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Meloni und Le Pen: Die ungleichen Schwestern

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Von: Stefan Brändle

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Es trennt sie mehr als sie verbindet: Giorgia Meloni (links) und Marine Le Pen 2015. Foto: imago images.
Es trennt sie mehr als sie verbindet: Giorgia Meloni (links) und Marine Le Pen 2015. Foto: imago images. © Italy Photo Press/Imago

In Italien vollbringt die Postfaschistin Giorga Meloni was der französischen Radikalen Marine Le Pen nicht gelingt: den Sieg der Rechten. Einem Bündnis der beiden könnte Neid im Wege stehen – unter anderem.

Paris/Rom – Natürlich freute sich Marine Le Pen am Montag über den Sieg der italienischen Rechten. Signifikantes Detail: Die Chefin der französischen Rechtspopulisten des „Rassemblement National“ (RN) gratulierte Matteo Salvini ebenso wie Giorgia Meloni. Da mochte auch politischer Neid mitspielen: Während Le Pen schon dreimal – das letzte Mal im April – bei den Präsidentschaftswahlen scheiterte, ist Meloni in Rom ganz oben angelangt.

Bei ihrem letzten Treffen im Jahr 2015, es war in einer italienischen Talkshow, hatte Le Pen ihrer Gesinnungsschwester noch gute Ratschläge erteilt und sie regelrecht von oben herab behandelt, so wie die Franzosen die Italiener gerne ihre „kleinen Brüder“ nennen. Während Meloni am Wahltag mit einem Kurzvideo scherzeshalber zwei Melonen vor sich hielt, käme es der steifen, von sich eingenommen Pariserin nie in den Sinn, sich fast schon selbstironisch filmen zu lassen.

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Seit jenem Auftritt vor sieben Jahren haben sich die Politikerinnen nicht mehr getroffen. Le Pen bevorzugt Matteo Salvini. Dem Großmaul und Russlandfreund steht sie sowohl persönlich wie politisch näher. Bei den Präsidentschaftswahlen in Frankreich im April sah Meloni umgekehrt erstmals davon ab, zur Wahl Le Pens aufzurufen: „Kein Kandidat entspricht dem Lager der Konservativen, dem ich angehöre“, sagte sie.

Im Kern vertreten beide ähnliche Positionen: gegen die Eliten und die EU, wider Einwanderung und Islam. Den christlichen Ansatz Melonis teilt Le Pen aber nicht: Die Französin, die sich lieber als Republikanerin gibt – während Meloni als Konservative auftritt –, ist für ein liberales Abtreibungsrecht. Sie ist zwar auch für ein staatlich gefördertes Familienrecht, aber dies eher aus nationalistischen, nicht wie Meloni aus religiösen Gründen. Während die Italienerin als proamerikanische Atlantikerin gilt und klar zur Ukraine steht, war Le Pen zumindest bis zum Ukraine-Krieg eine Putin-Freundin, die von Kreml-Vertrauten Wahlkampfkredite genommen hatte.

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Unterschiedlich gehen die beiden Frauen auch mit der belasteten Vergangenheit ihrer Bewegungen um. Meloni hat keine Skrupel im Umgang mit dem Urvater der „Fratelli d’Italia“, Benito Mussolini; Le Pen verurteilt dagegen zumindest rhetorisch den französischen Vichy-Anführer Philippe Pétain. Damit hebt sie sich bewusst von ihrem Vater Jean-Marie Le Pen ab, der den „Front National“ (FN) zusammen mit Vichy-Anhängern gegründet hatte. Meloni wie Le Pen führen zwar beide das faschistische Flammen-Symbol in ihrem Parteilogo. Le Pen hat die Flamme aber fast schon in einen schematisierten Eiffelturm verwandelt.

Dass die beiden gemeinsame Sache machen werden, scheint auch deshalb ausgeschlossen, weil in Frankreich erst wieder 2027 Präsidentschaftswahlen anstehen. Zumindest solange muss sich Le Pen noch gedulden.

Auch so hätten die Stimmen Le Pens und Melonis in der europäischen Debatte viel Gewicht. Doch nicht einmal diese Debatte werden sie zusammen führen: Meloni neigt in Paris eher dem ultrakonservativen Ex-Präsidentschaftskandidaten Eric Zemmour zu – Le Pens internem Rivalen, ja Feind. Das hat auch eine private Komponente: Le Pens Nichte, Marion Maréchal, ist zu Zemmour übergelaufen und gilt deshalb im Le-Pen-Lager als Verräterin an der Familiendynastie. Maréchals Lebenspartner ist Vincenzo Sofo, ein EU-Abgeordneter von Melonis „italienischen Brüdern“. Ein Grund mehr, dass Marine Le Pen die wahrscheinliche Ministerpräsidentin nicht in ihrem Herzen trägt. (Stefan Brändle)

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