Italiens Staatschef Giuseppe Conte hat in der Pandemie vieles richtig gemacht – doch eine Exit-Strategie fehlt.
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Italiens Staatschef Giuseppe Conte hat in der Pandemie vieles richtig gemacht – doch eine Exit-Strategie fehlt.

Corona-Krise in Italien

Italien hat keinen Exit-Plan – Stillstand droht

  • vonDominik Straub
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Italiens Staatschef Giuseppe Conte hat in der Corona-Krise vieles richtig gemacht – doch eine Exit-Strategie fehlt.

  • Europas Sorgenkind: Das Coronavirus hat Italien schwer gebeutelt 
  • Staatschef Conte hat in der Corona-Krise dennoch viele gute Entscheidungen getroffen
  • Jetzt herrscht in Italien aber Stillstand: Eine Exit-Strategie fehlt 

Rom – Den Unternehmern in Norditalien ist der Geduldsfaden schon lange gerissen: „Wenn wir unsere Betriebe nicht sehr bald wieder hochfahren können, dann droht die Gefahr, dass der Motor des Landes noch ganz absterben wird“, schrieben die Arbeitgeberverbände der Regionen Lombardei, Piemont, Venetien und Emilia-Romagna in einem offenen Brief an Regierungschef Giuseppe Conte. Und: „Jeder Tag, der verstreicht, erhöht das Risiko, dass er nicht mehr anspringen wird.“

Die Unternehmer forderten eine zumindest teilweise Wiederaufnahme der Produktion vor Ostern, zumal die Liquidität der Betriebe zur Neige gehe. In den vier Regionen werden 45 Prozent der italienischen Wirtschaftsleistung und mehr als 60 Prozent der Exporte erbracht.

Corona-Krise in Italien: Schließungen bis in den September

Der Appell verhallte ungehört: Die Regierung von Giuseppe Conte entschied vergangene Woche, dass die Schließung der meisten Betriebe sowie die Kontaktsperre bis mindestens 3. Mai aufrechterhalten werden. Die Kindergärten, Schulen und Universitäten bleiben in Italien sogar bis September geschlossen. Der Internationale Währungsfonds warnte am Dienstag, dass Italiens Wirtschaft dieses Jahr um 9,1 Prozent schrumpfen werde. Aber auch das perlte an der Regierung ab.

Premier Conte hatte beim Ausbruch der Epidemie in Italien Ende Februar und auch in den Wochen danach bei der Eindämmung des Coronavirus praktisch alles richtig gemacht – das hat auch die Weltgesundheitsorganisation WHO bestätigt.

Ausstieg aus Quarantäne-Situation läuft in Italien holprig

Mit dem schrittweisen Ausstieg aus der Quarantäne-Situation und der Entwicklung eines detaillierten und plausiblen Zeitplans tut sich Italiens Regierung dagegen ungemein schwer. Es wird zwar auch in Italien viel über flächendeckende Antikörpertests, Masken- und Abstandspflicht und eine Tracking-App diskutiert – aber von konkreten Vorstellungen oder Schritten ist bislang wenig zu hören und zu sehen.

Corona-Krise in Italien: Trotz vielköpfigen Gremien Stillstand

Ein Beispiel für den Stillstand ist die Tracking-App fürs Smartphone: Um über deren Art und Funktionen zu entscheiden, hat die Regierung eine Kommission mit 74 Mitgliedern eingesetzt. Bezüglich der Effizienz eines solchen Riesen-Gremiums macht sich in Italien niemand Illusionen.

Vor wenigen Tagen hat Conte außerdem eine 17-köpfige Task Force für die „Phase 2“ eingesetzt. Diese ist zwar mit ehemaligen Spitzenmanagern und Harvard-Absolventen besetzt – aber bis heute ist unklar, ob dieses Gremium Entscheidungskompetenzen oder nur eine beratende Funktion hat. Am Ende wird wohl die Regierung entscheiden – irgendwann, irgendwie.

Italiener sind „quarantänemüde“ – Keine Exit-Strategie für Corona-Krise

Premier Conte rechtfertigt das Festhalten am Lockdown mit der nach wie vor hohen Zahl der Toten: Man befinde sich laut den Experten noch in der „Phase 1“ und deshalb sei es zu früh, bereits in die „Phase 2“ einzutreten. Tatsächlich sterben in Italien nach wie vor etwa 500 bis 600 Menschen pro Tag an den Folgen von Covid-19. Tatsache ist aber auch, dass die Zahl der Infektionen insgesamt rückläufig ist und auch die Zahl der Covid-19-Patienten in den Krankenhäusern und Intensivstationen seit über einer Woche stetig kleiner wird.

Doch die Regierung von Giuseppe Conte hat bisher nicht einmal ansatzweise eine Exit-Strategie entwickelt. Die zunehmend quarantänemüden Italiener werden damit auf eine harte Geduldsprobe gestellt, denn die Quarantäne-Vorschriften in dem Land gehören zu den härtesten in Europa. Faktisch herrscht Hausarrest – und es ist völlig unklar, wie es nach dem 3. Mai weitergehen wird.

Dennoch werden in Italien jetzt auch erste Überlegungen laut, ob und wie man die Urlaubssaison retten könnte

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