Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Ohne Rücksicht auf EU

Israel lockt mit Impfstoffvorräten

  • Thomas Borchert
    VonThomas Borchert
    schließen

Premier Benjamin Netanjahu schmiedet Vakzinallianz mit Österreich und Dänemark

Vakzine, Vakzine, Vakzine. Fast alles was wir im Augenblick tun, dreht sich darum“, erklärt die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen noch aus dem Flugzeug ihre spektakuläre Reise zusammen mit Österreichs Kanzler Sebastian Kurz nach Tel Aviv. Kurz vor dem Treffen am Donnerstag im Jersualemer Hotel King David mit Israels Premier Benjamin Netanjahu stand das Ergebnis praktisch fest: Die drei Länder wollen in einer Corona-Allianz, wahrscheinlich mit weiteren Partnern, schleunigst eine eigene Impfstoff-Produktion auf die Beine stellen.

Frederiksen und Kurz hat außerdem die Aussicht auf sofortige Lieferungen aus den überschüssigen israelischen Impfstoff-Vorräten gelockt. Vorbei an der eigentlich vereinbarten gemeinsamen EU-Regie bei Impfstoffen. Kurz erklärt dazu, die Europäische Arzneimittel Agentur EMA sei bei deren Zulassung zu langsam, es gebe außerdem zu viele Lieferengpässe: „Wir müssen uns auf weitere Mutationen vorbereiten und sollten nicht mehr nur von der EU abhängig sein bei der Produktion von Impfungen der zweiten Generation.“

Israel liegt mit einer Impfquote von bald 60 Prozent der Bevölkerung an der globalen Spitze, weit vor Dänemark mit mageren sieben und Österreich (wie Deutschland) mit fünf Prozent. Weil sich Netanjahu früh eine Riesenlieferung von Biontech Pfizer im Gegenzug für umfangreichste Daten geimpfter Patient:innen gesichert hatte, kann er nun nicht benötigte andere Impfstoffe weiterreichen. Er erklärt das teils als Belohnung für „Freundlichkeit“ gegenüber seinem Land in der Vergangenheit, aber auch mit Blick nach vorn: „Das wird absolut Wohlwollen kaufen.“

Laut heimischen Medien hat der Premier eine Liste von 20 Ländern als Empfänger des nicht benötigten Moderna-Impfstoffs angelegt, darunter Zypern, Tschechien und Ungarn aus der EU. Weiter hieß es, Guatemala habe auf Wunsch Israels schon seine Botschaft nach Jerusalem verlegt und Honduras nunmehr die Absicht verkündet, jeweils für ein paar Tausend Impfdosen.

Drei Wochen nach Netanjahus Verabredung mit Frederiksen und Kurz stehen in Israel Wahlen an, bei denen es mittels Wiederwahl auch um die Vermeidung einer Haft wegen massiver Korruptionsvorwürfe geht. Nun kann er im Wahlkampf aus der Facebook-Botschaft der dänischen Kollegin zitieren: „Israel ist derzeit bei der Impfung der Bevölkerung weltweit mit Abstand am weitesten gekommen. Ich freue mich auf Inspiration durch meine Kollegen.“ Diskret überging sie die international massive Kritik am fast völligen Ausschluss der Palästinenser:innen im besetzten Gaza-Streifen und dem Westjordanland von Israels Impfprogramm. „Es gibt kein anderes Wort dafür als Apartheid“, schrieben israelische Ex-Botschafter sowie Knesset-Abgeordnete in einem von der Kopenhagener Zeitung Politiken abgedruckten Brief an Frederiksen. Sie forderten sie auf, dies bei Netanjahu wenigstens zur Sprache zu bringen: „Millionen Palästinenser im von Israel besetzten Gebiet bekommen keinen Zugang zu lebensrettenden Impfstoffen. Auf demselben Territorium werden die israelischen Siedler geimpft, nicht aber ihre palästinensischen Nachbarn.“

Israels derzeitiger Botschafter konterte, sein Land habe sämtliche palästinensischen Gefangenen, darunter „Hunderte verurteilte Terroristen“, Zehntausende Palästinenser:innen in Ost-Jerusalem sowie Hunderttausende Palästinenser:innen mit Arbeitserlaubnis geimpft.

Kommentar Seite 11

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare