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Eine brennende Kerze und ein Blumenstrauß für den verstorbenen Schimon Peres liegen am Rande des Bürgersteigs gegenüber der israelischen Botschaft in Berlin.

Schimon Peres

Israel nimmt Abschied von Schimon Peres

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Kein Politiker prägte die israelische Geschichte so lange mit wie Schimon Peres. Im Ausland war er Israels beliebtester Repräsentant. Zu seinem Begräbnis kommen Spitzenpolitiker aus aller Welt.

Die Sonne brennt und der markierte Fußweg zur weiträumig abgesperrten Knesset ist kilometerlang. Für den Abschied von Schimon Peres, dessen Sarg, eingehüllt in die blau-weiße Nationalflagge, vor dem israelischen Parlament in Jerusalem aufgebahrt ist, bedarf es einer gewissen Kondition.

Jeder Ankömmling schnappt sich als Erstes eine der Wasserflaschen, die auf dem Tisch gleich hinter dem Eingang aufgetürmt sind, bevor er sich in die Schlange der Kondolenzbesucher einreiht. Doch plötzlich heißt es Platz machen für Bill Clinton. Der ehemalige US-Präsident ist als Erster der prominenten Trauergäste eingetroffen und hat darauf bestanden, gleich nach der Landung seinem Freund Peres die letzte Ehre zu erweisen.

Das gleiche dringende Bedürfnis wie Clinton verspürt auch Tovi Speyer, eine Bankkauffrau aus Tel Aviv, die an diesem Mittag wie unzählige andere eigens nach Jerusalem gefahren ist. „Weil Peres“, wie sie sagt, „für das Israel stand, wie ich es mir wünsche.“ Eines, das nach vorne schaue und ernsthaft Frieden mit den arabischen Nachbarn zu schließen versuche. Ja, stimmt ihr Begleiter zu, „Peres war Visionär und Macher dazu“.

All die Regierungsämter und Titel, die Peres Leben besaß, erwähnen die Israelis selten, wenn sie von ihm reden. Dafür bemühen sie Vergleiche mit den ganz Großen. „Mir“, bekennt Tovi Speyer, „bedeutet Peres genau so viel wie David Ben-Gurion oder Albert Einstein.“ In Peres ist schließlich der Letzte aus Israels Gründergeneration dahingegangen. Seit seinem Tod scheint er, zu jüngeren Lebzeiten eine durchaus kontroverse Figur, zur allseits bewunderten Legende aufzusteigen.

„Meine Schwester findet sogar, Peres erinnere sie an Moses – den Propheten, der ebenfalls mit seinem Volk einige Probleme hatte“, berichtet Menachem Gantz. Als Vatikankenner hat er früher Peres bei Papsttreffen begleitet. Heute ist er zur Knesset gepilgert. „Vielleicht war Peres einfach zu groß für unsere Nation“, sinniert Gantz. „Wir Israelis zweifeln alles an, das gehört beim Judaismus dazu.“

Im Rückblick auf das Lebenswerk von Peres, der Pionier bei Israels Entwicklung zur modernen Militärmacht war, genauso wie später Architekt im Friedensprozess mit den Palästinensern, relativiert sich die Kritik. „Ich sehe in Peres eine bedeutende Persönlichkeit beim Staatsaufbau“, sagt Eli Nisenholtz. „Deshalb muss ich längst nicht einverstanden sein mit seinen späteren Schritten.“

Damit meint er die Osloer Abkommen und die Zwei-Staaten-Lösung. Nisenholtz ist ein Siedler aus dem Westjordanland und einer der wenigen in der am Sarg vorbeidefilierenden Reihe, der eine Kippa trägt. Peres, lange Zeit für die Nationalrechten ein rotes Tuch, habe „sein Bestes versucht“. Es klingt gönnerhaft in den Ohren jener, die hoffen, dass Peres’ Vision von einem Nahost-Frieden noch Realität wird.

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