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Führerlose Dschihadisten: Wer wird der nächste Anführer des IS? 

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Von: Marvin Ziegele

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Eine Kämpferin der Volksverteidigungseinheiten (YPG) in Syrien im Kampf gegen den IS. (Archivbild)
Eine Kämpferin der Volksverteidigungseinheiten (YPG) in Syrien im Kampf gegen den IS. (Archivbild) © Jonathan William Mitchell/imago

Der Anführer des sogenannten Islamischen Staates (IS) ist tot. Wer wird seinen Platz einnehmen? 

Damaskus/Bagdad – Vor knapp einer Woche wurde der Anführer des selbstbezeichneten Islamischen Staates (IS) getötet. Abu Ibrahim al-Haskimi al-Quarashi wurde während eines militärischen Einsatzes der USA in Syrien getötet. Während deines Einsatzes soll er sich laut US-Präsident Joe Biden in einem Akt „verzweifelter Feigheit“ selbst in die Luft gesprengt haben, wobei er Mitglieder seiner Familie mit in den Tod riss.

Der Tod von al-Quarashi in Syrien war ein weiterer Schlag gegen die Terrormiliz IS, die im Jahr 2019 ihren langjährigen Anführer und Ausrufer des selbst ernannten Kalifats, Abu Bakr al-Baghdadi, bei einem nächtlichen Überfall verloren hatte. Doch die Dschihadisten werden vermutlich nicht lange führerlos bleiben.

Islamischer Staat (IS): Kampferprobte Dschihadisten aus dem Irak

Diejenigen, die die Aktivitäten des IS beobachten, gehen jedoch davon aus, dass sie in den kommenden Wochen einen Nachfolger benennen wird. Die Gruppe, die von 2014 bis 2017 eine brutale Herrschaft über weite Teile des Irak und Syriens ausübte, setzt ihren hartnäckigen und tödlichen Aufstand fortsetzt.

Wie das Nachrichtenportal Independent berichtet, gehen irakische Sicherheitsbeamte und unabhängige Analysten davon aus, dass der nächste Anführer des IS aus einem Kreis kampferprobter irakischer Dschihadisten kommen wird. Fadhil Abu Rgheef, einer der Sicherheitsexperten, geht davon aus, dass es vier mögliche Nachfolger gibt.

Syrien: Nächster Anführer des IS aus dem Irak?

„Dazu gehören Abu Khadija, dessen letzte bekannte Rolle die des irakischen Anführer des IS (ISIS) war. Dann gibt es Abu Muslim, der Anführer der Provinz Anbar und Abu Salih, über den nur sehr wenig bekannt ist. Er stand Baghdadi und al-Quarashi aber nahe.“

Abu Rgheef mutmaßt, dass der neue Anführer über stärkere militärische Qualifikationen verfügen könnte als Quarashi vor ihm, der von seinen Anhängern eher als islamischer Rechtsgelehrter denn als militärischer Anführer betrachtet wurde. „Die Anschläge und Operationen werden sich je nach dem Stil des neuen Führers ändern. Der neue Führer könnte an große und intensive Angriffe, Bomben oder Selbstmordattentäter glauben“, so Rgheef.

Islamischer Staat (IS): Totgeglaubter Militärstratege noch am Leben?

Einer der möglichen Kandidaten für das Amt des Anführers der Terrormiliz IS sei auch ein Mann, den die USA und der Irak für tot erklärt haben. „Man nimmt an, dass Abu Yassir al-Issawi noch am Leben ist. Er ist wertvoll für den IS, da er über langjährige militärische Erfahrung verfügt.“ Al-Issawi wurde während eines Luftangriffs im Januar 2021 von der von den USA geführten Militärkoalition für tot erklärt.

Syrer versammeln sich am Tatort einer nächtlichen Razzia von US-Spezialkräften gegen mutmaßliche Dschihadisten im Nordwesten Syriens
Syrer versammeln sich am Tatort einer nächtlichen Razzia von US-Spezialkräften gegen mutmaßliche Dschihadisten im Nordwesten Syriens © Aaref Watad/AFP

Hassan Hassan, Herausgeber des Magazins New Lines, ist sich laut Independent sicher, dass der neue Anführer des IS ein erfahrener irakischer Dschihadist sein wird. „Wenn sie sich in den kommenden Wochen für einen entscheiden, werden sie jemanden aus dem Kreis der Gruppe wählen müssen, die seit den frühen Tagen unter dem Namen ISIS operierte“, sagte er.

Terrormiliz Islamischer Staat (IS): Tod von al-Quarashi hat kaum Auswirkungen

Obwohl Joe Biden den Tod des bisherigen Anführers al-Quarashi als großen Sieg feiert, bezweifeln die irakischen Sicherheitsbeamten, dass sein Tod dem dezentralen IS schaden wird. „In Syrien arbeiten die Einheiten des Islamischen Staates als ein verzweigtes Netzwerk einzelner Gruppen, um zu vermeiden, dass sie ins Visier genommen werden. Wir glauben daher nicht, dass der Tod von Quraishi enorme Auswirkungen haben wird.“

Ohne angreifbares Territorium in Syrien und im Irak ist es für die Schlüsselfiguren des IS einfacher geworden, sich zwischen den beiden Ländern zu bewegen, ohne entdeckt zu werden. (Marvin Ziegele)

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