Pläne des Innenministers

Islamkonferenz, Teil 2

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Die Soziologin Necla Kelek erklärt die Islamkonferenz jüngst für gescheitert. Doch trotz Kritik hält der Innenminister an dem Format fest. Von Steffen Hebestreit

Berlin. Ungeachtet aller Kritik will Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) voraussichtlich im Mai die Islamkonferenz fortsetzen. Ein Ministeriumssprecher bestätigte am Freitag der FR, dass die Vorbereitungen für die Konferenz laufen.

Die Soziologin Necla Kelek hatte die Islamkonferenz jüngst für gescheitert erklärt, weil die beteiligten islamischen Verbände "unfähig zum inhaltlichen Diskurs" seien. Die "quälenden Gespräche" der vergangenen drei Jahre Islamkonferenz hätten gezeigt, dass mit dem "organisierten Islam keine Integration gelingen" werde. Denn es habe keine grundsätzliche Auseinandersetzung mit dem "System Islam" gegeben.

De Maizière hingegen will an dem Format festhalten und die Konferenz nun in einer zweiten Phase "stärker in die Gesellschaft hineintragen", wie er im hauseigenen Magazin Innenpolitik sagt. "Wichtig ist mir, ein gutes Zusammenleben im Alltag zu fördern", sagte der CDU-Politiker.

Nach FR-Informationen möchte der Minister dabei die Ergebnisse der Konferenz, die sein Vorgänger Wolfgang Schäuble (CDU) 2006 angestoßen hatte, konkretisieren. De Maizière geht es unter anderem darum, den islamischen Religionsunterricht an deutschen Schulen zu etablieren und dabei ein Verfahren zu entwickeln, wie geeignete Islamgelehrte dafür gefunden werden können. Auch islamisch-theologische Lehrangebote an Universitäten hält der Minister für lohnenswert.

Prävention von islamistischem Extremismus

Zudem soll die Gleichberechtigung von Mann und Frau konkreter gefasst werden. Etwa in der Frage eines gemeinsamen Sportunterrichts, der zwar Rücksicht nimmt auf Vorbehalte der islamischen Seite, gleichwohl den Gedanken der deutschen Koedukation berücksichtigt.

Die Prävention von islamistischem Extremismus in Deutschland nennt de Maizière als weiteres Ziel der Veranstaltung. Er überlegt zudem, den Kreis der Teilnehmer an der Konferenz zu erweitern, um eine breitere Verankerung der Veranstaltung zu erreichen. "Dies alles wird dazu beitragen, die Akzeptanz des Islam als einer in Deutschland heimisch werdenden Religion zu stärken", ist der Minister überzeugt.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck, zeigt sich enttäuscht über de Maizières Pläne. Angesichts von drei Millionen Muslimen in Deutschland verlangt er eine verfassungsrechtliche Gleichstellung des Islam mit Christentum und Judentum.

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