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EU und USA „entsetzt“: Israel nach Tod von Journalistin im Krisenmodus 

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Von: Marvin Ziegele

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Die Spirale der Gewalt in Israel dreht sich weiter. Der Umgang mit dem Trauerzug für eine getötete Journalistin löst Entsetzen aus. 

Jerusalem – Inmitten verschärfter Spannungen nach dem Tod der Al-Jazeera-Reporterin Schirin Abu Akleh sind am Sonntag (16. Mai) tausende Palästinenser auf die Straße gegangen, um gegen die Staatsgründung Israels vor 74 Jahren zu demonstrieren. Abu Akleh war am Mittwoch zuvor bei der Berichterstattung über einen israelischen Militäreinsatz im von Israel besetzten Westjordanland erschossen worden. Ein gewaltsamer Einsatz der israelischen Polizei bei ihrer Beerdigung wurde von den USA und der EU scharf kritisiert.

Am Gedenktag der „Nakba“ (Katastrophe) erinnern die Palästinenser an die Vertreibung von mehr als 700.000 Palästinensern, die 1948 auf die Gründung des Staates Israel folgte. Allein in Ramallah im Westjordanland versammelten sich am Sonntag tausende Demonstranten. Weitere Protestaktionen gab es im Gazastreifen, im annektierten Ost-Teil Jerusalems und in Israel.

Israel: Polizei geht gegen Trauerzug vor

Bei einer Nakba-Protestaktion an der Universität Tel Aviv nahm die Polizei drei arabische Israelis fest, die nach Polizeiangaben Gegendemonstranten und Polizisten attackiert hatten. Nach Angaben von Augenzeugen war es zu Auseinandersetzungen gekommen, als Anhänger der rechtsgerichteten israelischen Gruppe Im Tirtzu die arabischen Studenten verhöhnten.

In Jerusalem kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und israelischen Polizisten.
In Jerusalem kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und israelischen Polizisten. © Imago Images

Am Freitag war die Polizei in Israel gewaltsam gegen Teilnehmer des Trauerzugs für Abu Akleh in Ost-Jerusalem vorgegangen, um palästinensische Fahnen zu konfiszieren. Mehr als 30 Menschen wurden verletzt, der Sarg der Journalistin stürzte in dem Tumult fast zu Boden.

Israel: EU verurteilt „unverhältnismäßige Gewalt“

In der EU und den USA stieß der Polizeieinsatz auf scharfe Kritik. Die EU zeigte sich in einer Erklärung „entsetzt“ und verurteilte die „unverhältnismäßige Gewalt“ und das „respektlose Verhalten“ der israelischen Polizisten. Auch Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) zeigte sich „zutiefst erschüttert“.

NameSchirin Abu Akleh
BerufJournalistin
Geboren03. Januar 1971, Jerusalem
Verstorben11. Mai 2022, Dschenin

Die Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki, sprach von „zutiefst verstörenden“ Bildern. US-Außenminister Antony Blinken äußerte sich „zutiefst beunruhigt“ und telefonierte nach Angaben seines Ministeriums am Samstag mit der Familie der Journalistin. Blinken habe den Angehörigen sein „tiefes Beileid“ ausgedrückt und ihnen Unterstützung durch die US-Botschaft in Jerusalem zugesagt. Die Palästinenserin Abu Akleh war auch US-Staatsbürgerin.

Auch UN-Generalsekretär António Guterres reagierte „zutiefst beunruhigt“ auf die Gewalt bei dem Trauerzug. UN-Menschenrechtskommissarin Michelle Bachelet nannte die Szenen „schockierend“. Der Chef der israelischen Polizei ordnete inzwischen eine Untersuchung des Einsatzes an. (marv)

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