenten, dem ehemaligen Staatsoberhaupt Lula da Silva, zurück. Erst am Sonntag (28. August) warf Bolsonaro Lula vor, die „korrupteste Regierung in der brasilianischen Geschichte“ geführt zu haben. (nak)

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