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Nahostkonflikt

Israels aufmerksames Misstrauen – Iran führt Atompläne fort

  • Inge Günther
    VonInge Günther
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Der Westen will die Neuauflage des Atomdeals mit dem Iran – Jerusalem wappnet sich dafür.

Jerusalem – Mit einer Rückkehr zu einem internationalen Atom-Deal scheint es dem Iran nicht zu pressieren. Nicht nur Israel hegt den Verdacht, dass die Theokratie auf Zeit spiele, um ihr Nuklearprogramm voranzutreiben. Angepeilt war die Fortsetzung der Wiener Gespräche über eine Neuauflage des Abkommens bereits für September. Doch bislang macht Teheran keine Anstalten, sich auf einen Termin dafür festzulegen.

Dem EU-Gesandten Enrique Mora wurde bei seinem Besuch im Iran vorige Woche lediglich zugesagt, man könne ja über die Angelegenheit zunächst in Brüssel diskutieren. Derweil drehen sich die iranischen Zentrifugen. Inzwischen besitze man 120 Kilo auf 20 Prozent angereichertes Uran, verkündete jüngst Mohammed Eslami, Chef der nationalen Atomenergiebehörde, im Staatsfernsehen der Islamischen Republik. Eine kleinere Menge soll laut der internationalen Aufsichtsbehörde IAEA versuchsweise bereits auf 60 Prozent hochgeschraubt worden sein.

Auslandskorrespondenz: „Iraner näher dran (…) Kernwaffen zu erzeugen als je zuvor“

Damit ist der Iran zwar noch nicht unmittelbar an der Schwelle zur Atommacht angelangt. Für den Bau einer A-Bombe sind zu etwa 90 Prozent angereichertes Uran sowie technologisch kompliziertes Knowhow vonnöten. Aber bereits heute, so ein hochrangiger israelischer Sicherheitsoffizieller beim Briefing von Auslandskorrespondent:innen, „sind die Iraner näher dran, spaltbares Material für Kernwaffen zu erzeugen als je zuvor“.

Zu verdanken haben sie das nicht zuletzt Donald Trump, der 2018 den von seinem Vorgänger, US-Präsident Barack Obama mitunterzeichneten Atom-Deal platzen ließ. Ein Schritt, zu dem ihn sein israelischer Freund Benjamin Netanjahu, gedrängt hatte. Nur ging das Kalkül der beiden, den Mullahs so richtig Druck zu machen, nicht auf. Die fühlten sich dem Abkommen, kurz JCPoA genannt (Joint Comprehensive Plan of Action), das der Iran mit den fünf ständigen Mitgliedstaaten im UN-Sicherheitsrat plus Deutschland 2015 geschlossen hatte, nicht weiter verpflichtet und ignorieren dementsprechend dessen Auflagen.

Ein F-15-Kampfbomber der israelischen Luftwaffe. Mit Zusatztanks und Luftbetankung könnte er Teheran erreichen.

Israel falls nötig bereit für Konfrontation

Hinzu kommt, dass Teheran seine Einflusssphäre in der Region stetig ausgedehnt hat. Im Norden Israels lauert gleich hinter der Grenze zum Libanon die zur konventionellen paramilitärischen Kampftruppe hochgerüstete Hisbollah. Ihr von Iran unterstütztes Projekt zur Beschaffung steuerbarer Präzisionsraketen wird von Israel als „strategische Bedrohung“ eingestuft. „Falls nötig“, merkt besagter israelischer Sicherheitsoffizieller an, „werden wir uns um seine Beseitigung kümmern.“

Iran und seine Klientel haben sich auch in Syrien eingenistet. Seit Ausbruch des Bürgerkrieges dort hat Israels Luftwaffe sie immer wieder attackiert. Pro-iranische Stellungen werde man dort nicht dulden, schon gar nicht in Nähe der Golanhöhen, haben die Israelis wiederholt versichert. Ein Motiv, das auch hinter dem Attentat auf den syrischen Ex-Abgeordneten Madhat Salah stecken dürfte: Der Mann, der einst in Israel eine zwölfjährige Haftstrafe verbüßte, wurde vorigen Samstag auf syrischer Grenzgebiet zum Golan von einem Scharfschützen erschossen. Er soll in dem Gebiet iranischen Terrorzellen assistiert haben.

Irans Nuklearpläne gefährden Region

Unter einem Nuklearschirm könnte das Regime in Teheran solchen Aktivitäten noch weit ungehemmter nachgehen, warnt Israel. Mit dem von US-Präsident Joe Biden befürworteten Wiedereinstieg in den JCPOA-Vertrag sei die Gefahr allein nicht gebannt. Angesichts der iranischen Hinhaltetaktik schwinden allerdings die Chancen, zu einem verbesserten Atomabkommen zu gelangen. Und im Hinblick auf einen „Plan B“ gehen die Meinungen in Washington und Jerusalem dann doch auseinander. Anders als Jerusalem scheint Washington von ultimativen Drohungen bislang wenig zu halten, um Teheran zur Rückkehr an den Verhandlungstisch zu bewegen.

Derweil bemühen sich die Hardliner im Iran wieder um diplomatische Beziehungen mit den Saudis, die eigentlich wie die Israelis die iranischen Atompläne fürchten. Viel ist im Fluss, umso mehr stellt sich Israel auf alle Optionen, einschließlich eines militärischen Alleingangs ein. „Wir wollen keinen Krieg mit dem Iran, aber wir werden ihm nicht erlauben, sich Nuklearwaffen zu beschaffen“, wird unisono in Regierung und Sicherheitsapparat betont. (Inge Günther)

Rubriklistenbild: © AFP

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