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Sicherheitskräfte auf dem Dach des Gefängnisses, in dem sich die Angreifer verschanzen. rtr

Terrormiliz

IS-Angriff in der einstigen Hochburg

Terrormiliz nimmt afghanisches Gefängnis ins Visier / Viele Tote nach 23-stündigem Gefecht

Bei einem Angriff der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) auf ein Gefängnis im Osten Afghanistans sind am Sonntagabend 39 Menschen ums Leben gekommen. Etwa 50 weitere Personen seien bei den stundenlangen Gefechten in Dschalalabad, der Hauptstadt der Provinz Nangarhar, verwundet worden, wie ein Provinzsprecher am Montag mitteilte. Unter den Opfern seien Zivilisten, Gefängnisinsassen sowie Sicherheitskräfte gewesen. Mindestens zehn Angreifer seien getötet worden. Die Zahl der Opfer könne noch steigen, sagten Behördenvertreter. Der IS bekannte sich zu dem Anschlag.

Die Angreifer zündeten zunächst eine Autobombe und stürmten dann das Gefängnis. Die Gefechte dauerten rund 23 Stunden. Erst am Montag erklärte das Verteidigungsministerium die Kämpfe für beendet. Der Generalstabschef der Streitkräfte, Mohammed Jasin Sia, führte die Militäroperation. Die IS-Kämpfer verschanzten sich zeitweise im Gefängnis sowie in einem Gebäude in der Nähe.

Wie viele Insassen bei dem Angriff aus dem Gefängnis fliehen konnten, blieb zunächst unklar. Mehr als 1000 der rund 1800 Inhaftierten seien nach einem Fluchtversuch wieder festgenommen worden, sagte ein Provinzsprecher. Mehrere Hundert Insassen der Haftanstalt sollen Kämpfer des IS gewesen sein.

Am Samstag hatte Afghanistans Inlandsgeheimdienst den Tod des IS-Anführers Assadullah Oroksai verkündet, der von Spezialkräften in der Nähe von Dschalalabad getötet worden sei. Im April hatten Spezialkommandos den Anführer des IS-Ablegers in Afghanistan, Aslam Faruki, festgenommen.

Nangarhar galt einst als Hochburg des IS in Afghanistan, bevor das Land Ende 2019 den militärischen Sieg über die Terroristen verkündet hatte. Dennoch verübt der IS immer wieder Anschläge. Laut einem Bericht des UN-Sicherheitsrats operieren rund 2200 IS-Kämpfer in Afghanistan. Experten gehen davon aus, dass der IS nach einem möglichen Friedensschluss der militant-islamischen Taliban mit der afghanischen Regierung Zulauf von Taliban-Kämpfern erhalten könnte, die eine Einigung mit der Regierung ablehnen.

Die aufständischen Taliban wiesen nach dem Angriff auf das Gefängnis jede Verantwortung von sich. Für das Opferfest Eid al-Adha hatten sie sich mit Kabul auf eine landesweite, dreitägige Feuerpause geeinigt, die bis auf wenige Zwischenfälle eingehalten wurde. Seit Monaten planen Afghanistans Regierung und die Taliban Friedensgespräche. Doch im Streit um einen Gefangenentausch waren diese ins Stocken geraten. Der Konflikt im Land geht indes weiter.

Die USA hatten mit den Taliban am 29. Februar in Doha in Katar ein Abkommen unterzeichnet. Es sieht einen Abzug der internationalen Truppen sowie einen Gefangenenaustausch als vertrauensbildende Maßnahme vor und soll den Weg für innerafghanische Friedensgespräche bereiten. Im Gegenzug versicherten die Taliban, ihre Beziehungen mit anderen Terrororganisation zu beenden. Laut einem Bericht des UN-Sicherheitsrats bestehen aber immer noch Verbindungen zu Al-Kaida. dpa

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