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Jacinda Ardern mit muslimischen Gemeindevorständen im neuseeländischen Parlament.

Rassistischer Terror in Neuseeland

Jacinda Ardern will, dass die Welt den Namen des Attentäters vergisst

Muslime auf der ganzen Welt zollen der Premierministerin Respekt für ihren Umgang mit dem Terroranschlag. Der IS droht mit Rache für Christchurch.

Mit einer Trauerzeremonie hat das neuseeländische Parlament der 50 Todesopfer des Anschlags auf zwei Moscheen in Christchurch gedacht. Dabei verzichtete Premierministerin Jacinda Ardern darauf, den Attentäter beim Namen zu nennen. „Er wollte viele Dinge mit seinem Akt des Terrors zu erreichen. Eines davon war, berühmt zu werden. Deshalb werden Sie von mir niemals seinen Namen hören.“ Erinnern solle man sich stattdessen an die Namen der Menschen, die ihr Leben verloren, sagte die schwarz gekleidete Ardern weiter. Zugleich erklärte sie, der Attentäter habe mit „der ganzen Härte des Gesetzes“ zu rechnen. Dem Australier droht wegen vielfachen Mordes lebenslange Haft. Einen Termin für den Beginn des Prozesses gibt es noch nicht. Nach bisherigen Ermittlungen der Polizei hatte er keine Komplizen.

Terror von Christchurch: Muslime zollen Jacinda Ardern Anerkennung

Ardern hat von Muslimen weltweit Anerkennung für ihren Umgang mit dem rassistisch motivierten Terroranschlag vergangenen Freitag gezollt bekommen. Als sie die betroffenen Gemeinden besuchte – zunächst ohne die Medien davon zu informieren, trug sie als Zeichen des Respekts ein locker sitzendes schwarzes Kopftuch und betonte wie wichtig es ihr sei, dass Muslime in Neuseeland auch in Zukunft ohne Sorgen ihrem Glauben nachgehen könnten. Auch ihre Rede im Parlament eröffnete sie mit der arabischen Grußformel „Salam aleikum“ („Friede sei mit Euch“).

Islamischer Staat kündigt Vergeltungsschlag für Christchurch an

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat derweil Rache für den Anschlag angekündigt. Die „Anführer der Ungläubigen“ hätten über die Opfer des „Massakers“ nur Krokodilstränen vergossen, sagte IS-Sprecher Abu al-Hassan al-Muhadschir in einer am Montagabend verbreiten Audiobotschaft. Die Tötungsszenen aus den beiden Moscheen spornten jedoch die Anhänger des IS an, ihre Religion und ihre Glaubensbrüder zu rächen. Die Echtheit der mehr als 40 Minuten langen Botschaft konnte zunächst nicht überprüft werden. Sie wurde aber über die üblichen Kanäle des IS in den sozialen Medien verbreitet.

Facebook bekam nach 29 Minuten ersten Hinweis auf Christchurch-Video

Die sozialen Netzwerke Facebook und Youtube stehen derweil für ihren Umgang mit dem Livestream des Attentäters weiter in der Kritik. Neben Jacinda Ardern forderte auch der Muslimische Rat in Washington die großen Internet-Konzerne auf, mehr Verantwortung für ihre Inhalte zu übernehmen. 

Facebook hat nach eigenen Angaben den ersten Hinweis auf das Anschlagsvideo von Christchurch nach 29 Minuten erhalten. Der Nutzerhinweis kam 12 Minuten nach Ende dieses Livestreams, wie Facebook am Dienstag erklärte.

Das Video sei „binnen Minuten“ nach einer Anfrage der neuseeländischen Polizei gelöscht worden, hieß es weiter. Damit blieb zunächst unklar, wie lange genau es online war. Livestream-Videos bleiben nach Ende einer Übertragung zum Abruf verfügbar.

Das Video sei während des Livestreams weniger als 200 Mal angesehen worden und insgesamt rund 4000 Mal, bevor Facebook es entfernte. Allerdings habe ein Nutzer der Plattform 8chan eine Kopie auf eine Filesharing-Seite hochgeladen, noch bevor Facebook auf das Video aufmerksam gemacht worden sei. Das dürfte zur späteren Verbreitung des Videos beigetragen haben, das noch immer im Internet kursiert.

Facebook hatte bereits am Wochenende erklärt, das Online-Netzwerk habe allein in den ersten 24 Stunden 1,5 Millionen Videos mit der Darstellung des Anschlags gelöscht. Davon seien 1,2 Millionen bereits beim Hochladen gestoppt worden. Da Nutzer versucht hätten, die automatische Erkennung mit Veränderungen am Video auszutricksen, sei auch der Ton abgeglichen worden. 

Neun Opfer sind noch in kritischem Zustand

Vier Tage nach dem rassistisch motivierten Massaker wurden noch 30 Verletzte im Krankenhaus behandelt. Nach Angaben der Kliniken sind neun davon noch in kritischem Zustand. Inzwischen wurden die Leichname mehrerer Todesopfer an die Familien übergeben. Nach einem Bericht der Zeitung „New Zealand Herald“ plant die muslimische Gemeinde von Christchurch eine gemeinsame Trauerfeier, möglicherweise an diesem Mittwoch. Einige Todesopfer sollen aber auch im Ausland bestattet werden. Die meisten Opfer kommen aus Einwandererfamilien. Im Islam ist es eigentlich üblich, dass Tote binnen 24 Stunden beigesetzt werden. Auf Spendenkonten für die die Hinterbliebenen gingen inzwischen umgerechnet mehr als fünf Millionen Euro ein. (lic mit dpa/afp)

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