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Nach Tod von Journalistin: Neue Indizien belasten Israel 

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Von: Marvin Ziegele

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Ein Gemälde der im Westjordanland getöteten Journalistin Shirin Abu Akleh.
Ein Gemälde der im Westjordanland getöteten Journalistin Shirin Abu Akleh. © Imago Images

Der Tod der bekannten Journalistin Schirin Abu Akleh im Westjordanland verschärft den Konflikt im Nahen Osten. Die Suche nach dem Schuldigen geht weiter. 

Jerusalem – Nach dem Tod der Journalistin Schirin Abu Akleh ist noch immer nicht klar, wer die Kugel abgefeuert hat, die die Journalistin tötete. Die 51-jährige bekannte und angesehene Al-Jazeera-Reporterin Abu Akleh war am 11. Mai bei einem Einsatz israelischer Sicherheitskräfte in Dschenin im besetzten Westjordanland von einer Kugel im Kopf getroffen worden.

Israel und die Palästinenser hatten sich zunächst gegenseitig für den Tod Abu Aklehs verantwortlich gemacht. Später räumte Israel aber ein, dass die Journalistin auch durch einen Schuss von israelischer Seite getötet worden sein könnte. Israels Forderung nach gemeinsamen Ermittlungen und der Herausgabe der tödlichen Kugel für eine gerichtsmedizinische Untersuchung wies die Palästinenserregierung zurück.

Israel: Empörung nach Gewalt auf Trauermarsch

Nach Abu Aklehs Tod sorgte das gewaltsame Vorgehen der israelischen Polizei gegen einen Trauerzug für die Reporterin in Ost-Jerusalem für Empörung. Mehr als 30 Menschen wurden dabei verletzt, Abu Aklehs Sarg stürzte in dem Tumult fast zu Boden. Die USA und die EU kritisierten den Polizeieinsatz scharf.

NameSchirin Abu Akleh
BerufJournalistin
Geboren03. Januar 1971, Jerusalem
Verstorben11. Mai 2022, Jenin Camp

Die israelischen Verteidigungskräfte (IDF) erklärten am 19. Mai, sie hätten noch nicht entschieden, ob sie eine strafrechtliche Untersuchung des Todes von Abu Akleh einleiten werden. Am Montag sagte der oberste Jurist des israelischen Militärs, Generalmajor Yifat Tomer-Yerushalmi, in einer Rede, dass gemäß der Politik des Militärs nicht automatisch eine strafrechtliche Untersuchung eingeleitet wird, wenn eine Person „inmitten einer aktiven Kampfzone“ getötet wird. Das würde nur geschehen, wenn ein glaubwürdiger und unmittelbarer Verdacht auf eine Straftat besteht. US-Gesetzgeber, die Vereinten Nationen und die internationale Gemeinschaft haben alle eine unabhängige Untersuchung gefordert.

Israel: Keine bewaffneten Palästinenser zum Tatzeitpunkt?

Laut einem CNN-Bericht, der Bezug auf zwei Videos vom Tatort der Schießerei nimmt, verdichten sich jedoch die Hinweise darauf, dass der tödliche Schuss von israelischer Seite gekommen ist. Demnach soll in der Nähe von Abu Akleh, anders als von Israel behauptet, kein aktiver Kampf stattfinden, auch militante Palästinenser sind nicht zu sehen. Die Aufnahmen zeigen eine ruhige Szene, bevor die Reporter am Rande des Flüchtlingslagers Jenin in der Nähe des großen Awdeh-Kreisverkehrs unter Beschuss gerieten. Die Echtheit der Videos wurden laut CNN von einem Audioforensiker und einem Sprengwaffenexperten bestätigt.

Salim Awad, ein 27 Jahre alter Bewohner des Lagers Jenin, der das 16-minütige Video gefilmt hat, sagte gegenüber CNN, dass es keine bewaffneten Palästinenser oder Zusammenstöße in der Gegend gegeben habe und er angesichts der Anwesenheit von Journalisten in der Nähe nicht mit Schüssen gerechnet habe.

Israel: „Wir hatten keine Angst vor irgendetwas“

„Es gab überhaupt keinen Konflikt oder Konfrontationen. Wir waren ungefähr zehn Leute, die herumliefen, lachten und mit den Journalisten scherzten“, sagte er. „Wir hatten keine Angst vor irgendetwas. Wir erwarteten nicht, dass etwas passieren würde, denn als wir die Journalisten in der Nähe sahen, dachten wir, es wäre ein sicheres Gebiet. (marv)

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