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Studie

Wer arm ist, stirbt früher

  • VonLukas Thiele
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Zahlen des Robert-Koch-Instituts bestätigen den Zusammenhang zwischen Geld und Gesundheit. Ein Kongress bemüht sich um Abhilfe.

Die gute Nachricht zuerst: Die Lebenserwartung in Deutschland steigt. Die schlechte Nachricht: Das gilt überwiegend nur für sozial besser gestellte Menschen. Frauen und Männer, die mit wenig Geld auskommen müssen, sterben früher – das wird auf absehbare Zeit so bleiben und sich auch noch verschlimmern. „Männer und Frauen mit einem Einkommen unterhalb der Armutsgrenze haben im Vergleich zu den hohen Einkommensbeziehern eine um elf beziehungsweise acht Jahre geringere Lebenserwartung“, sagte Thomas Lampert vom Robert-Koch-Institut (RKI) am Mittwoch. Das sei das Ergebnis der RKI-Gesundheitsstudie.

Als arm gilt ein Mensch, dessen Haushaltsnettoeinkommen weniger als 60 Prozent des gesellschaftlichen Mittelwerts beträgt. Nach Zahlen des Paritätischen Gesamtverbands ist die Zahl der Armen in Deutschland auf einem Höchststand: Die Armutsquote im Jahr 2015 betrug 15,7 Prozent – das entspricht 12,9 Millionen Menschen.

Die Forschungsergebnisse des RKI belegen, dass das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall sowie für chronische Krankheiten wie Diabetes bei Menschen mit wenig Einkommen zwei- bis dreimal so hoch ist wie bei sozial besser gestellten Menschen. Auch die Gefahr psychisch zu erkranken ist bei Menschen, die unterhalb der Armutsgrenze leben, etwa doppelt so hoch.

Lampert zufolge leben arme Menschen deutlich ungesünder. Sie ernähren sich schlechter und treiben weniger Sport. Dazu addieren sich meist noch schlechtere Arbeitsbedingungen. Hinzu kommt, dass die betroffenen Männer und Frauen die Angebote der Prävention und der Gesundheitsförderung seltener annehmen. Dem RKI zufolge haben auch Kinder und Jugendliche aus sozial schwächeren Familien zwei- bis dreimal häufiger einen allgemein schlechten Gesundheitszustand. Sie sind beispielsweise öfter verhaltensauffällig und übergewichtig.

Stress in der Schwangerschaft

Die Ursache dafür liege häufig schon in der Schwangerschaft, sagt Susanna Rinne-Wolf, Vorsitzende des Berliner Hebammen-Verbands. Schlechte Ernährung in der Schwangerschaft führe bei Kindern zu einem erhöhten Diabetesrisiko. Ein großer Faktor sei aber auch Stress. „Die Schwangerschaft sollte eigentlich eine Zeit der Freude sein. Für ärmere Frauen ist die Schwangerschaft aber häufig mit einer extremen Existenzangst verbunden. Das wirkt sich massiv auf die Kinder aus und setzt sich dann nach der Geburt fort.“

Aber wie bekommt man diese Probleme in den Griff? Oberstes Ziel sollte sein, alle Menschen in eine Krankenversicherung zu bekommen, sagt Uwe Denker, Gründer des Projekts „Praxis ohne Grenzen“. Ohne eine Reform des Systems werde das jedoch nicht gelingen. Über weitere Projekte und Prävention tauschen sich am Donnerstag und Freitag Experten und Betroffene auf dem Public-Health-Kongress in Berlin aus.

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