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Ben Cohen und Jerry Greenfield servieren eine neue Eissorte.
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Ben Cohen (links) und Jerry Greenfield sind sozial und politisch sehr engagiert.

Kritik an Eiscremehersteller

Protest gegen Israel: Ben & Jerry’s stoppt Verkauf in Teilen des Landes

  • Christian Stör
    VonChristian Stör
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Der Eiscremehersteller Ben & Jerry’s zieht sich aus den besetzten palästinensischen Gebieten zurück. Das sorgt für Ärger.

Vermont – Ben & Jerry‘s ist für zwei Dinge bekannt. Da sind zum einen berühmten Eissorten des Herstellers aus den USA wie Chubby Hubby, Cookie Dough, Chocolate Fudge Brownie oder Cherry Garcia, das nach dem Grateful-Dead-Gitarristen Jerry Garcia benannt ist. Und zum zweiten hält die im US-Bundesstaat Vermont ansässige Firma mit ihrer Meinung zu sozialen und politischen Themen nicht hinterm Berg.

So unterstützt Ben & Jerry’s die Black-Lives-Matter-Bewegung und die Amadeu Antonio Stiftung, kämpft für LGBTQ+-Rechte und die Reform des US-Strafrechts, setzt sich für Klimaschutz und Geflüchtete ein. So hatte sich Ben & Jerry’s im August 2020 via Twitter eine bemerkenswerte Fehde mit der britischen Innenministerin Priti Patel geleifert und sie dabei mehr oder weniger unverblümt aufgefordert, mehr Menschen ins Land zu holen. Zudem belehrte Ben & Jerry’s die für ihre harte Einwanderungspolitik bekannte Patel über die Flüchtlingskonvention von 1951.

Ben & Jerry’s
DachorganisationUnilever
Gründung5. Mai 1978
CEOMatthew McCarthy (Aug. 2018–)
HauptsitzSouth Burlington, Vermont, USA
GründerBen Cohen, Jerry Greenfield

Ben & Jerry’s protestiert gegen Siedlungspolitik von Israel

Knapp ein Jahr später mischt sich das Unternehmen, das 1978 von Ben Cohen und Jerry Greenfield gegründet wurde, erneut in die internationale Politik ein. Diesmal hat die Firma ihre Augenmerk auf Israel gerichtet. „Es ist mit unseren Werten nicht vereinbar, dass die Eiscreme von Ben & Jerry’s in den besetzten palästinensischen Gebieten verkauft wird“, heißt es in einer Erklärung, mit denen die Firma den „Bedenken seiner Fans und engen Partner“ Rechnung tragen will. So wird Ben & Jerry’s für den Vertrieb seiner Produkte im Westjordanland und in Ostjerusalem keine neue Lizenz vergeben, wenn der Vertrag Ende 2022 ausläuft.

Israel hat die beiden von den Palästinenser:innen beanspruchten Gebiete im Sechstagekrieg 1967 erobert. Seitdem werden sie von Israel kontrolliert und besiedelt, was nach internationalem Recht als illegal gilt. Heute leben knapp 700.000 israelische Siedler:innen in den beiden Gebieten – etwa 500.000 im besetzten Westjordanland und 200.000 in Ostjerusalem.

Damit scheint sich Ben & Jerry’s auf die Seite der umstrittenen BDS-Bewegung („Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen“) zu schlagen, die den Staat Israel wirtschaftlich, kulturell und und politisch isolieren will. Allerdings betonte das Unternehmen, dass es nicht das Land als Ganzes boykottiere: „Wir werden in Israel bleiben.“ Das palästinensische BDS-Nationalkomitee begrüßte zwar die Ankündigung, forderte Ben & Jerry’s dann aber auch umgehend auf Twitter dazu auf, „alle Unternehmungen im Apartheid-Israel zu beenden“. Ben & Jerry’s gab dazu aber keinen weiteren Kommentar ab.

Netanjahu, Bennett und Lapid äußern scharfe Kritik an Ben & Jerry’s

Die Reaktionen aus Israel fielen eindeutig aus. „Jetzt wissen wir Israelis, welches Eis wir NICHT kaufen sollen“, twitterte zum Beispiel der ehemalige Premier Benjamin Netanjahu. Sein Nachfolger Naftali Bennett bezeichnete die Entscheidung des Unternehmens als „moralisch falsch“ und sprach davon, dass sich Ben & Jerry’s selbst als „antiisraelisches Eis“ gebrandmarkt habe. Und der israelische Außenminister Jair Lapid nannte den Rückzug eine „beschämende Kapitulation vor dem Antisemitismus“, gegen den Israel sich wehren werde.

Dagegen sprach die arabische Knesset-Abgeordnete Aida Touma-Slima von einer „angemessen und richtigen“ Entscheidung. „Die besetzen Palästinensergebiete gehören nicht zu Israel“, schrieb sie auf Twitter. Den Verkauf zu stoppen, werde den Druck erhöhen, die Besatzung zu beenden. (Christian Stör)

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