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Meloni bald erste Ministerpräsidentin in Italien? „Negativ für die Frauen“

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Von: Tim Vincent Dicke

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Erstmals könnte in Italien eine Frau an die Spitze der Regierung kommen. Feminismus ist für die rechte Politikerin Giorgia Meloni aber ein Fremdwort.

Rom – Die Nationalistin Giorgia Meloni führt in den Umfragen vor der Italien-Wahl am 25. September deutlich, ihrer Mitte-Rechts-Allianz winkt in Italien ein überwältigender Sieg. Nach 30 Männern im Amt des Regierungschefs seit 1945 kann die Chefin der extrem rechten Partei Fratelli d‘Italia in Rom Geschichte schreiben. Bedeutet das eine Zeitenwende?

Der Politikwissenschaftler Andrea Ungari spricht von einer wichtigen Entwicklung. „Ein Wahlsieg Melonis könnte die Frauen mehr in den Mittelpunkt der Politik stellen“, so die Professorin an der Römer Universität Luiss gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. „Meiner Meinung nach wäre das ein Schritt nach vorne für die Frauen.“ Ungari erinnert daran, dass es Meloni „ohne große Hilfe“ so weit geschafft habe, „und nicht, weil sie Ehefrau oder Tochter von irgendjemandem war“.

Italien-Wahl: Meloni hat sich unter vielen Männern durchsetzt

Dass die 45-Jährige aber just bei Italiens Rechten erfolgreich sein konnte, in der Alpha-Männer wie Silvio Berlusconi seit Jahrzehnten ein sehr eigenes und wenig fortschrittliches Frauenbild haben, nennt Ungari „einen dieser Widersprüche der Geschichte“. Sie selbst sagt: „Egal, was dein Geschlecht ist, dir wird nichts geschenkt.“

Giorgia Meloni gibt Medienschaffenden ein Interview.
Mit der rechten Politikerin Giorgia Meloni könnte Italien die erste Ministerpräsidentin bekommen. © Piero Cruciatti/AFP

Kritiker:innen befürchten, dass eine rechte Regierung für Frauen in Italien ein Rückschritt bedeute. „Giorgia Meloni gewinnt – auch innerhalb ihrer Partei – weil sie ‚Gott, Vaterland und Familie‘, dieses patriarchalische Konzept unserer Gesellschaft, nicht anrührt“, bemängelte Enrico Letta von der sozialdemokratischen Partei. Gott, Vaterland, Familie – „damit verteidigen wir unsere Identität“, sagte Meloni.

„Melonis Politik ist sehr negativ für die Frauen“

Ihre Gegnerschaft hört solche Aussagen mit Sorge. „Melonis Politik ist sehr negativ für die Frauen“, meint Emma Bonino, langjährige Parlamentarierin, mehrmalige Ministerin, einst EU-Kommissarin und seit jeher Vorkämpferin für Frauenrechte in Italien. Von Emanzipation sei diese Rechte weit entfernt. „Sie vertreten eine Politik, in der Frauen in ihren Rollen bleiben, als Heimchen am Herd, Mutter, Ehefrau.“ Meloni, die in Reden mit nationalistischen Äußerungen provoziert, bedeute für Frauen einen „Rückschritt“, sagt Bonino.

Dem hält Meloni entgegen, dass sie sich sehr wohl für Frauen und deren Rechte einsetze. Das gesetzliche Recht auf Abtreibung etwa wolle sie nicht abschaffen, obwohl das ihre Gegner ständig behaupteten, sagte sie zuletzt immer wieder. Im Wahlprogramm der Rechts-Allianz stehen zudem Hilfen für Familien und auch für junge Mütter, die wieder in den Beruf zurückkehren wollen.

Rechte liegen in Italien deutlich vorne

Fachleute halten es für sehr wahrscheinlich, dass das rechte Bündnis um Giorgia Melonis Fratelli d‘Italia, Matteo Salvinis Lega sowie Silvio Berlusconis Forza Italia bei der Italien-Wahl gewinnt. Die Umfragen würden „einen Abstand von mindestens 15 Prozentpunkten zwischen den beiden größten politischen Lagern“ zeigen, sagte Lorenzo De Sio von der Luiss-Universität dem Bayerischen Rundfunk. „Dass sich dies noch grundlegend ändert, ist eine ziemlich unwahrscheinliche Möglichkeit.“ Inhaltlich läuft nicht alles harmonisch bei den Rechten in Italien, so ist Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban ein Zankapfel. (tvd/dpa)

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