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Kinder stehen nach einem israelischen Luftangriff vor dem beschädigte Haus des islamischen Dschihad-Führers Baha Abu al Ata. 

Gazastreifen

Israel tötet Dschihad-Anführer

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Nach der Tötung führender islamistischer Terroristen durch Israels Militär und Geheimdienst hagelt es Raketen - und Kritik an Benjamin Netanjahu.

Über Baha Abu al-Ata ist nicht viel bekannt. Der Anführer des „Islamischen Dschihad in Palästina“ galt als pressescheu und gab keine Interviews. Die Zeitung Haaretz schreibt, er habe Hunderte Kämpfer kommandiert und mehrere Raketenstützpunkte vor allem im Norden von Gaza kontrolliert. Das israelische Militär sagt, viele Raketenangriffe auf Israel der letzten Wochen und Monate seien auf seinen Befehl zurückgegangen, er habe Terroreinheiten für das Eindringen nach Israel trainiert. Der „Islamische Dschihad“ bezeichnet al-Ata als „Kämpfer für die palästinensische Sache“.

Am Dienstagmorgen gegen 4.30 Uhr wurde Al-Ata bei einem Luftangriff im Gazastreifen getötet. Auch seine Frau kam dabei ums Leben. Nach Angaben des Sprechers der israelischen Armee handelte es sich um eine gezielte Aktion mit dem Inlandsgeheimdienst Schin Bet. Fast zur gleichen Zeit wurde in Damaskus das Haus eines anderen Dschihad-Führers, Akram al-Ajouri, von der israelischen Luftwaffe angegriffen. Dabei kamen nach Angaben syrischer Medien zwei Menschen ums Leben, darunter sein Sohn.

Der „Islamische Dschihad“, eine von Iran gesteuerte militante Terrororganisation, die das Existenzrecht von Israel ablehnt, rächte sich mit massiven Raketenangriffen. An den Grenzen zum Gazastreifen, aber auch in Tel Aviv, heulten am Dienstagmorgen und den gesamten Vormittag über die Sirenen. Schulen blieben geschlossen, Menschen wurden davor gewarnt, das Haus zu verlassen und aufgefordert, in Bunkern Schutz zu suchen. Einige der mehr als hundert Raketen wurden vom Abwehrsystem „Eisenkuppel“ abgefangen, andere schlugen ein, mehrere Menschen wurden dabei leicht verletzt.

Die Bundesregierung verurteilte den Beschuss „aufs Schärfste“. Es gebe keine Rechtfertigung für Gewalt gegen unschuldige Zivilisten, hieß es aus dem Auswärtigen Amt. „Vermittlungsbemühungen Ägyptens und der Vereinten Nationen unterstützen wir ausdrücklich.“

Die Entscheidung über das Mordkommando sei bereits vor zehn Tagen gefallen, erklärte Ex-Armeegeneral Giora Eiland gegenüber ausländischen Korrespondenten. Seitdem habe man auf einen günstigen Moment gewartet. „Al-Ata sollte nichts ahnen und sich möglichst alleine aufhalten.“ Am Montagnachmittag habe der Geheimdienst grünes Licht gegeben. Auf die Raketenangriffe sei man vorbereitet gewesen, auch darauf, dass die Hamas, die den Gazastreifen regiert, sich zunächst nicht an den Angriffen auf Israel beteiligte. „Wir haben die Hamas gewarnt. Falls es doch dazu kommt, ist mit einer weiteren Eskalation zu rechnen“, sagte Eiland.

Noch während die Raketen niedergingen, brach in Israel ein Streit darüber aus, ob der Zeitpunkt der Geheimdienstaktion Zufall sei oder möglicherweise politische Interessen dahinter steckten. Das Land befindet sich derzeit in einer schwierigen Situation. Nach zwei Neuwahlen innerhalb von sechs Monaten ist es bisher keiner Partei gelungen, eine Regierung zu bilden. Vor drei Wochen hatte Premierminister und Likud-Führer Benjamin Netanjahu das Mandat zur Regierungsbildung an Blau-Weiß-Führer Benny Gantz übergeben. Gantz hat noch eine Woche Zeit. Wenn er es ebenfalls nicht schafft, Koalitionspartner zu finden, könnte 2019 zum dritten Mal gewählt werden.

Vor zwei Tagen hatte Netanjahu Naftali Bennett von der rechten Partei Hejamin Hachadasch überraschend zum Verteidigungsminister ernannt. Kritiker warfen Netanjahu vor, damit verhindern zu wollen, dass Bennett eine Minderheitenregierung mit Gantz eingeht. Seit Avigdor Lieberman von seinem Posten als Verteidigungsminister zurücktrat, hatte Netanjahu das Amt selbst ausgeübt. Die Tötungsaktion im Gazastreifen war sein letzter Akt als Verteidigungsminister, bevor Bennett am heutigen Mittwoch übernimmt. Netanjahu nannte Baha Abu al-Ata am Dienstag einen „Erz-Terroristen“, eine „Zeitbombe“ und den „Hauptinitiator von Terrorattacken“. „Er feuerte Hunderte von Raketen auf Orte rund um den Gazastreifen und war dabei, neue Anschläge zu planen.“

Staatspräsident Reuven Rivlin sagte: „Dies ist kein Zeitpunkt, um sich zu streiten. Wir stehen hinter den Sicherheitskräften, die lange auf diese Aktion hingearbeitet haben.“ Es gehe dabei einzig und allein um Israels Sicherheit.

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