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Israels Umweg von der Provokation zur Deeskalation

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Von: Maria Sterkl

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Raketen steigen Samstagnacht aus Gaza auf in Richtung Israel.
Raketen steigen Samstagnacht aus Gaza auf in Richtung Israel. © dpa

Wieder fliegen Raketen, aber alle Gaza-Akteure wollen zurück zu einer Waffenruhe.

Knapp 600 Raketenangriffe auf Israel seit Freitag, 31 Tote im Gazastreifen: Das ist die vorläufige Bilanz nach drei Tagen Eskalation in Nahost. Unter ägyptischer Verhandlung wurde eine Waffenpause ausgehandelt, doch noch ist unklar, ob sich die Terrorgruppe „Palästinensischer Dschihad“ (PIJ) daran halten wird.

Seit Freitag waren die Menschen dies- wie jenseits der Gaza-Grenze ständigem Beschuss ausgesetzt, wobei die israelische Armee betont, nur militärische Ziele anzugreifen. In Israel richtet sich der Raketenbeschuss zwar gegen zivile Ziele, die bewohnten Gebiete sind durch die Raketenabwehr „Iron Dome“ aber gut geschützt.

„Morgendämmerung“ nennt die Armee ihren Einsatz. Der Luftangriff sei präventiv gewesen, Geheimdienste hätten klare Hinweise auf eine drohende Attacke in den nächsten Tagen gegeben, sagt ein Armeesprecher.

Das Kalkül der Israelis ist, den PIJ zu schwächen, ohne die in Gaza herrschende Hamas darin zu verwickeln. Knapp 15 Monate nach der letzten kriegerischen Auseinandersetzung, hat sich der militärische Flügel der Hamas von den massiven Einbußen ihrer Kapazitäten noch nicht erholt. Hamas habe kein Interesse an einem neuerlichen Krieg, pflegen israelische Militärs zu betonen. Tatsächlich kamen bisher laut israelischen Angaben alle Raketen vom PIJ. Die Frage ist, was geschieht, wenn Hamas ihre passive Haltung aufgibt.

Je länger die Operation dauert, desto größer wird dieses Risiko. Schon jetzt wird in Gaza massive Kritik an der Hamas laut. Sie lasse die Menschen alleine, heißt es in sozialen Medien. Jedes weitere tote Kind wird den Druck verstärken. Am Sonntag sagte ein Hamas-Sprecher an Israel gerichtet, man könne die aktuelle Situation im Gazastreifen „nicht akzeptieren“.

Der israelische rechtsextreme Politiker Itamar Ben Gvir goss zusätzlich Öl ins Feuer, um sich auf Kosten der nationalen Sicherheit ein paar Minuten medialen Aufsehens zu gönnen – schließlich sind im Herbst Wahlen. Am Sonntagmorgen betrat er demonstrativ den Tempelberg. Als Ben Gvir an Gruppen von Muslimen nahe der Al-Aksa-Moschee vorbeiging, begrüßte er sie mit dem Victory-Fingerzeichen und rief: „Das Volk Israel lebt!“, worauf die Anwesenden mit „Allah u Akbar“ antworteten.

Andere bemühen sich derweil um Mediation in Nahost: In Gaza fehlt es an Strom, da dem lokalen Kraftwerk seit Tagen Treibstoff fehlt. Auch in den Krankenhäusern mangelt es an Material. Der UN-Sicherheitsrat tagt deswegen an diesem Montag. Die zwischen Ägypten, Israel und Hamas ausverhandelte Feuerpause sollte ermöglichen, dass wenigstens vorübergehend das Nötigste in den Gazastreifen gelangt.

Die israelische Armee hat zwar die wichtigsten Ziele der Operation erreicht. An ein Ende des Einsatzes denkt sie aber erst dann, wenn Raketen nicht mehr fliegen. „Ruhe wird mit Ruhe beantwortet“ ist die Losung. Im Sicherheitsapparat wollen viele aber früher aufhören – selbst der Chef des Inlandsgeheimdienst.

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