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Italien-Wahl: Hitler „ein großer Staatsmann“ – Nazi-Skandal um Partei von Meloni

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Von: Tim Vincent Dicke

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Ein Mitglied der Brüder Italiens lobt Adolf Hitler – und vergleicht ihn mit Parteichefin Giorgia Meloni. Die jüdische Gemeinde ist entsetzt.

Rom – Wenige Tage vor den Parlamentswahlen in Italien erschüttert ein Nazi-Skandal das Land, das seit Jahrzehnten von ständigen politischen Krisen geprägt ist. Selbst der rechten Partei Fratelli d‘Italia (Brüder Italiens), die mit dem faschistischen Herrscher Benito Mussolini kokettiert, gingen die Äußerungen eines Mitglieds zu weit.

2014 hatte Calogero Pisano, ein kandidierendes Fratelli-Mitglied auf Sizilien, die Parteichefin Giorgia Meloni in einem Facebook-Post mit „einem großen Staatsmann von vor 70 Jahren“ verglichen. Pisano merkte an, dass er sich auf einen „Deutschen“ und nicht auf Benito Mussolini beziehe – den nationalsozialistischen Diktator Adolf Hitler, der zwischen 1933 und 1945 in Deutschland herrschte.

Italien-Wahl: Fratelli d‘Italia schmeißen Kandidaten aus der Partei

Ausgegraben hat den Beitrag acht Jahre später die italienische Tageszeitung La Republicca. Sie fand auch einen weiteren Post, in dem Pisano seine Unterstützung des russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin zum Ausdruck brachte, der seit dem 24. Februar einen Angriffskrieg in der Ukraine führen lässt.

Innerhalb weniger Stunden schloss die Partei ihr Mitglied mit „sofortiger Wirkung“ aus. „Von diesem Moment an repräsentiert Pisano die Brüder Italiens auf keiner Ebene mehr und darf das Symbol nicht mehr verwenden“, hieß es in einem Statement. Für weiteren Maßnahmen werde Pisano „an den Aufsichtsrat der Partei verwiesen“.

Giorgia Meloni liegt mit ihrer Partei Fratelli d‘Italia in den Umfragen vor der Italien-Wahl vorne.
Giorgia Meloni liegt mit ihrer Partei Fratelli d‘Italia in den Umfragen vor der Italien-Wahl vorne. © Piero Cruciatti/AFP

Pisano selbst bedauere die Äußerungen, teilte er mit. „Vor Jahren habe ich Dinge geschrieben, die zutiefst falsch waren“, erklärte er und fügte hinzu: „Ich weiß nicht, wie La Repubblica die Beiträge gefunden hat, aber ich verurteile diese Äußerungen unmissverständlich und entschuldige mich bei allen, die dadurch beleidigt wurden.“

„Es ist nicht hinnehmbar“: Jüdische Gemeinde in Italien entsetzt

Bei Jüdinnen und Juden sorgten die veröffentlichten Posts für einen großen Aufschrei. Die Präsidentin der jüdischen Gemeinde Rom, Ruth Dureghello, schrieb auf dem Kurznachrichtendienst Twitter: „Es ist nicht hinnehmbar, dass jemand, der Hitler verherrlicht, im nächsten Parlament sitzen kann.“ Bereits zuvor habe sie neonazistische Äußerungen eines Kandidaten einer anderen Partei deutlich kritisiert. „Es kann keinen Platz für diejenigen geben, die Hass legitimieren“, so Dureghello.

Die Brüder Italiens wurden 2012 gegründet und haben ihre Wurzeln in der Movimento Sociale Italiano (MSI, zu Deutsch: Italienische Sozialbewegung). Der MSI verstand sich als neofaschistische Partei und wollte das Erbe von Benito Mussolini weitertragen. Bis heute hat die Partei von Nationalistin Giorgia Meloni eine grün-weiß-rote Flamme im Parteilogo, die stark an die Symbolik aus der Zeit des Faschismus erinnert.

Partei von Meloni laut Umfragen stärkste Kraft

Fachleute sagen einen deutlichen Rechtsruck bei der Wahl am 25. September in Italien voraus. Meloni hat gemeinsam mit der konservativen Forza Italia von Silvio Berlusconi und Matteo Salvinis rechter Lega einen Block gegründet. In den Umfragen deutet sich an, dass Melonis Fratelli als deutlich stärkste Einzelpartei abschneiden könnte. Das Institut SWG sieht die Partei bei 25 Prozent, bei Ipsos gaben sogar 27 Prozent der Befragten an, die Brüder Italiens wählen zu wollen. Der Wahlkampf ist aufgeheizt, so sorgte der Deutschland-Besuch des sozialdemokratischen Kandidaten Enrico Letta für große Aufregung. (tvd)

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