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„Ausgrenzung ist abscheulich“ – Papst Franziskus legt sich mit rechter Regierung von Meloni an

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Von: Karolin Schäfer

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Papst Franzsikus während der Messe zur Heiligsprechung der neuen Heiligen Giovanni Battista Scalabrini und Artemide Zatti auf dem Petersplatz im Vatikan.
Papst Franzsikus während der Messe zur Heiligsprechung der neuen Heiligen Giovanni Battista Scalabrini und Artemide Zatti auf dem Petersplatz im Vatikan. © Evandro Inetti/imago

Während die italienischen Rechten die Migrationspolitik verschärfen wollen, bezeichnet Papst Franziskus die Ausgrenzung von Zuwanderern als „sündhaft“.

Rom – Italien hat gewählt. Die italienischen Rechten mit Giorgia Melonis wurden mit etwa 26 Prozent der Stimmen die stärkste Kraft im Parlament. „Das große Ziel, das wir uns im Leben und als politische Kraft gegeben haben, war, dass die Italiener wieder stolz sein können, Italiener zu sein“, hatte Meloni in ihrer Siegesrede Ende September gesagt.

Vieles deutet darauf hin, dass die rechtskonservative Politikerin der Fratelli d’Italia nun Ministerpräsidentin wird. Damit würde die erste Frau an der Spitze Italiens stehen. Ihre Ziele: strengere Asylvorschriften, schnellere Abschiebungen und Italiens Grenzen verschärfen.

Italien: Papst findet eindeutige Worte – „Ausgrenzung von Migranten ist skandalös“

„Die Ausgrenzung von Migranten ist skandalös“, protestierte Papst Franziskus, Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche, am Sonntag (09. Oktober) nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters. „In der Tat ist die Ausgrenzung von Migranten kriminell. Sie lassen sie vor unseren Augen sterben“, äußerte sich der Papst anlässlich der Heiligsprechung des Bischofs Giovanni Battista Scalabrini (1839-1905), der als „Vater der Auswanderer“ bekannt ist. Scalabrini war Gründer der italienischen Seelsorge für Auswanderer.

Franziskus leitete die Zeremonie vor rund 50.000 Menschen auf dem Petersplatz. „Und so ist das Mittelmeer heute der größte Friedhof der Welt“, sagte er mit Blick auf die Tausenden, die bei dem Versuch, Europa über das Mittelmeer zu erreichen, ertrunken sind.

Italien: Papst Franziskus auf Kollisionskurs mit italienischen Rechten

„Die Ausgrenzung von Migranten ist abscheulich, sie ist sündhaft. Es ist kriminell, den Bedürftigen keine Türen zu öffnen“, zitierte Reuters den Papst. Wenn es nach Meloni ginge, dürften Migrant:innen Europa gar nicht erst erreichen. Die Politikerin forderte eine Seeblockade Nordafrikas, um Flüchtende an der Überfahrt zu hindern. Zudem sollen weiterhin Rettungsschiffe von Hilfsorganisation zu blockiert werden.

Franziskus hat die Unterstützung von Migrant:innen inzwischen zum Kernthema seines Pontifikats gemacht. Seine deutlichen Worte am Sonntag stehen im Widerspruch zu Melonis Wahlkampfversprechen. Damit dürfte der Papst auf Kollisionskurs mit Italiens zukünftiger rechtsgerichteter Regierung stehen.

Angesichts des Erdrutschsieges der italienischen Rechten hat die zivile Seenotrettung Sea Watch ein neues Schiff (Sea-Watch 5) im Mittelmeer. „Nach dem Sieg der rechten Allianz in Italien drohen die Menschenrechte im Mittelmeer endgültig unterzugehen. Mehr denn je kommt es jetzt auf die solidarische Zivilgesellschaft an“, sagte Liza Pflaum stellvertretende Vorsitzende des Bündnisses United4Rescue in einer Erklärung. (kas)

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