1. Startseite
  2. Politik

Extreme Provokation in Jerusalem: Ben-Gvir besucht Tempelberg

Erstellt:

Von: Maria Sterkl

Kommentare

Ben-Gvir war nie willkommen auf dem Tempelberg. 2014 drängte ihn (weiße Kippa, Brille) die Grenzpolizei  noch ab.
2014 wurde der rechtsextreme Itamar Ben Gvir noch von der israelischen Polizei dran gehindert, den Komplex der al-Aqsa Moschee zu betreten. Als Minister hat er den Tempelberg nun besucht. © afp

Der rechtsradikale Sicherheitsminister Israels bringt auf dem Tempelberg in Jerusalem die eigene Regierung in Bredouille und riskiert eine Eskalation.

Jerusalem – Eine „Provokation neuen Ausmaßes“ sei der Tempelberg-Besuch des rechtsextremen israelischen Politikers Itamar Ben-Gvir, empörte sich das palästinensische Außenministerium am Dienstag. Ben-Gvir begab sich frühmorgens zu der für alle drei Weltreligionen heilige Stätte in Israel, auf der die Al-Aqsa-Moschee steht und wo zuvor der Zweite Tempel, das jüdische Hauptheiligtum war (zerstört durch römische Legionäre). Ben-Gvir kam aber nicht als Privatperson, gläubig oder archäologisch interessiert, sondern in seiner neuen Funktion als Sicherheitsminister Israels. Die Terrorgruppe Hamas hatte schon tags zuvor gedroht, mit „explosiver Gewalt“ zu reagieren.

Eine Provokation neuen Ausmaßes war der Besuch aber wohl auch für den sonst gerne forschen Regierungschef Benjamin Netanjahu. Noch am Montag bat er Ben-Gvir zum Gespräch. Danach hieß es, er habe seinem Minister das Versprechen abgerungen, den Besuch wenigstens zu verschieben. Es nützte nichts: Einige Stunden später durchschritt Ben-Gvir dennoch das hochsensible Gelände Jerusalems – begleitet von einer großen Menge an Polizei und Leibwachen. Er blieb für rund 15 Minuten, dann war er wieder weg. Laut Polizei trugen sich hierbei „keine ungewöhnlichen Vorfälle“ zu.

Israel: In Jerusalem lehnen Rabbiner Besuche des Tempelbergs für jüdische Menschen ab

Ein Besuch des Tempelbergs wird von den meisten Rabbinern aus religiösen Gründen abgelehnt. Eine Minderheit nur praktiziert den Besuch des Areals regelmäßig, aber zu streng geregelten Zeiten. Sie dürfen dort keine Gebete verrichten – so will es der Status quo, zu dem sich Israel verpflichtet hat. Ben-Gvir hat mehrmals betont, diesen Status quo nicht zu akzeptieren. Er verlangt „gleiche Rechte“ für Juden am Tempelberg. Das sorgt für allerlei Spekulationen, wie auch aus einer Mitteilung des palästinensischen Ministerpräsidenten Mohammed Shtayyeh hervorgeht: Der unterstellte der israelischen Regierung in einer Reaktion auf Ben-Gvirs Aktion prompt, auf dem Tempelberg eine Synagoge errichten zu wollen.

Wenige Stunden vor seinem Besuch hatte sich Ben-Gvir von der Polizei bestätigen lassen, dass ein solcher Besuch trotz Hamas-Drohung vertretbar sei. Frühere Einschätzungen der Polizei waren zu einem anderen Ergebnis gekommen – da war Ben-Gvir aber auch noch nicht Polizeiminister.

Die schon befürchtete Eskalation von Seiten der Hamas blieb vorerst aus. Alle Terrorgruppen beließen es bei Worten: Man habe „die Hand am Abzug“, schmetterte ein Vertreter des Islamischen Dschihad. Alle Palästinenser seien aufgerufen, zur Al-Aqsa-Moschee zu kommen, um sie zu „schützen“. Hamas titulierte die Aktion als „Aggression gegen unser Heiligtum und unsere arabische Identität“.

Israel: Hamas reagiert nicht unverzüglich mit Eskalation auf Jerusalem

US-Botschafter Tom Nides machte im Gespräch mit der Nachrichtenplattform Walla in einer unmittelbaren Reaktion auf Ben-Gvirs Alleingang deutlich, dass jede drohende Veränderung des Status quo am Tempelberg „inakzeptabel“ sei.

Diese rote Linie sah man im benachbarten Jordanien offenbar bereits als überschritten an. Das dortige Außenministerium verurteilte die Aktion „aufs Schärfste“, sie sei ein „Angriff“ auf den Moscheebereich, eine „Provokation und Verletzung des Status quo in den Heiligen Stätten“. So sahen das auch Ägypten, die Türkei und die Vereinigten Arabischen Emirate. Eigentlich wollte Netanjahu nächste Woche nach Abu Dhabi reisen; es sollte seine erste Auslandsreise als neuer Ministerpräsident sein. Der Besuch in den Emiraten wurde aber nun kurzfristig verschoben – aus „logistischen“ Gründen, wie es hieß.

In Jerusalem waren die Sicherheitskräfte am Dienstag in Alarmbereitschaft. Vor allem in Ostjerusalem und in der Altstadt war ein verstärktes Aufgebot an Polizisten unterwegs. (Maria Sterkl)

Auch interessant

Kommentare