1. Startseite
  2. Politik

Trinkwasserkrise in US-Stadt Jackson trifft insbesondere Schwarze

Erstellt:

Von: Johanna Soll

Kommentare

Feuerwehrleute in Jackson im US-Bundesstaat Mississippi helfen dabei, die Menschen mit Trinkwasser zu versorgen
Feuerwehrleute in Jackson im US-Bundesstaat Mississippi helfen dabei, die Menschen mit Trinkwasser zu versorgen © Rogelio V. Solis/dpa

In Jackson, Mississippi kommt nur noch braunes, nicht trinkbares Wasser ohne Druck aus der Leitung. 80 Prozent der Menschen dort sind Afroamerikaner:innen.

Jackson – Der Gouverneur von Mississippi, der Republikaner Tate Reeves, rief den Notstand in dem südlichen US-Bundesstaat aus und setzte die Nationalgarde in Marsch. Eine Wasseraufbereitungsanlage in der Landeshauptstadt Jackson ist wegen der Überflutung des Pearl Rivers aufgrund starker Regenfälle außer Betrieb und nun ist die Wasserversorgung von bis zu 250.000 Menschen in der Region nicht mehr sichergestellt.

Die Wasseraufbereitungsanlage funktioniert seit Montagabend (29. August, Ortszeit) nicht mehr. Die Ankündigung des Gouverneurs machte offiziell, was Tausende der 160.000 Einwohner:innen von Jackson bereits wussten: der Wasserdruck so niedrig, dass es unmöglich ist, die Toilettenspülung zu betätigen oder zu duschen. Bereits seit Ende Juli sind sie behördlich dazu angehalten, das braun verfärbte Leitungswasser abzukochen, um Erkrankungen zu vermeiden.

Jackson, Mississippi: Wasserversorgung ist seit Jahrzehnten unterfinanziert

Tate Reeves sagte, Mississippi habe begonnen, sich darauf vorzubereiten, dass „Jackson für einen längeren Zeitraum ohne fließendes Wasser sein werde“. Der Vizegouverneur, Delbert Hosemann, sagte: „Nach unserem Verständnis steht das Wasser- und Abwassersystem, das 250.000 Bürger des Bundesstaates und zahlreiche Unternehmen versorgt, kurz vor dem Zusammenbruch. Wir haben große Bedenken hinsichtlich der Gesundheit und Sicherheit der Bürger.“

Wasser in Flaschen geht im Einzelhandel bereits zur Neige und der niedrige Wasserdruck erschwert Löscharbeiten der Feuerwehr. Alle öffentlichen Schulen in Jackson haben „auf unbestimmte Zeit“ auf Online-Unterricht umgestellt, ebenso wie die Jackson State Universität – zumindest bis zum Ende dieser Woche. Die Nationalgarde soll Wasser an Feuerwehrwachen, Krankenhäuser und private Haushalte verteilen. Doch es ist unklar, wie lange sie diese Maßnahmen wird aufrechterhalten können.

Die Wasserkrise in Jackson kündigte sich bereits seit Langem an. Im vergangenen Jahr sorgte ein Kälteeinbruch dafür, dass Tausende Menschen wegen eingefrorener Rohre kein fließendes Wasser hatten. Bei der Wasseraufbereitungsanlage der Stadt herrscht bereits länger Personalmangel. Laut Jacksons demokratischem Bürgermeister, Chokwe Antar Lumumba, sei die Wasserinfrastruktur der Stadt seit Jahrzehnten chronisch unterfinanziert. Es sei keine Frage, ob das System versage, sondern wann.

Ein Großteil der Einwohner:innen von Jackson sind schwarz

Wartungsprobleme der Wasserversorgung nahmen in Verbindung mit den geringer werdenden öffentlichen Geldern durch die „weiße Flucht“ zu. Als 1970 erstmals auch schwarze Schüler:innen die öffentlichen Schulen besuchten, zogen viele weiße Familien aus Jackson weg. Derzeit leben in der größten Stadt in Mississippi 80 Prozent Afroamerikaner:innen und von ihnen ist nach offizieller Definition ein Viertel arm. Bürgermeister Lumumba schätzt, die Kosten dafür, das marode Wasserversorgungssystem wieder instand zu setzten, könnten „möglicherweise Milliarden von Dollar“ betragen.

US-Präsident Joe Biden sei über die Situation informiert, teilte das Weiße Haus mit. „Wir werden weiterhin eng mit staatlichen und lokalen Beamten zusammenarbeiten, um die Menschen in Mississippi zu unterstützen und sind bereit, weitere Hilfe zu leisten“, teilte Bidens Sprecherin Karine Jean-Pierre mit. Sie sagte jedoch auch, Mississippi habe nicht um Hilfe beim LKW-Transport von Trinkwasser gebeten. Einen Grund dafür wollte sie nicht nennen. Am späten Dienstag (30. August, Ortszeit) genehmigte Joe Biden einen Notstandsantrag und wies sein Team an, die Bundeshilfen für die Region zu erhöhen, twitterte Karine Jean-Pierre. (Johanna Soll)

Auch interessant

Kommentare