Wahl in Neuseeland

Wahl in Neuseeland: Jacinda Ardern gewinnt haushoch und hält emotionale Rede

  • vonBarbara Barkhausen
    schließen

Neuseeland hat gewählt und die Wahl fiel eindeutig aus. Jacinda Ardern spricht in ihrer emotionalen Rede von einer historisch großen Unterstützung und zeigt sich kämpferisch.

  • Jacinda Ardern stellt sich in Neuseeland zur Neuwahl.
  • In der Corona-Krise zeigte die Sozialdemokratin Profil.
  • Bei den Parlamentswahlen setzte sich ihre Labour-Partei klar durch.

Update von Samstag, 17.10.2020, 13.08 Uhr: Jacinda Ardern hat geschafft, wovor ihre politischen Gegner in Neuseeland zitterten. Mit einem Erdrutsch-Sieg hat sich die Labour-Partei der Premierministerin bei den Parlamentswahlen durchgesetzt. Wie die Plattform „Axios“ berichtet, sind mittlerweile 95,4 Prozent der Stimmen ausgezählt. Arderns Partei erreichte 48,9 Prozent, das entspricht 64 Sitzen im Parlament. Eine Partei braucht insgesamt 61 der 120 Sitze allein eine Regierung zu bilden.

Jacinda Ardern strahlt nach den Parlamentswahlen in Neuseeland über das ganze Gesicht.

Wahl in Neuseeland: Labour-Partei von Jacinda Ardern entscheidet die Wahl für sich

Ihr härtester politischer Gegner, die konservative National-Partei, erhielt nur etwa 27 Prozent. In ihrer Siegesrede betonte Ministerpräsidentin Jacinda Ardern: „Neuseeland hat uns so viel Unterstützung gezeigt, wie seit 50 Jahren nicht.“ Dann wählt sie emotionale Worte als sie ihre Zuhörer auf die kommenden, unsicheren Zeiten einschwört: „Es war keine normale Wahl und es sind auch keine normalen Zeiten. Die letzte Zeit war geprägt von Unsicherheit und Angst. Wir haben es uns auf die Fahnen geschrieben, dafür das Gegenmittel zu sein.“

Neuseeland wählt: Jacinda Arderns gewinnendes Lächeln

Erstmeldung von Donnerstag, 15.10.2020: Wellington - Eine Terrorattacke, ein Vulkanausbruch, danach die Pandemie – Jacinda Arderns drei Jahre an der Spitze der neuseeländischen Regierung wurden zur Feuerprobe für die junge Sozialdemokratin, die während ihrer Amtszeit auch noch Mutter wurde.

Doch die heute 40-Jährige überstand alle Krisen; ihr Lächeln, aber auch ihre Tränen für die Opfer des Anschlags auf zwei Moscheen in Christchurch gingen um die Welt. Die Empathie, die die Politikerin in all den Krisen zeigte, brachte ihr weltweites Lob ein. „Ardern ist eine Meisterin der Krisenkommunikation“, sagt der deutsche Neuseeland-Experte Oliver Hartwich.

Dies kam ihr nicht zuletzt in der Corona-Krise zugute, die Neuseeland bis auf einen Rückschlag in Auckland so gut wie kaum ein anderes Land der Erde gehandhabt hat. Ardern führte ihr Volk – das sie ihr „Fünf-Millionen-Team“ nannte – mit täglichen Briefings und viel mentaler Unterstützung durch einen der strengsten Lockdowns der Welt.

Wahlen in Neuseeland: Konservative ohne Chance

Seit vergangener Woche gilt das Land – das weniger als 2000 Infektionen und 25 Todesfälle meldete – als coronafrei. Laut einer Umfrage von Bloomberg Media war Neuseelands Reaktion auf die Pandemie die beste der Welt. Das Land erhält Topnoten bei politischer Stabilität, wirtschaftlichem Aufschwung, Viruskontrolle und sozialer Belastbarkeit.

Für Ardern ist die Bestätigung von außen wichtig, denn nicht zuletzt wegen des permanenten Krisenmodus der Regierung ist die politische Bilanz der vergangenen drei Jahre nicht so gut, wie die Labour-Politikerin sich dies vielleicht gewünscht hätte. „Durchwachsen“ nennt der Experte Hartwich die Errungenschaften ihrer Regierung. So kritisiert er, dass der geplante Bau der Flughafenanbindung in Auckland noch nicht einmal begonnen wurde, das Ziel, 100.000 Häuser zu bauen, verworfen wurde (600 wurden bis August gebaut), die Binnengewässer nach wie vor nicht saniert sind und die Kinderarmut heute verbreiteter ist als vor drei Jahren. Laut Unicef ist Neuseeland einer der schlechtesten Orte in der entwickelten Welt, um ein Kind zu sein.

Stephen Levine, ein Politikprofessor an der Victoria University in Wellington, geht nicht ganz so hart mit der Politikerin ins Gericht. Obwohl auch er die Kinderarmut und das zu ehrgeizige Wohnungsbauprogramm anprangert, findet er: „Im Großen und Ganzen hat die Premierministerin versucht, ihre politischen Versprechen einzuhalten.“ Er nennt dabei die Überprüfung des neuseeländischen Steuersystems, die Erhöhung des Mindestlohns und das Verbot von Schnellfeuerwaffen nach den Anschlägen von Christchurch.

Neuseeland wählt: Die Verhinderung eines Erdrutschsieges für Arden wäre für die Opposition ein Erfolg

Die Meinungsumfragen deuten derzeit alle auf einen Sieg Arderns. Sie hat einen erheblichen Vorsprung vor der Vorsitzenden der Oppositionspartei, Judith Collins von der National-Partei. Bei den politischen Debatten im Fernsehen habe sich die konservative Politikerin zwar auch gut geschlagen, findet Levine, doch Arderns „Starappeal“ und ihr „charismatisches Element“, das vor allem bei jungen Leuten und bei Frauen gut ankomme, fehle Collins. Letzere gilt als resolut und streng – in ihrer früheren Rolle als Polizeiministerin hat sie sich den Spitznamen „Crusher“ eingehandelt, als sie eine Regel einführte, wonach Autos von notorischen Verkehrssündern platt gemacht werden konnten.

Auch der Experte Hartwich glaubt nicht an einen Sieg der Konservativen, die vor Arderns Amtszeit ziemlich fest im Sattel saßen und nach Stimmen die Wahl 2017 sogar gewonnen hatten. Labour stellte nur deshalb die Regierung mit Grünen und Rechtspopulisten, weil die Nationals sich mit keinem Koalitionspartner einigen konnten. Doch die National-Partei habe dieses Jahr bereits „zwei Parteichefs verschlissen“ und habe nun Judith Collins als „dritte Vorsitzende in weniger als einem halben Jahr“, sagt Hartwich. „Das alles kratzt am Ansehen.“ Levine glaubt, dass die Oppositionspartei es angesichts des Führungswechsels bereits als einen „Sieg“ betrachten werde, wenn sie einen Erdrutschsieg Arderns verhindert. (Von Barbara Barkhausen)

Rubriklistenbild: © MICHAEL BRADLEY / AFP

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare