+
Auf dem Weg zur Abstimmung über den Parteivorsitz: Nicola Zingaretti von der Partei Partito Democratico (PD).

Italien

„Anführer einer Gemeinschaft“

  • schließen

Italiens Linke wurde bei der Parlamentswahl abgestraft. Nicola Zingaretti soll die sozialdemokratische PD zu neuen Erfolgen führen.

Leicht wird es nicht werden. Als künftiger Chef der sozialdemokratischen Partei PD steht Nicola Zingaretti vor der Herausforderung, die in Schockstarre verharrende italienische Linke zu neuem Leben zu erwecken und der rechten Populisten-Regierung in Rom endlich eine echte Opposition entgegenzusetzen. Mehr als 1,7 Millionen Italiener hatten am Sonntag geduldig in Schlangen gewartet, um sich an landesweit 700 Straßenständen an der Urwahl des PD-Vorsitzenden zu beteiligen, die nicht nur Parteimitgliedern vorbehalten war. 70 Prozent stimmten für den 53 Jahre alten früheren Kommunisten Zingaretti, der inzwischen ein gemäßigter Linker geworden ist. Seit 2013 regiert er die Region Latium, zu der auch die Hauptstadt Rom gehört.

Die hohe Beteiligung an der Urwahl sei ein „Sieg des anderen Italien“, kommentierte Zingaretti. Eines Italien, das sich dem rechten Populismus widersetzt. Am Samstag war er in Mailand zusammen mit 250 000 Menschen gegen die migrantionsfeindliche Politik der Regierung auf die Straße gegangen. Er werde gegen die Kultur des Hasses kämpfen, den das Bündnis der Anti-Establishment-Bewegung Fünf Sterne und der rechtsnationalen Lega verbreite, verspricht Zingaretti. Und er werde zeigen, dass die Sozialdemokraten die besseren Ideen hätten.

Das war den Linken bei der Parlamentswahl vor einem Jahr überhaupt nicht gelungen. Die bis dahin regierende PD stürzte auf 18 Prozent ab. Ihre historische Niederlage war eine Quittung für ständige parteiinterne Kämpfe, bei denen es um Personen, aber nicht mehr um politische Inhalte ging. Unter der Ägide des damaligen Parteichefs, Ex-Premier Matteo Renzi, hatte sich die von jeher zerstrittene Linke noch stärker polarisiert. Renzi-Befürworter und Renzi-Gegner in der PD lieferten sich erbitterte Auseinandersetzungen. Renzi selbst trat nun bei der Urwahl nicht mehr an. Einer seiner Anhänger, Roberto Giachetti, war jedoch unter den drei Kandidaten. Er landete mit zwölf Prozent der Stimmen auf dem letzten Platz.

Zingaretti werden im Gegensatz zu Renzi große Fähigkeiten als Vermittler zugeschrieben. Er hat sich vorgenommen, die gespaltene Partei zu einen. „Ich werde nie Chef sein, sondern Anführer einer Gemeinschaft“, verspricht er. Die gemäßigte Linke müsse endlich ihre Identität neu bestimmen.

Umbrüche und Wandlungen hat Zingaretti als ehemaliger Funktionär der PCI, der Kommunistischen Partei Italiens, schon einige erlebt. Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks benannte sich die Partei mehrfach um und löste sich schließlich auf. 2007 dann gehörte Zingaretti zu den Gründern der PD, in der sich Ex-Kommunisten und Ex-Christdemokraten zusammenschlossen.

Eine Konstante in seiner politischen Laufbahn ist der Kampf gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Das liegt sicher auch in seiner Familiengeschichte begründet. Die jüdische Urgroßmutter wurde in Auschwitz ermordet, Mutter und Großmutter entkamen in Rom knapp der Verfolgung durch die Nazis.

Als Oppositionsführer hat Zingaretti nun die Chance, in Italien so bekannt zu werden wie sein älterer Bruder Luca. Der ist Schauspieler und spielt die Hauptrolle in der äußerst populären TV-Krimiserie „Commissario Montalbano“.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion