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Seit Jahren schottet Israel sich gege Flüchtlinge ab.
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Seit Jahren schottet Israel sich gege Flüchtlinge ab.

Syrien

Israel will hundert syrische Waisenkinder aufnehmen

  • Inge Günther
    VonInge Günther
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Die Regierung Netanjahu bricht ihre jahrelange Abschottung auf – auch um ihr Image aufzupolieren. Die Kinder sollen zunächst in Erziehungsheimen unterkommen.

Es ist eine Premiere für den jüdischen Staat, der sonst eine ausgesprochen restriktive Flüchtlingspolitik verfolgt: Israel will hundert syrische Waisenkinder dauerhaft aufnehmen. Und das, obwohl Syrien als Feindesstaat gilt, mit dem Israel seit seiner Gründung dreimal Krieg geführt hat (1948, 1967 und 1973).

Die Kinder, die in den syrischen Kriegswirren ihre Familien verloren haben, sollen laut einem Bericht des Fernsehkanals 10 zunächst in israelischen Erziehungsheimen untergebracht und später, soweit möglich, in die Obhut arabisch-israelischer Pflegeeltern gegeben werden. Nach einem vierjährigen temporären Aufenthaltsstatus könnten sie eine unbegrenzte Residenzerlaubnis in Israel erhalten. Vorgesehen sei ebenso die Möglichkeit, direkten Angehörigen einen Nachzug zu erlauben, sollten diese sich wiederfinden lassen. Das von Innenminister Arieh Deri genehmigte Programm werde demnächst anlaufen.

In den vergangenen Jahren hatte die israelische Armee immer wieder syrische Kriegsverletzte, die es an die Grenze auf dem Golan schafften, erstversorgt und in ein Militärlazarett oder in Krankenhäuser in Haifa, Naharija und Safed gebracht. Insgesamt 2600 syrische Patienten, Zivilisten und Kämpfer gleichermaßen, wurden so zwar in Israel behandelt, aber nach oft wochenlangem Heilungsprozess zurück nach Syrien geschickt.

Die Kosten trugen früher die Hospitäler selbst. Inzwischen übernimmt sie die jüdisch-amerikanische Hilfsorganisation Amaliah, hebräisch für „Gottesarbeit“, die mit syrischen Exil-Oppositionellen kooperiert. Zu den aktiven Unterstützern zählen Nahed Ojjeh-Tlass, Tochter des früheren syrischen Verteidigungsministers Mustafa Tlass, und Juval Rabin, Sohn des ermordeten israelischen Premiers Jitzchak Rabin.

Das Amaliah-Team hatte bereits im vorigen Sommer die Aktion „Engelsbusse“ gestartet, um Kinder und Frauen aus dem Syrienkrieg zur medizinischen Versorgung nach Israel zu holen und humanitäre Güter zu Notleidenden ins Kriegsgebiet zu schaffen. Eine Erfahrung, die dem jetzt geplanten, grenzübergreifenden Transport der Waisen zugutekommen dürfte. Neben der logistischen Herausforderung wartet auf die Helfer auch eine psychologische. Israelis und Syrer wissen real nichts voneinander, von den Feindbildern in den Köpfen mal abgesehen. So war es oftmals für syrische Kriegsverwundete ein Schock, von jüdischen Ärzten gerettet worden zu sein.

Die Regierung Benjamin Netanjahu legt zwar Wert darauf, sich aus dem Syrien-Konflikt herauszuhalten. Diverse Angriffe israelischer Kampfjets auf Waffentransporte der auf Seiten des Assad-Regimes kämpfenden Hisbollah werden dabei nicht eingerechnet. Aber auch Jerusalem hat verstanden: Humanitäre Hilfe bekommt Israels Image gut und könnte Brücken für die Zukunft bauen.

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