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Nur scheinbar innig vereint: Giorgia Meloni und Matteo Salvini.

Italien

„Ich bin schon rechts geboren“: Italiens ultrarechte Aufsteigerin macht Salvini Konkurrenz

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Ultrarechte Aufsteigerin in Italien: Post-Faschistin Giorgia Meloni macht sich daran, Matteo Salvini der rechtsradikalen Lega an der Wahlurne zu beerben.

  • Giorgia Meloni der „Fratelli d'Italia“ auf Überholspur
  • Lega-Partei von Salivini sinkt in Umfragen
  • Meloni liebäugelt mit Spitzenkandidatur in Italien

Rom – Die 43-Jährige aus dem römischen Arbeiterviertel Garbatella ist eigentlich nicht auf den Mund gefallen. Doch wenn es um ihr Verhältnis zu Lega-Chef Matteo Salvini geht, zeigt sich Giorgia Meloni neuerdings auffallend zurückhaltend. „Je mehr Menschen bestimmte politische Ideen vertreten, desto besser“, pflegt sie auf die Frage zu antworten, ob sie sich inzwischen als Konkurrentin Salvinis unter Italiens Rechten und Ultrarechten sieht. Man ergänze sich ganz gut: Sie sei „nachdenklich und pingelig“, der Lega-Chef dafür „impulsiver“.

Tatsächlich gibt es diese Konkurrenz aber – und seit kurzem ist die Aufsteigerin Meloni klar im Vorteil. Die von ihr 2013 gegründeten „Fratelli d’Italia“ sind von 6,4 Prozent bei den Europawahlen im Mai 2019 laut den jüngsten Umfragen auf 13 Prozent angestiegen, während Salvinis rechtsradikale und fremdenfeindliche Lega im gleichen Zeitraum von 34 Prozent auf unter 30 gesunken ist. Meloni ist inzwischen auch beliebter als Salvini. Die „Fratelli“ (übersetzt „Brüder Italiens“ und eigentlich der informelle Titel der Nationalhymne) sind die ideologischen Haupterben des von 1946 bis 1995 aktiven Mussolini-faschistischen „Movimento Sociale Italiano“ (MSI).

Italien: Giorgia Meloni (Fratelli d'Italia) im Profil

Die Frage, wer von ihnen rechter sei, belustigt Meloni: „Ich bin die Rechte, ich bin schon rechts geboren.“ Sie war schon im Alter von 15 Jahren bei der „Fronte della Gioventù“ („Jugendfront“) des MSI. Später politisierte die Post-Faschistin in Gianfranco Finis „Alleanza Nazionale“, der den MSI auf die Demokratie verpflichtet und regierungsfähig gemacht hatte. 2008 wurde Meloni unter Silvio Berlusconi Jugend- und Sportministerin.

Zu Melonis Sympathisanten zählen Duce-Nostalgiker und ehemalige neofaschistische Schläger; Bei ihren Wahlkampfauftritten ist regelmäßig der „römische Gruß“ zu sehen, der nach oben ausgestreckte rechte Arm, mit dem auch Hitlers Nazis grüßten.

Meloni selber gibt sich als moderne, emanzipierte Frau und Mutter, die mit Ewiggestrigen wenig gemein hat. So richtig distanzieren vom Duce mag sie sich aber nicht: „Der Faschismus muss im Kontext seiner Zeit beurteilt werden.“ Ihr Slogan entspricht jenem Salvinis: „Prima gli italiani“- die Italiener zuerst.

Italien: Giorgia Meloni überholt Salvini in den Umfragen

Dass Meloni Salvini bezüglich Beliebtheit inzwischen den Rang abgelaufen hat, liegt nicht zuletzt an Salvini selbst: Mit dem Sturz der von ihm dominierten Regierung im vergangenen August beging er einen politischen Anfängerfehler, der ihm bis heute nachhängt. Mit seiner oft primitiven Angriffslust verschreckt Salvini zudem viele moderate Rechts-Wähler. Auch Meloni hat sich schon für Seeblockaden von Flüchtlingsbooten ausgesprochen, aber im Unterschied zu Salvini verunglimpft sie die Menschen nicht pauschal als potenzielle Verbrecher und Drogenhändler.

Vergleichsweise moderat zeigt sich Meloni auch in der Außenpolitik. Sie sieht Euro und EU zwar skeptisch, verzichtet aber auf aggressive Lega-Slogans wie „Basta Euro“. Nicht nur in Brüssel, sondern auch in den USA gilt Meloni deswegen als deutlich vertrauenswürdiger denn Salvini, der aus seiner Putin-Begeisterung nie einen Hehl gemacht hat und dessen Lega im Verdacht steht, sich um illegale Parteispenden aus dem Kreml bemüht zu haben.

Italien: Meloni liebäugelt mit Spitzenkandidatur

Inzwischen liebäugelt Meloni mit einer Spitzenkandidatur bei den nächsten Parlamentswahlen. „Italien wäre reif für seine erste Premierministerin“, sagte sie jüngst. Dabei gilt noch eine Abmachung mit der Lega: Den Spitzenkandidaten stellt die Partei, die in den Umfragen vorne liegt – derzeit noch die Lega. Sollte Salvini aber dank der Blockierung von Flüchtlingsschiffen bis zu den Wahlen wegen Freiheitsberaubung und Amtsmissbrauch verurteilt werden, würde sich diese Abmachung erübrigen. Dann könnte Giorgia Melonis Stunde schlagen.

Nach der Niederlage der Lega-Partei bei der Regionalwahl in der Emilia-Romagna ist der politische Wiederaufstieg des früheren italienischen Innenministers Matteo Salvini vorerst gestoppt.

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