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Ja zum Krieg

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Von: Viktor Funk

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Die Zustimmung zu Putins Politik wächst im Land. Das ist ernüchternd, denn das Regime muss keinen Druck aus dem Inneren befürchten.

Zuerst war die Hoffnung da, dass Menschen in Russland gegen den verbrecherischen Angriffskrieg ihres Landes demonstrieren würden – die zerschlug sich aber schnell, nachdem die russische Polizei die ersten Protestzüge niederknüppelte.

Dann weckten die schnell erfolgten internationalen Sanktionen Hoffnung, das russische Regime würde einlenken oder das russische Volk würde wegen der Wirtschaftskrise aufbegehren. Auch dafür gibt es keine Anzeichen. Ganz im Gegenteil.

Das unabhängige Meinungsforschungsinstitut Lewada in Moskau zeigt aktuell eine komplexe Gemütslage im Land: Einerseits glauben 28 Prozent der Befragten, sie durchleben derzeit „die schwierigsten Zeiten“ – ein Anstieg um zwölf Prozentpunkte seit März. Das erinnere an die Stimmungen in den Krisenjahren 2008/09 und 2014/15, berichten die Forschenden in ihrer Analyse. Zugleich erwarten immer noch 48 Prozent der Befragten, dass „noch schwierigere Zeiten“ vor ihnen liegen – sechs Prozentpunkte weniger als im März.

Andererseits ist die Zustimmung zum Regime seit Kriegsbeginn Ende Februar gestiegen, nach Daten von Lewada unterstützen 83 Prozent der Befragten das Handeln des Präsidenten Wladimir Putin. Und auch die Zustimmung zur Arbeit der Regierung ist stark gestiegen – von 55 Prozent im Februar auf aktuell 70 Prozent. Heißt das, dass die Mehrheit der Menschen in Russland den Krieg tatsächlich gutheißt?

Die Forschungsstelle Osteuropa in Bremen hat das Umfrage-Problem in Russland etwas näher betrachtet und in ihren „Länder-Analysen“ das Dilemma dargelegt: „Was denken gewöhnliche Russen wirklich über den Krieg in der Ukraine?“ lautet der Titel des Aufsatzes von Kseniya Kizilova und Pippa Norris. Sie schreiben: „Es ist klar, dass nicht alle Russ:innen vor Beginn der Invasion einen Krieg unterstützten, dass aber insgesamt verschiedenen Umfragen zufolge eine Mehrheit von rund 60 Prozent dafür waren.“ Die Forscherinnen verweisen auf Probleme wie staatliche Propaganda und Selbstzensur, doch insgesamt sei „zu bezweifeln, ob selbst die weitreichendsten Schätzungen zu verzerrten Antworten das Verhältnis in der öffentlichen Meinung zugunsten des Militäreinsatzes in der Ukraine kippen könnten, so wie es sich aus den ersten Umfragen ergibt“.

Dieser Aufsatz bezog sich auf Umfragen in den ersten Wochen nach Kriegsbeginn. Lewada zeigt mit seinen jüngsten Daten: Die Bevölkerung in Russland trägt den Krieg mit. Entsprechend ist kein Widerstand im Land selbst gegen den Krieg zu erwarten. vf

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