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Unglück im Mittelmeer

Italien „versäumt“ zu helfen: 200 Menschen ertrinken – UN-Ausschuss erteilt Rüge

  • Lukas Rogalla
    vonLukas Rogalla
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Ein UN-Ausschuss teilt mit, dass Italien es „versäumt“ habe, das „Recht auf Leben“ von Hunderten Menschen zu bewahren. Die Verantwortung für ein sinkendes Schiff wurde an Malta abgegeben.

  • Im Mittelmeer kentert 2013 ein Boot mit 400 Geflüchteten an Bord.
  • Der Menschenrechtsauschuss der Vereinten Nationen rügt Italien wegen unterlassener Hilfeleistung.
  • Italien habe nicht sofort gehandelt und gegen internationales Recht verstoßen.

Rom – Im Oktober 2013 verlässt ein Boot den Hafen von Zuwara in Libyen. An Bord befinden sich mehr als 400 Erwachsene und Kinder, hauptsächlich Syrer:innen. Stunden später kentert das Boot. Mehr als sieben Jahre danach trifft der Menschenrechtsausschuss der Vereinten Nationen nach einer Beschwerde von Hinterbliebenen schließlich eine Entscheidung. Italien habe es versäumt, auf Notrufe einzugehen und mehr als 200 Geflüchtete und Migrant:innen sterben lassen.

Drei Syrer und ein Palästinenser haben das Unglück im Mittelmeer überlebt, aber ihre Familien verloren. Gemeinsam legten sie Beschwerde beim Menschenrechtsausschuss der UN ein, der nun einen Bericht veröffentlicht und Italien gerügt hat.

Mehr als 200 Menschen ertrinken im Mittelmeer: Unterlassene Hilfe von Italien

Demnach trafen die vier Personen am 10. Oktober in der Hafenstadt Zuwara ein und schlossen sich einer größeren Gruppe an, hauptsächlich Geflüchtete aus Syrien. Sie sind an Bord eines Fischkutters gegangen, der gegen 01.00 Uhr nachts in See stach. Wie dem Bericht zu entnehmen ist, wurde der Kutter Stunden später von einem Boot, das unter der Berber-Flagge fuhr, in internationalen Gewässern „angeschossen“, etwa 113 Kilometer südlich der italienischen Insel Lampedusa und 218 Kilometer südlich von Malta. Das Boot lief voller Wasser.

Italien soll Hilfe für Geflüchtete und Migrant:innen im Mittelmeer unterlassen und damit für den Tod von mehr als 200 Menschen gesorgt haben. (Symbolbild)

Eine Person an Bord versuchte, die italienische Seenotrettung zu kontaktieren, gab an, dass das Boot sinke und übermittelte die Koordinaten. Nach mehreren Anrufen wurde ihnen mitgeteilt, dass sie sich in der Rettungszone von Malta befinden würden. Sie erhielten eine entsprechende Telefonnummer. Zwischen 13.00 Uhr und 15.00 Uhr habe es zunehmend verzweifelte Kontaktversuche mit der maltesischen Seenotrettung und dem Militär des Inselstaats gegeben. Gegen 17.50 Uhr traf schließlich ein Patrouillenboot ein. Der Kutter war jedoch gekentert. Nach einer dringenden Anfrage Maltas, entsendete Italien schließlich die „ITS Libra“ der Marine, die sich in der Umgebung befand und nach 18.00 Uhr zur späten Rettung eintraf.

Boot mit Geflüchteten kentert im Mittelmeer: Italien reagiert zu spät

Mehr als 200 Geflüchtete und Migrant:innen, darunter 60 Kinder, sind aufgrund der verspäteten Maßnahmen ertrunken. Einige Überlebende sind gegen die italienischen Behörden vor Gericht gezogen und legten schließlich Beschwerde beim UN-Ausschuss ein. Italien habe es versäumt, geeignete Maßnahmen einzuleiten, um ihre Verwandten zu retten und damit ihr „Recht auf Leben“ verletzt, heißt es im Bericht.

„Es ist ein komplexer Fall“, erklärt UN-Ausschussmitglied Hélène Tigroudja. „Der Unfall hat sich in internationalen Gewässern innerhalb der maltesischen Such- und Rettungszone zugetragen, aber der Standort war tatsächlich näher an Italien und einem seiner Marineschiffe dran. Hätten die italienischen Behörden das Schiff und Boote der Küstenwache umgehend nach den Notrufen entsendet, wäre die Rettung spätestens zwei Stunden vor dem Kentern eingetroffen.“

Italien soll gegen internationales Recht verstoßen haben: 200 Geflüchtete und Migrant:innen ertrunken

Italien sei nach internationalem Recht in der Pflicht gewesen, die sich in Not befindenen Personen im Mittelmeer ausfindig zu machen und ihre Leben zu schützen. „Die verspätete Reaktion Italiens hatte direkte Auswirkungen auf den Verlust von hunderten von Leben“, so Tigroudja.

Der UN-Ausschuss drängt Italien nun dazu, eine unabhängige und frühzeitige Untersuchung einzuleiten, um die Verantwortlichen strafrechtlich zu verfolgen. Den Hinterbliebenen sollen Italien und andere Länder entsprechend Hilfe anbieten. Eine Beschwerde gegen Malta lehnte der Ausschuss der Vereinten Nationen ab. Die Kläger hätten dort noch kein rechtliches Verfahren eingeleitet.

Viele Migrant:innen und Geflüchtete versuchen, über Libyen nach Europa zu gelangen. Das UN-Flüchtlingskommissariat stuft die Route über das Mittelmeer als eine der gefährlichsten der Welt ein. Eine von sechs Personen, die den Weg von Nordafrika aus antreten, sterben. Seit 2014 waren das mehr als 20.000 Menschen. (Lukas Rogalla)

Rubriklistenbild: © Joan Mateu/dpa

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