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Innenminister Horst Seehofer hat es sich mit vielen Muslimen verscherzt.

Zentralrat

Islam-Konferenz trifft sich erstmals unter Seehofer

Bislang ist Innenminister Horst Seehofer bei den Muslimen in Deutschland vor allem angeeckt. Ob es bei seiner ersten Islam-Konferenz harmonischer zugehen wird?

Die Deutsche Islam-Konferenz (DIK)  kommt an diesem Mittwoch erstmals in neuer Besetzung zusammen. Innenminister Horst Seehofer hat neben den Islam-Verbänden diesmal auch liberale Theologen und Wissenschaftler eingeladen. 

Die Konferenz bringt deutsche Muslime und Vertreter von Bund, Ländern und Kommunen zusammen. In den vergangenen Jahren hatte sie unter anderem Fragen wie Religionsunterricht und islamische Seelsorge erörtert.

Die Grünen erwarten nicht, dass die Konferenz schnelle Ergebnisse liefern wird. „Es ist zu befürchten, dass eine Menge der Debattenzeit erstmal darauf verwendet werden muss, die entstandenen atmosphärischen Störungen zu glätten“, sagte Bundestagsfraktionschefin Katrin Göring-Eckardt der dpa.

Der CSU-Politiker hatte im vergangenen März kurz nach seiner Ernennung zum Bundesinnenminister erklärt, er halte den Satz „Der Islam gehört zu Deutschland“ für falsch. Er fügte allerdings hinzu: „Die bei uns lebenden Muslime gehören aber selbstverständlich zu Deutschland.“

Der Kandidat für den CDU-Vorsitz, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, verlangte verbindliche Regeln für Muslime zur Integration in Deutschland. „Wir haben Religionsfreiheit, und es soll auch Moscheen in Deutschland geben“, sagte er der „Rheinischen Post“ (Mittwoch). „Aber Integration gelingt dauerhaft nur, wenn sich diese Moschee-Gemeinden als deutsche Moschee-Gemeinden verstehen und nicht zum Beispiel als türkische.“ Moscheen dürften nicht aus dem Ausland finanziert werden, die Imame müssten in Deutschland ausgebildet werden und auch Deutsch sprechen.

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz, verlangte eine „Emanzipation“ der Moschee-Verbände vom Ausland und eine Neustrukturierung der Vertretung der Muslime in Deutschland. „Wer als Moschee-Verband Teil von Deutschland sein will, kann nicht Teil von Riad oder Ankara bleiben. Und wer beispielsweise Kirchensteuer erheben will, der muss die gesetzlichen Kriterien erfüllen“, sagte die CDU-Politikerin der „Bild“-Zeitung (Mittwoch).

Islamkonferenz: Kritik von Bülent Ucar

Der Islamexperte Bülent Ucar sieht in der Deutschen Islam Konferenz kaum Potenzial zur Lösung der Probleme der Muslime in der deutschen Gesellschaft. Seit Jahren würden immer wieder lediglich Diskussionsrunden abgehalten und Absichtserklärungen abgegeben. „Ich bin inzwischen ratlos. Es wird geredet, ohne dass gehandelt wird“, sagte der Osnabrücker Wissenschaftler dem Evangelischen Pressedienst (epd). 

Ein Beispiel sei etwa das Imamseminar, das er seit langem als praktischen Teil der Imam-Ausbildung fordere. Seit Jahren erklärten auch Politiker, Regierungs- und Verbandsvertreter, dass sie einen entsprechenden Bedarf sähen. „Aber keiner rührt sich, obwohl wir hierzu Konzepte erarbeitet haben.“

Stattdessen handele jetzt der türkische Staat, sagte der Direktor des Instituts für Islamische Theologie an der Universität Osnabrück. Die Religionsbehörde in Ankara habe gerade 400 Imamstellen für das Ausland ausgeschrieben. Von den Bewerbern würden hervorragende Fremdsprachenkenntnisse etwa in Deutsch oder Englisch erwartet.

Die staatlichen Stellen hätten längst mutiger handeln und mit den moderaten islamischen Institutionen kooperieren müssen. „Nun werden diese gemäßigten Kräfte entmachtet“, sagte der Theologe und Religionspädagoge mit Bezug auf Niedersachsen und Bremen. Dort war der Vorstand des Ditib-Verbandes am Sonntag aus Protest gegen die Einflussnahme der türkischen Religionsbehörde zurückgetreten.

Die Ankündigung Seehofers, Moscheegemeinden finanziell unterstützen zu wollen, sieht Ucar skeptisch. In der Vergangenheit habe es solche Ankündigungen zuhauf gegeben, ohne dass sie umgesetzt worden seien. „Aber selbst wenn der Minister mit dem großen Geldbeutel kommt, werden bei den Verbänden nicht alle Hurra schreien.“ Dort existierten mittlerweile Ängste bezüglich einer unzulässigen Einflussnahme des Staates. (dpa/epd) 

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