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Iranische Klettermeisterin Rekabi legt Kopftuch ab – und verschwindet von der Bildfläche

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Von: Moritz Serif

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Seit der islamischen Revolution von 1979 gilt im Iran eine Kopftuchpflicht für Frauen. Auch bei Wettkämpfen. Beobachter:innen fürchten, dass Rekabi verhaftet wurde.

Seoul/Teheran – Wo steckt Elnas Rekabi, iranische Klettermeisterin? Laut Berichten in sozialen Medien wie Twitter und Instagram soll ihr Pass und Mobiltelefon beschlagnahmt worden sein. Auch eine Festnahme steht im Raum. Laut der Website iran Wire sei die Klettermeisterin bereits auf dem Weg in das für seine katastophalen Haftbedingungen berüchtigte Evin-Gefängnis.

Die iranische Klettermeisterin Elnas Rekabi bei einem Wettbewerb.
Die iranische Klettermeisterin Elnas Rekabi bei einem Wettbewerb. (Archivfoto) © Naoki Nishimura/imago

Rekabi hatte im Finale der Asienmeisterschaft in Seoul ihr Kopftuch abgenommen – höchstwahrscheinlich um sich mit den Protesten im Iran solidarisch zu zeigen. Iranische Frauen müssen seit der islamischen Revolution von 1979 ein Kopftuch in der Öffentlichkeit und lange Jacken tragen, um Haare und Haut zu bedecken. Das Gesetz gilt für alle Sportlerinnen des Landes. Auch bei Wettkämpfen.

Iranische Klettermeisterin Rekabi ist nicht erreichbar

In der Nacht zum Dienstag (18. Oktober) strömten zahlreiche Iraner:innen zum Hauptstadtflughafen in Teheran, um Rekabi als neue Heldin der Frauenproteste zu feiern. Doch die Straßen zum Flughafen sollen in der Nacht abgeriegelt gewesen sein, weshalb nur Personen mit einem gültigen Flugticket weiterfahren durften.

Beobachter:innen rechnen mit einem Ausschluss Rekabis aus der Nationalmannschaft und einem Ausreiseverbot. Man fürchte, dass Rekabi festgenommen und eingeschüchtert wurde. Die iranische Botschaft in Seoul wies diese Berichte zurück. Rekabi und ihr Team würden wie geplant am Dienstag wieder nach Teheran zurückfliegen, hieß es.

Vom Iran verhaftet? Wo steckt Rekabi?

Die Journalistin Natalie Amiri, welche für die Frankfurter Rundschau vor kurzem eine Kolumne über die Kopftuchpflicht und die Proteste verfasst hatte, schrieb bei Twitter, dass die Sportler:innen bereits aus dem Hotel in Seoul abgereist seien. Selbst Angehörige würden sie nicht erreichen.

Seit Ausbruch der landesweiten Proteste haben bereits mehrere prominente Sportler - unter ihnen auch die ehemaligen Fußballprofis Ali Daei, Ali Karimi und Mehdi Mahdavikia - das System wegen der Unterdrückung der Frauenproteste kritisiert und ihre Solidarität mit den Demonstrant:innen verkündet.

Fall Rekabi erinnert an Peng Shuai

Der Fall erinnert an den der Weltklasse-Tennis-Doppelspielerin Peng Shuai. Diese verschwand plötzlich von der Bildfläche, nachdem sie im Kurznachrichtendienst Weibo Vorwürfe der sexualisierten Gewalt gegen den kommunistischen Parteifunktionär Zhang Gaoli, einen der mächtigsten Männer Chinas, erhoben hatte. Nachdem die Öffentlichkeit Druck auf das Regime ausgeübt hatte, veröffentlichte Peng Shuai plötzlich ein Statement und bestritt alle zuvor erhobenen Vorwürfe. (mse/dpa)

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