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Vor einem Impfzentrum in Jerusalem
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Ein Impfzentrum in Jerusalem, Israel.

Pandemie

Omikron in Israel: „Seuchensturm“ trotz erfolgreicher Corona-Impfkampagne

  • Inge Günther
    VonInge Günther
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Omikron grassiert in Israel mit voller Wucht – besonders unter Kindern. Jetzt kommt die vierte Corona-Impfdosis und vielleicht ein Lockdown.

Tel Aviv – Israel hatte auf Zeitgewinn gesetzt, als es seine Grenzen Ende November für ausländische Einreisende weithin dichtmachte. Jetzt rollt die Omikron-Woge zwar verzögert, aber mit voller Wucht an. Man befinde sich nur noch einen Moment „vor dem Ausbruch eines Seuchensturms, wie wir ihn in Israel noch nicht erlebt haben“, warnte Premier Naftali Bennett am Dienstag im Radiointerview. „Verhindern können wir ihn nicht mehr.“

Die Zahl der Covid-Infizierten hat wieder ein Tageshoch erreicht wie zuletzt im September beim Ausklang der Delta-Welle. Vor allem unter Kindern schnellt die Ansteckungsrate hoch. In Tel Aviv machen sie bereits 79 Prozent der Fälle aus, in Jerusalem mehr als die Hälfte der positiv auf Corona Getesteten. Die Altersgruppe der Fünf- bis 11-Jährigen ist nur zu 15 Prozent mindestens einmal geimpft, in der Gesamtbevölkerung sind es zum Vergleich 70 Prozent. Dass das in Israel verabreichte Pfizer/Biontech-Vakzin hilft – auch wenn es keine völlige Immunität erzielt –, belegen Daten des Gesundheitsministeriums. Demnach sind von den rund neunzig schwer kranken Corona-Patienten und Patientinnen 87 Prozent ungeimpft.

Omikron: Corona-Variante sorgt in Israel für starken Anstieg der Neuinfektionen

Bislang ist es den Israelis dank weltmeisterlicher Impfkampagne stets gelungen, mit dem Vakzin das Virus abzuhängen. Auch als im Sommer die Delta-Kurve rasant anstieg, erwies sich der Booster-Shot für doppelt Geimpfte als überaus effektiv. Nur angesichts der sich rasant ausbreitenden Virusvariante Omikron lässt die erzielte Immunisierung deutlich nach. Die Expertenrunde des Gesundheitsministeriums in Jerusalem empfahl bereits in der vorigen Woche, den Schutz mit einem weiteren Booster für über Sechzigjährige, Leute mit schwachem Immunsystem und medizinisches Personal zu verstärken. Andernfalls könnte Israels Anti-Covid-Schutz in ein, zwei Monaten fast auf den Nullpunkt zurückfallen.

Das Scheba-Klinikum in Ramat Gan nahe Tel Aviv machte jetzt den Anfang. 150 Angestellte aus Ärzteschaft und Pflegepersonal, deren dritte Biontech-Dosis mindestens vier Monate zurückliegt, ließen sich am Montag zum vierten Mal spritzen. Eine Pioniertat auf bislang unerforschtem Terrain. Weil es noch an genauen Daten über Wirkung und Risiken fehlt, steht aus, ob und wann im großen Stil zur Viertimpfung aufgerufen werden soll. Die Entscheidung liegt bei Nachman Shai, Medizinprofessor und Generaldirektor im Gesundheitsministerium, der diese, wie versichert wird, ohne Intervention seitens der Regierung treffen werde.

Corona in Israel: 90.000 Israelis in Quarantäne

Doch der politische Druck ist groß. So verwies Premier Bennett darauf, dass einige Indikatoren ein Nach-Boostern für besonders Gefährdete und die ältere Bevölkerung nahelegten. Eine vierte Dosis könnte deren Immunität auffrischen, gibt ihm Ron Milo vom renommierten Weizman-Institut recht.

Mit strengen Maßregeln für alle, die Kontakt zu Infizierten hatten, ist es jedenfalls nicht mehr getan. Schon jetzt befinden sich 90.000 Israelis in mindestens siebentägiger häuslicher Quarantäne, darunter der Regierungschef, da eine der Bennett-Töchter am Sonntag positiv auf Corona getestet wurde. Geschätzt wird, dass sich bis Mitte Januar jede(r) zehnte Israeli oder Israelin in Isolation daheim befinden könnte – wenn Geimpfte nicht ausgenommen werden. Nach jüngstem Regierungsbeschluss müssen sich Letztere ab Mittwoch nur noch an die Quarantäne-Vorschriften halten, bis ein nachweislich negativer Corona-Test sie davon befreit.

Reiseverbote in Israel: Reaktion auf Corona-Variante Omikron

Ebenso plädiert Gesundheitsminister Nitzan Horowitz dafür, einige Länder von der Roten Liste zu streichen. Israel hat derzeit fünfzig Staaten als Risikogebiete eingestuft, für die strikte Reiseverbote gelten. Doch die machten wenig Sinn, so Horowitz, da das Omikron-Virus längst innerisraelisch grassiere. Während der Ben-Gurion-Airport in diesen Tagen fast verwaist scheint und der Besuch von Shopping-Malls ohne Vorzeigen des „Green Pass“ nicht gestattet ist, wird auf Hochzeiten und Bar-Mitzvah-Feiern nach wie vor Geselligkeit gepflegt, oft genug ohne Maske. Israelis sind da nicht unbedingt die Diszipliniertesten.

Seiner Sturmwarnung und Appellen an die Vernunft schickte Bennett denn auch hinterher, einen neuen Lockdown nicht mehr ausschließen zu können. (Inge Günther)

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