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Die weltweiten Proteste gegen die Mohammed-Karikaturen sind in Afghanistan am gewalttätigsten.

Islamisten ignorieren Friedensappelle

Wieder Tote bei Demonstrationen gegen Mohammed-Karikaturen / UN, EU und Muslime rufen zur Mäßigung aufDie Empörung über Mohammed- Karikaturen hat sich in der islamischen Welt am Mittwoch wieder in Demonstrationen und gewaltsamen Protesten gegen westliche Einrichtungen entladen. Zahlreiche Staats- und Regierungschefs sowie Verbände verurteilten die Gewalt. Topthema: Streit um Mohammed-Karikaturen FR Online-Forum: Meinungs- vs. Religionsfreiheit?

Kalat/Hebron/Berlin/Brüssel · In der südafghanischen Stadt Kalat erschossen Sicherheitskräfte vier Demonstranten, die auf einen US-Stützpunkt zumarschierten. Elf Demonstranten erlitten Schussverletzungen, acht Polizisten und ein Soldat wurden von Steinen getroffen.

Der afghanische Ulama-Rat, die höchste Vereinigung der muslimischen Geistlichen des Landes, rief im Rundfunk dazu auf, die Proteste zu beenden. "Wir verurteilen die Zeichnungen, aber dies rechtfertigt keine Gewalt", sagte der Geistliche Mohammed Usman.

Französische Satire-Zeitung druckt eigene Karikatur

In Hebron im Westjordanland verwüsteten Demonstranten das Gebäude der Beobachtermission TIPH. Sie warfen Fensterscheiben ein und versuchten, eines der Gebäude in Brand zu setzen. Die Mission wurde daraufhin abgebrochen.

Die französische Satire-Zeitung Charlie-Hebdo druckte die von der dänischen Zeitung Jyllands-Posten bereits im September veröffentlichten Mohammed-Karikaturen nach und fügte eine eigene Zeichnung hinzu. Darin wird ein Prophet Mohammed gezeigt, der den Kopf in seine Hände stützt. Darunter steht die Zeile: "Schlimm, von Idioten verehrt zu werden." Ein Gericht hatte zuvor den Antrag von fünf muslimischen Organisationen abgelehnt, Charlie-Hebdo den Nachdruck der Karikaturen zu untersagen.

Die Vereinten Nationen (UN), die Europäische Union (EU) und der Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) verurteilten die Gewalt gegen Menschen und Botschaften. In einer gemeinsamen Erklärung heißt es aber auch, dass die Pressefreiheit Verantwortungsbewusstsein mit einschließe und dass sie die Glaubensgrundsätze aller Religionen respektieren sollte.

Die muslimischen Spitzenverbände in Deutschland setzen angesichts der jüngsten Welle der Gewalt auf Mäßigung. 16 Verbände der türkischstämmigen und muslimischen Gesellschaft verurteilten in Köln die Gewalt einzelner Muslime anlässlich der Mohammed-Karikaturen. Sie kritisierten einen Karikaturen-Wettstreit als "makaber". Grünen-Chefin Claudia Roth sagte: "Wer auf die geschmacklosen und gezielt provokanten Mohammed-Karikaturen mit Karikaturen zum Holocaust antworten will, dem geht es nicht um Pressefreiheit, sondern um Stimmungsmache, die mörderische Dimensionen annimmt."

Bundesregierung bemüht sich um "Deeskalation"

Die Bundesregierung bemüht sich nach Worten von Vize-Regierungssprecher Thomas Steg (SPD) um "Deeskalation". Dabei komme es darauf an, "alle bestehenden Kontakte zu nutzen". Für Berlin komme es "nicht in Frage", Botschaften in islamischen Ländern zu schließen.

Der frühere außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Karl Lamers (CDU), sagte der FR, falls Dänemark wegen des iranischen Wirtschaftsboykotts in Schwierigkeiten komme, müsse die EU sich wirtschaftlich solidarisch zeigen. Lamers rief aber zur außenpolitischen Zurückhaltung gegen muslimische Länder auf. dpa/ap/me

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