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Vor 30 Jahren: Das Massaker in Beirut

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Männer- und Kinderleichen im palästinensischen Flüchtlingslager Sabra am Rande von Beirut. Bei dem Massaker kamen rund 3000 Menschen ums Leben.
Männer- und Kinderleichen im palästinensischen Flüchtlingslager Sabra am Rande von Beirut. Bei dem Massaker kamen rund 3000 Menschen ums Leben. © dpa

Vor fast 30 Jahren kam es in den Flüchtlingslagern Sabra und Schatila im Süden Beiruts zu einer der schlimmsten Gräueltaten des libanesischen Bürgerkriegs. Israelische Truppen ließen ein Massaker der christlichen Phalange-Milizen an palästinensische Flüchtlingen zu.

Von Hatice Kücük

Vor fast 30 Jahren kam es in den Flüchtlingslagern Sabra und Schatila im Süden Beiruts zu einer der schlimmsten Gräueltaten des libanesischen Bürgerkriegs. Israelische Truppen ließen ein Massaker der christlichen Phalange-Milizen an palästinensische Flüchtlingen zu.

Am 16. September 1982 und den beiden folgenden Tagen zogen christliche libanesische Phalange-Milizen durch die Lager und ermordeten, vergewaltigten, folterten wahllos Tausende palästinensische Flüchtlinge, schiitische Frauen, Männer und Kinder. Die israelische Armee, die damals Beirut besetzt und die Lager umzingelte, sah dem Massaker, der mit ihnen verbündeten christlichen Phalange-Miliz, tatenlos zu.

Die Israelis hatten den Mördern erlaubt, in die Lager einzudringen, angeblich um palästinensischen Freischärler aufzuspüren. Historiker glauben jedoch, dass sie Rache für die Ermordung des Phalange-Gründers und gewählten Präsidenten Beschir Gemayel durch einen pro-syrischen Nationalisten nehmen wollten. Nach Angaben der libanesischen Polizei kamen dabei 460 Zivilisten um, darunter 35 Frauen und Kinder. Israelische Stellen gehen von rund 800 militärischen und zivilen Toten aus. Die PLO sprach von 3300 Ermordeten.

Weltweite Kritik gegen Israel

1948 hatten Kampfhandlungen und gezielte Vertreibungsmaßnahmen der israelischen Armee dazu geführt, dass um die 300.000 Palästinenser im nördlichen Nachbarland Libanon Zuflucht suchten. Es entstanden Flüchtlingslager, in der libanesischen Hauptstadt Beirut, darunter Sabra und Schatila. Konflikte zwischen christlichen und muslimischen Bevölkerungsgruppen führten in den 70ern zu einem innerlibanesischen Bürgerkrieg. Mit der Invasion der syrischen Armee endete der Bürgerkrieg.

Die PLO war für Israel jedoch immernoch ein Dorn im Auge. Auslöser des Massakers war der Mord an Baschir Gemayel, dem Führer der christlichen Miliz und Präsident Libanons. Den Mord lastete man der POL an.

Nach den 70 Tage andauernden Angriffen musste Israel international viel Kritik einstecken. Der amerikanische Präsident Reagan setzte sogar ein Ultimatum für eine Lösung setzte und garantierte den Schutz der palästinensischen Zivilbevölkerung, die in Beirut zurückblieb.

Was wurde aus den Tätern?

Es stellte sich später heraus, dass die israelische Militärführung vor Ort und auch die israelische Regierung genauestens über die Vorgänge in den Lagern informiert war. Sie stellten de Milizen Nahrung und Munition zur Verfügung. Anführer der Miliz war Elie Hobeika, ein enger Freund von Gemayel. Später bestritt er jede Schuld: „Ich bin kein Monster.“ Hobeika wurde nie zur Verantwortung gezogen. Nach dem Bürgerkrieg der Jahre 1975 bis 1990 war er mehrere Jahre Minister, 2002 fiel er einer Autobombe zum Opfer. Das Blutbad beschädigte Israels Ansehen in der Welt. Auch der ehemalige Premier Ariel Scharon war in die Vorgänge verwickelt. Unter seinem Kommando als damaliger Verteidigungsminister war der Einmarsch israelischer Truppen in den Libanon koordiniert worden. Eine Regierungskommission stellte später fest, dass Scharon für die Massaker eine „indirekte Verantwortung“ trug. Auch er blieb weitgehend unbehelligt. 2001 wurde er Ministerpräsident.(dpa)

In Beirut gab es eine schwere Explosion. Dutzende Menschen sterben, Tausende werden verletzt.

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