Benötigt internationale Unterstützung: Hamid Karsai.
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Benötigt internationale Unterstützung: Hamid Karsai.

Afghanistan-Konferenz

Iran will helfen

  • Thorsten Knuf
    vonThorsten Knuf
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Der Iran sendet Signale der Entspannung in Richtung der USA. Sein Land sei bereit, die internationalen Bemühungen zur Stabilisierung Afghanistans zu unterstützen, sagt Mohammed Mehdi Achundsadeh.

Den Haag. Der Iran sendet vorsichtige Signale der Entspannung in Richtung seines Erzfeindes USA. Sein Land sei bereit, die internationalen Bemühungen zur Stabilisierung Afghanistans zu unterstützen, sagte der iranische Vize-Außenminister Mohammed Mehdi Achundsadeh auf einer Afghanistan-Konferenz der Vereinten Nationen im niederländischen Den Haag. US-Außenministerin Hillary Clinton rief vor fast 100 Vertretern von Staaten und Organisationen zur Versöhnung mit denjenigen afghanischen Taliban auf, die der Gewalt abschwören.

Ohne die USA direkt beim Namen zu nennen, begrüßte Achundsadeh die Pläne der Amerikaner sowie der europäischen Staaten, am Hindukusch in Zukunft verstärkt auf zivile Anstrengungen und regionale Kooperation zu setzen. Der Iran könne einen Beitrag zum Wiederaufbau des Nachbarlandes sowie zum Anti-Drogen-Kampf leisten, sagte der Vize-Minister.

Erst loben, dann kritisieren

Zugleich kritisierte er indirekt die Ankündigung der Amerikaner, 17 000 weitere Soldaten an den Hindukusch zu schicken: "Die Präsenz ausländischer Streitkräfte hat die Situation nicht verbessert. Und es scheint so, als werde sich die Entsendung weiterer Truppen ebenfalls als ineffizient erweisen", sagte Achundsadeh.

Allein die Anwesenheit des Teheraner Spitzen-Repräsentanten bei der Afghanistan-Konferenz galt bereits als Hinweis darauf, dass der Iran mit den USA wieder ins Gespräch kommen will. Und so kam es dann auch. Zum ersten Mal seit Jahren sprachen Spitzendiplomaten der USA und des Iran wieder direkt miteinander. Zu dem Treffen kamen am Dienstag der US-Sonderbeauftragte für Afghanistan und Pakistan, Richard Holbrooke, und der iranische Vizeaußenminister zusammen. Die "kurze und ungeplante" Begegnung sei "vielversprechend" verlaufen, erklärte Hillary Clinton.

Das Verhältnis zwischen beiden Ländern ist seit der islamischen Revolution im Iran vor 30 Jahren vollkommen zerrüttet. Der neue US-Präsident Barack Obama versucht, eine Entspannung einzuleiten.

Der afghanische Präsident Hamid Karsai lobte in Den Haag die Pläne der USA, verstärkt die Nachbarländer einzubinden. Auch der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) bekräftigte, dass die Bundesrepublik den neuen Ansatz ohne Einschränkungen unterstützt. "Endlich sind wir auf dem Weg zu einer wirklich gemeinsamen Strategie", sagte Steinmeier. Die Stabilisierung Afghanistans könne nicht gelingen, ohne das benachbarte Pakistan im Blick zu haben. Deutschland gehört im Rahmen der internationalen Isaf-Mission zu den größten Truppenstellern in Afghanistan.

Steinmeier kündigte an, dass sich die Sonderbeauftragten für Afghanistan und Pakistan der USA, Deutschlands und weiterer Staaten am Mittwoch in München treffen werden.Die neue Afghanistan-Strategie soll auch ein Hauptthema des Nato-Gipfels Ende der Woche in Straßburg, Kehl und Baden-Baden sein.

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