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Ein jüdischer Siedler im Gazastreifen fordert einen Soldaten auf, den Befehl zu verweigern.

Israel beginnt mit Gaza-Abzug

Grenze geschlossen / Hunderte jüdische Siedler leisten Widerstand

Newe Dekalim/Jerusalem · In der Nacht zum Montag ließ die israelische Regierung um 24 Uhr den Grenzübergang Kissufim schließen und erklärte einen weiteren Aufenthalt im Gazastreifen für illegal. Soldaten und Polizisten begannen damit, den jüdischen Siedlern Räumungsbefehle der Regierung auszuhändigen: Demnach sollen sie innerhalb von 48 Stunden (bis Mittwoch) ihre Häuser verlassen, sonst werden die Sicherheitskräfte die 21 Siedlungen im Gazastreifen und vier im Westjordanland mit Gewalt räumen.

Wegen des Widerstands von Abzugsgegnern lief die Übergabe der Räumungsbefehle zunächst schleppend an. Vor der größten Siedlung Neve Dekalim blockierten mehrere Hundert Menschen die Tore und provozierten Rangeleien mit den Sicherheitskräften. Einige Siedler umringten die Soldaten und hinderten sie daran, die Siedlung zu betreten. Andere setzten Reifen in Brand. Eine Gruppe verbrannte die Dokumente. Per Lautsprecher forderten die Abzugsgegner die Soldaten auf, sich ihren Befehlen zu widersetzen.

Um Konfrontationen zu vermeiden, waren Polizei und Armee angewiesen, fünf Hochburgen der Radikalen zunächst nicht zu betreten. Dies soll erst am Tag der Evakuierung geschen.

Nach offiziellen Angaben harrten am Montag noch mehr als die Hälfte der 8500 Siedler aus. Sie wurden von 5000 ultranationalistischen Israelis verstärkt, die die Aufgabe des Gebiets verhindern wollen. Mehr und mehr Siedler begannen jedoch im Laufe des Tages, ihre Sachen zu packen. Nach ersten Berichten räumten etwa 300 Familien ihre Häuser.

"Das ist ein schmerzhafter und schwieriger Tag, aber es ist ein historischer Tag", sagte Verteidigungsminister Schaul Mofas im Armeerundfunk. Auch Palästinenser-Präsident Mahmoud Abbas bezeichnete den Abzug als historischen Schritt. Dieser dürfe aber nicht auf den Gazastreifen beschränkt bleiben, forderte er, sondern müsse auch das Westjordanland und den Rest des Landes innerhalb der Grenzen von 1949 einbeziehen.

Die israelische Regierung bestätigte am Montag auch die Räumung des größten Siedlungsblocks im Gazastreifen, Gusch Katif im Süden. Die Regierung entscheidet in vier Schritten über die Aufgabe aller Siedlungen im Gazastreifen sowie von vier von 120 Siedlungen im Westjordanland.

Nun stehen noch die Bestätigungen für drei Siedlungen in Gaza sowie für die Siedlungen im Westjordanland aus. Letztere sollen Anfang September geräumt werden. Bis dahin will die Regierung den Abzug aus dem Gazastreifen weitgehend abgeschlossen haben. Dafür sind 50 000 Angehörige der Sicherheitskräfte im Einsatz.

Es ist das erste Mal, dass Israel Land aufgibt, das die Palästinenser für ihren künftigen Staat beanspruchen. Mit dem Abzug verknüpft sich die Hoffnung auf eine Wiederbelebung des Friedensprozesses.

Israel hatte den Gaza-Streifen und das Westjordanland im Sechs-Tage-Krieg von 1967 besetzt und das ebenfalls eroberte Ost-Jerusalem wenige Jahre später annektiert. Weder die Annexion noch die Besiedlung besetzten Landes sind international anerkannt. rtr/dpa/ap

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