1. Startseite
  2. Politik

Rechtsextremer Minister besucht Tempelberg in Jerusalem - Hamas warnt Israel

Erstellt:

Von: Stefan Krieger

Kommentare

Der neue israelische Minister für nationale Sicherheit, der rechtsradikale Itamar Ben Gvir, macht seine Ankündigung wahr und besucht den Jerusalemer Tempelberg.

Jerusalem - Ungeachtet vorheriger Warnungen von radikalen Palästinensern hat der rechtsextreme neue israelische Minister für nationale Sicherheit Itamar Ben Gvir wie angekündigt den Tempelberg in Jerusalem besucht. „Unsere Regierung wird den Warnungen der Hamas nicht nachgeben“, sagte Ben Gvir zu seinem Besuch am Dienstag (3. Januar). Der Chef der rechtsextremen Partei Jüdische Kraft hatte bereits als Parlamentsabgeordneter ohne Regierungsamt mehrmals den Tempelberg besucht und einen Besuch auch als Minister angekündigt.

Ben Gvir gilt als eines der kontroversesten Mitglieder der Ende Dezember angetretenen neuen israelischen Regierung unter Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Ihm wurde wiederholt vorgeworfen, Spannungen mit den Palästinensern anzuheizen.

Hamas-Sprecher bezeichnet Besuch als „Verbrechen“

Vor den Wahlen in Israel
Itamar Ben Gvir, rechtsgerichteter Politiker aus Israel, spricht mit Anhängern während einer Wahlkampfveranstaltung. © Ilia Yefimovich/dpa

Die Hamas hatte Ben Gvirs Besuchspläne zuvor als „Auftakt zu einer Eskalation in der Region“ bezeichnet. Ein Hamas-Sprecher bezeichnete Ben Gvirs Besuch am Dienstag als „Verbrechen“. Er erklärte, das palästinensische Volk werde „weiterhin seine heiligen Stätten und die Al-Aksa-Moschee verteidigen“.

Ben Gvir: Tempelberg „wichtigster Ort für das Volk von Israel“

Ben Gvir schrieb nach dem Besuch bei Twitter: „Die israelische Regierung, deren Mitglied ich bin, wird sich einer Organisation schändlicher Mörder nicht unterordnen. Der Tempelberg steht allen offen und wenn die Hamas glaubt, ihre Drohungen könnten mich abschrecken, dann müssen sie verstehen, dass sich die Zeiten geändert haben.“

Der Tempelberg sei „der wichtigste Ort für das Volk von Israel“, so Ben Gvir. „Wir halten die Bewegungsfreiheit für Muslime und Christen aufrecht, aber auch Juden werden auch auf den Tempelberg gehen“, ergänzte Ben Gvir. Diejenigen, die Warnungen aussprächen, müssten „mit eiserner Faust behandelt werden“.

Der Tempelberg

Das Judentum verehrt den Tempelberg als seinen allerheiligsten Ort. Für Muslime ist der Hügel mit dem Felsendom und der Al-Aksa-Moschee die drittheiligste Stätte nach Mekka und Medina. Der Tempelberg steht unter muslimischer Verwaltung; um Provokationen zu vermeiden, dürfen Juden – wie andere nicht muslimische Besucher – den Tempelberg zwar zu bestimmten Zeiten besichtigen, aber dort nicht beten. Über die Sicherheit des Geländes wacht die israelische Polizei. Nationalistische Israelis brechen jedoch immer wieder bewusst das Gebetsverbot.

Im Jahr 2000 folgten auf den Besuch des damaligen israelischen Oppositionsführers und späteren Regierungschefs Ariel Scharon auf dem Tempelberg gewaltsame Auseinandersetzungen, bei denen die israelische Polizei mehrere Demonstranten erschoss. Der Gewaltausbruch gilt als Beginn der zweiten Intifada - des Palästinenserauftands, der bis 2005 andauerte.

Im Mai 2021 markierte ein Gewaltausbruch in Ostjerusalem, insbesondere auf dem Tempelberg, den Auftakt zu einem elftägigen Krieg zwischen der Hamas und Israel. (skr/afp)

Auch interessant

Kommentare