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„HMS Montrose“ (Mitte) als Eskorte in der Straße von Hormus.

Angriffe

Iranische Geduldsproben

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Marineeinheiten am Golf üben den Konfrontationskurs. Britischer Fregatten-Kapitän berichtet von Scheinangriffen iranischer Schnellboote.

Am Mittwoch ließ die Royal Navy ihre Muskeln spielen. Zumindest verbal. William King, Kapitän der Fregatte „HMS Montrose“, sagte der BBC, seine iranischen Gegenüber in der Straße von Hormus würden sehr offensichtlich die Entschlossenheit und die Geduld der britischen Marine auf die Probe stellen wollen. Der Navy Commander hat in den vergangenen 27 Tagen 85 „Interaktionen“ mit maritimen Einheiten der iranischen Revolutionsgarden gezählt. Und die hätten oft zum „Austausch von Warnungen“ geführt, wie der Brite eindringlich anmerkte.

Unter „Interaktionen“ muss man sich Schiffsmanöver vorstellen, die hart an der Grenze zur willentlichen Unfallgefährdung sind. In der Straße von Hormus, erklärte Commander King, wären das beispielsweise iranische Schnellboote auf einem scheinbaren Kollisionskurs mit der „Montrose“. Die Iraner würden damit „testen, bis zu welchem Warnniveau wir gehen“ – also wie lange es dauert, bis die Briten schießen. Bislang hat die „Montrose“ keinen einzigen Schuss auf ihren Eskorten von zivilen Tankern abgegeben.

Der Royal-Navy-Kapitän erwähnte auch, die Iraner würden behaupten, dass die Präsenz seines Schiffes vor der Küste des Iran illegal sei. King habe für die Revolutionsgarden da nur die Antwort übrig, dass er „vollkommen legal in internationalen Gewässern“ operiere. Auch wenn die Straße von Hormus sich nur in iranische und omanische Hoheitsgebiete teilt.

Die „Montrose“ ist seit April auf einer britischen Marinebasis in Bahrain stationiert und eskortiert seit mehreren Wochen Handelsschiffe unter britischer Flagge. Die Fregatte soll in Kürze zwecks Wartung durch den britischen Zerstörer „Duncan“ ersetzt werden, der am Sonntag in der Region eintraf.

Das verbale Muskelspiel des Kapitäns erklärt sich auch aus einem für die Royal Navy eher unangenehmen Sachverhalt. Als die Iraner am 20. Juli den britischen Tanker „Stena Impero“ festsetzten – offenbar als Vergeltung für das Aufbringen des mit iranischem Erdöl beladenen Tankers „Grace 1“ am 4. Juli vor Gibraltar durch die Briten –, da war die Fregatte in der Nähe. Vielleicht kam für King eine entsprechende Order von seinem neuen Premier Boris Johnson, der auch gerne verbal die Muskeln spielen lässt.

Militärs besprechen Einsätze

Sehr viel konkreter – und militärischer – scheint sich aber die Diskussion um den Schutz von Tankern im Persischen Golf zu entwickeln. Hochrangige US-amerikanische und britische Militärs kamen am Mittwoch in Bahrain zu einer Einsatzbesprechung zusammen. Das bestätigten das britische Verteidigungsministerium und ein Sprecher der im Golf operierenden 5. US-Flotte am Dienstag. London sprach von „mehreren internationalen Partnern“, die in Bahrain dabei sein würden. Details wurden nicht genannt. Ein Sprecher der US Navy deutete an, möglicherweise würden am Donnerstag Ergebnisse des Treffens veröffentlicht.

Doch die „militärische Option“ ist längst nicht die einzige. Am Wochenende hatte sich der Außenminister des Oman, Jussuf bin Alawi, nach Teheran begeben, um vielleicht noch offene oder vielleicht noch gar nicht beschrittene diplomatische Wege auszuloten. Anschließend verbreitete der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif via Twitter, man habe über die Sicherheit in der Region gesprochen und über bilaterale Verbindungen. Dieser diplomatische Jargon kann dechiffriert werden als Bestätigung, dass die beiden Minister tatsächlich eine friedliche Lösung gesucht haben. mit afp/dpa

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