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G7-Gipfel in Frankreich: Merkel und Trump.

Zuvor gab es Küsschen für die Kanzlerin

Irre Pressekonferenz: Trump spricht auf G7-Gipfel, da verliert Merkel die Fassung

Am Rande des G7-Gipfels geben Angela Merkel und Donald Trump eine gemeinsame Pressekonferenz. Der US-Präsident nutzt die Chance für eine One-Man-Show. Doch Merkel verliert die Kontrolle und muss lachen.

Biarritz - Eigentlich ist Bundeskanzlerin Angela Merkel zu einem bilateralen Gespräch mit Donald Trump verabredet gewesen. Doch der US-Präsident nutzte die Chance zu einem Pressecoup, mit der deutschen Bundeskanzlerin in der Nebenrolle. Angela Merkel interpretierte die Situation jedoch auf ihre eigene Art. Donald Trump zeigte sich ungewohnt handzahm.

In den vergangenen Tagen haben der französische Staatschef Emmanuel Macron und US-Präsident Trump das internationale Parkett auf demG7-Gipfel genutzt, um sich jeweils selbst zu profilieren. Mittel zum Zweck war die trumpsche Art der Wechselbeziehung zwischen Freundschaftsangebot und Drohgebärden. Eine Taktik, die Macron bis zur Perfektion zu meistern scheint. Der bekanntermaßen recht nüchternen deutschen Bundeskanzlerin entspricht diese Form der Selbstdarstellung nicht. Und so kommt es, dass sie in dem gemeinsamen Presseauftritt dem US-Präsidenten scheinbar die Bühne überlässt. 

G7: Angela Merkel überlässt Donald Trump scheinbar die Bühne

US-Präsident Donald Trump nutzte die Chance, um sich zu profilieren - und ungewohnt sanfte Töne anklingen zu lassen. In seinem Sessel nach vorne gebeugt, beantwortete er alle Fragen der Journalisten -  auch jene, die an beide Staatschefs gerichtet waren. Es schien es so, als habe Trump vergessen, dass es neben ihm noch eine andere gibt, die auf die Fragen der Journalisten in einem gemeinsamen Pressegespräch antworten kann. Und Merkel hielt sich mit der gewohnten Ruhe zurück. Nur zweimal schritt sie ein - und relativierte freundlich aber bestimmt die Aussagen des US-Präsidenten. 

Die Gespräche auf dem G7-Gipfel seien gut verlaufen, sagte Trump sichtlich zufrieden. In Bezug auf den Iran habe man mehr oder weniger eine Lösung gefunden. Laut Merkel sei man sich in den G7-Ländern zwar einig, dass eine atomare Aufrüstung des Iran zu verhindern sei. „Wir wollen das auf einem Verhandlungswege erreichen. Ich denke, die Gespräche waren hier sehr produktiv, um langsam weiterzukommen, aber das ist noch ein langer Weg.“

Trump und Merkel geben eine gemeinsame Pressekonferenz 

Auch bei der Frage, ob man sich in Bezug auf IS-Kämpfer mit europäischer Herkunft einig geworden sei, signalisierte Trump Fortschritte. Tausende IS-Anhänger seien in US-Gefangenschaft. Er hoffe, dass Europa jene zurücknehme, die eine europäische Staatsbürgerschaft haben. 

Trotz seiner One-Man-Show hielt Trump einen Kuschelkurs. Sogar, als er auf die Fairness seiner Handelspolitik gegenüber China angesprochen wurde. Er erklärte, dass der Fehler nicht an seiner Härte, sondern bei seinen Vorgängern liege. Nicht nur gegenüber China hätten die US-Regierungen bisher versagt. Auch Europa habe die Vereinigten Staaten viel Geld gekostet. „Das halte ich der EU nicht vor“, sagte Trump in dem Pressegespräch. Aber künftig müsse man sehen, wie sich die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den USA und der EU entwickelten. Entsprechend müssten dann gegebenenfalls die Zölle angepasst werden. 

Merkel lenkte ein. Sie sei sich sicher, dass bei dem Thema Strafzölle eine Lösung für die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den USA und der EU gefunden werden könne. Deutschland werde sich in dem folgenden bilateralen Gespräch auch gezielt dafür einsetzen. „Es besteht ein großes Interesse an dem Ausbau der Handelsbeziehungen zu den USA“, sagte Merkel.

G7: Angela Merkel verliert kurz die Fassung auf Pressekonferenz mit Donald Trump

In zwei Situationen verliert die Kanzlerin kurz die Fassung und muss lachen. Als Trump Merkel fragt, ob sie noch eine Pressekonferenz gebe, etwa. „Wenn du eine gibst, komme ich, um sie zu hören“, sagte Trump und Merkel kicherte - wohl bei dem Gedanken, dass Trump in der ersten Reihe zwischen den Journalisten sitzend ihren Worten lauscht. 

Auch als Trump erklärt, dass er Deutschland besuchen wolle, kann sich die Kanzlerin kurzzeitig nicht zurückhalten und lacht auf. Merkel hatte Trump in den vergangenen Monaten mehrmals nach Deutschland eingeladen. Der US-Präsident hatte bisher noch keine dieser Einladungen angenommen. Auf der gemeinsamen Pressekonferenz sagte Trump dann plötzlich, dass er Deutschland besuchen wolle. Vielleicht sogar in Kombination mit seiner Reise nach Polen. Das sei zwar recht kurzfristig aber möglich. Ihre Tage im Ringen mit gelinde gesagt speziellen Kollegen sind gezählt, erstmals gab sie mittlerweile auch einen Hinweis, wo es für sie nach ihrem Rückzug aus der Politik weitergehen könnte.

G7-Lippenbekenntnisse: Küsschen von Donald und Melania Trump

Trumps Besuch in Polen ist für den 1. September geplant. Sollte er diese Reise wirklich mit einem Deutschland-Besuch verbinden wollen, könnte das Merkels Planungsteam für Staatsbesuche deutlich unter Druck setzen.

Zuvor hatten sich viele Beobachter bereits über einen „Kuschelkurs“ des US-Präsidenten und seiner First Lady lustig gemacht. Beim traditionellen Familienfoto der G7-Staatschefs begrüßte Trump Angela Merkel mit einem weniger zarten französischen Küsschen. Und auch Melania Trump wurde in flagranti beim Begrüßungsküsschen mit Kanadas Premier Justin Trudeau abgelichtet. 

Zwei gehauchte Küsschen, an der Wange des Gegenübers vorbei, das gehört zur Begrüßung in Frankreich zum guten Ton.

G7-Gipfel in Frankreich

In den Fokus gebracht hat sich Donald Trump auch durch eine falsche Aussage - das Weiße Haus musste seinen Fehler einräumen. Und lieferte eine haarsträubende Erklärung mit, wie Merkur.de* berichtet.

Der Merkur* kommentiert außerdem die neueste Bertelsmann-Studie zur Migration in Deutschland. 

Nach dem Besuch des türkischen Präsidenten Erdogan bei Kremlchef Wladimir Putin soll sich die Lage in Syrien schon bald „normalisieren“. Der kommende G7-Gipfel in den USA könnte aus einem ekligen Grund ausfallen.

Währenddessen kursiert auch ein wahnwitziges Gerücht über Donald Trump im Netz. Es heißt, er fordere die Löschung eines Fotos. Währenddessen macht sich die Internetgemeinde über den unvorteilhaften Schnappschuss lustig. Kritisiert wird Angela Merkel auch von Karl-Theodor zu Guttenberg. Er wirft ihr einen zu drastischen Sparkurs bei der Bundeswehr vor

Im September zeigt das ZDF das Dokudrama „Stunden der Entscheidung: Angela Merkel und die Flüchtlinge“. Ein zeithistorischer Film, der damalige Ereignisse verdichtet.

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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