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Palästinenser fordern harte Strafen für die Mörder des 16-jährigen Mohammed Abu Chedair.

Mordprozess

Israel ahndet Mord an Teenager

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Der 16-jährige Mohammed Abu Chedair wurde in Ost-Jerusalem verschleppt, misshandelt und bei lebendigem Leib verbrannt. Die Tat schockte das ganze Land und führte zu tagelangen Straßenkrawallen. Nun hat das Jerusalemer Bezirksgericht zwei Angeklagte verurteilt.

Die Grausamkeit der Hasstat schockte ganz Israel und versetzte viele Palästinenser in Aufruhr. Nach dem Mord an dem 16-jährigen Teenager Mohammed Abu Chedair, der am 2. Juli 2014 vor seinem Elternhaus im Ost-Jerusalemer Stadtteil Schuafat von drei Israelis überwältigt, verschleppt, misshandelt und schließlich bei lebendigem Leib verbrannt worden war, tobten in dem arabischen Viertel tagelang wütende Straßenkrawalle. Die Täter waren bald gefasst und geständig. Bei einem von ihnen entdeckte die Polizei sogar das Handy des Opfers.

Doch der Prozess zog sich anderthalb Jahre hin. Am Montag nun sprach das Bezirksgericht in Jerusalem zwei minderjährige Angeklagte für schuldig. Das Strafmaß soll im Januar verkündet werden. Auch den Dritten im Bunde, der als eigentlicher Anführer gilt, sahen die Richter als überführt an. Ob der 31-jährige Josef Haim Ben-David aus der Westbank-Siedlung Adam je eine Strafe hinter Gefängnisgittern verbüßen muss, ist allerdings offen. Quasi in letzter Minute, am Ende der Beweisaufnahme, hatte sein Anwalt ein psychiatrisches Gutachten eingereicht, wonach sein Mandat an einer Aggressionsstörung leide und nicht zur Verantwortung gezogen werden könne. Darüber muss das Gericht nun erst entscheiden, bevor es ein Urteil gegen den Haupttäter fällt.

Für die Eltern des Opfers ist das ein weiterer Schlag. „Ich fürchte, die Richter werden ihn davonkommen lassen“, sagte der Vater Hussein Abu Chedair, ein Elektriker, empört. Er hatte schon zu Verfahrensbeginn Zweifel an der israelischen Justiz geäußert. Die sei doch auf einem Auge blind, wenn sich Israelis an Palästinenser vergingen. Tatsächlich hat sich die Verteidigungsstrategie, in solchen Fällen auf unzurechnungsfähig zu plädieren, oft genug ausgezahlt. Mal ließen die Gerichte Milde walten, weil ein israelischer Todesschütze in geistiger Umnachtung gehandelt habe. Mal zeigten sie Verständnis, weil nach ihrer Ansicht ein Angeklagter aus einem diffusen Gefühl der Bedrohung geschossen habe.

Eltern verfolgten Prozesstage

Im Fall von Abu Chedair ist aber auch der israelische Staatsanwalt von der Schuldfähigkeit des Haupttäters überzeugt. Er soll bei der Planung und Ausführung des Verbrechens die treibende Kraft gewesen sein. Mehrere Stunden war er mit seinen Gehilfen in jener Nacht auf der Suche nach einem geeigneten Opfer unterwegs. Ihr Motiv: Sie wollten drei von einem Hamas-Kommando entführte und ermordete jüdische Talmudschüler rächen, deren verscharrte Leichen wenige Tage zuvor im Westjordanland gefunden worden waren.

Als sie Mohammed Abu Chedair sahen, einen auffällig schmächtigen Jungen, der auf einer Mauer hockend auf Freunde wartete, um mit ihnen zum Morgengebet zu gehen, schlugen sie zu. Sie zerrten ihn in ihr Auto, strangulierten ihn und brausten in den Jerusalemer Stadtwald davon. „Macht ihn fertig“, soll der Haupttäter befohlen haben, bevor er ihn mit einer Brechstange traktierte, mit Benzin übergoss und anzündete.

„Schon den Anblick dieser Leute zu ertragen, die meinen Sohn auf dem Gewissen haben, ist schwer genug“, sagte der Vater Hussein Abu Chedair. Die Familie hatte alle Prozesstage verfolgt. „Wenn sie nicht die Höchststrafe erhalten, wird es noch mehr von ihrer Sorte geben.“

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