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Ein Soldat der US-Armee im Einsatz in Syrien. Die US-Truppen in der Region sind aufgrund der angespannten Lage mit dem Iran in Alarmbereitschaft versetzt worden.

USA-Iran

Krise in der Golfregion: US-Truppen in Alarmbereitschaft

Die Krise zwischen den USA und dem Iran spitzt sich weiter zu. Unklar ist, ob die USA weitere Truppen in die Golfregion entsenden werden.

Ungeachtet allseitiger Beteuerungen, einen Iran-Krieg vermeiden zu wollen, geht das Säbelrasseln weiter. Die US-Streitkräfte erhöhten die Alarmbereitschaft für ihre Anti-Terror-Kräfte in der Region, wie sie am Dienstag bekanntgaben. Es gebe glaubhafte Bedrohungen durch vom Iran unterstützte Kräfte. Zuvor hatte der britische Vize-Kommandeur des Anti-IS-Operation Inherent Resolve erklärt, es gebe keine Anzeichen für eine solche erhöhte Bedrohung.

Die US-Streitkräfte reagierten umgehend und erklärten, diese Einschätzung sei nicht mit den Geheimdiensterkenntnissen der USA und ihrer Verbündeten im Einklang. US-Außenminister Mike Pompeo sagte bei seiner Abreise aus Russland, es gebe derzeit keine neuen Erkenntnisse zum Bedrohungsszenario. „Ich denke in den kommenden Stunden und Tagen werden wir die Antwort haben (...).“

Mike Pompeo zu Besuch in Russland

Zuvor hatten in dem Konflikt zwischen den USA und dem Iran beide Seiten beteuert, keinen Krieg zu wollen. Sowohl Washington als auch Teheran gaben sich am Dienstag aber unnachgiebig in ihren Positionen. Die Regierung von US-Präsident Donald Trump richtete erneut eine Warnung an den Iran. US-Außenminister Mike Pompeo sagte bei einem Besuch in Russland, dass sein Land keinen Krieg gegen den Iran wolle. „Wir wollen, dass sich der Iran wie ein normales Land verhält.“ Wenn aber amerikanische Interessen angegriffen würden, dann würden sich die USA wehren.

Irans oberster Führer, Ajatollah Ali Chamenei, machte am selben Tag klar, dass sein Land nicht an Verhandlungen mit den USA interessiert sei. „Weder wir wollen einen Krieg, noch wollen das die (USA), deshalb wird es den auch nicht geben“, sagte Chamenei im Staatsfernsehen. Der Iran habe im Konflikt mit den USA jedoch „den Weg des Widerstands“ gewählt, denn Verhandlungen mit Washington seien „wie ein Gift“.

Konflikt in Saudi-Arabien verschärft den Konflikt

Die Spannungen zwischen den beiden Ländern hatten in den vergangenen Tagen massiv zugenommen. US-Präsident Trump hält dem Iran vor, Unruhe in der Region zu schüren und Terrorismus zu unterstützen. Das US-Verteidigungsministerium hatte zuletzt unter anderem einen Flugzeugträger und eine Bomberstaffel in den Nahen Osten entsandt und dies damit begründet, dass es Hinweise darauf habe, dass der Iran Angriffe auf US-Truppen unternehmen könne.

Angeheizt wurde die Lage zusätzlich durch Sabotageakte in der Golfregion. In Saudi-Arabien wurde am Dienstag eine der wichtigsten Ölpipelines des Landes von mit Sprengstoff beladenen Drohnen angegriffen – möglicherweise von jemenitischen Huthi-Rebellen. Sie werden vom Iran unterstützt. Am Wochenende waren aus den benachbarten Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) Sabotageakte an Öltankern gemeldet worden.

Drohnen führen Angriffe gegen Saudi-Arabien

Bei dem Vorfall in Saudi-Arabien wurden Regierungsangaben zufolge zwei Pumpstationen der Ost-West-Pipeline im Zentrum des arabischen Königreiches angegriffen. Sieben Drohnen hätten Angriffe gegen wichtige Ziele in Saudi-Arabien ausgeführt, berichtete das jemenitische Medienunternehmen Al-Masirah mit Verweis auf Militärkreise der Huthis. Das Medienunternehmen steht unter Kontrolle der Rebellen. Ein Huthi-Sprecher bezeichnete die Angriffe als Vergeltungsaktion für die Angriffe Saudi-Arabiens im Jemen. Der Iran und das von den USA unterstützte Saudi-Arabien sind Erzfeinde.

Aus Sicherheitsgründen sei der Betrieb der Pipeline in Saudi-Arabien, die vor allem für den Öltransport nach Europa und die USA wichtig ist, vorläufig eingestellt worden, teilte das staatliche Energieunternehmen Saudi Aramco mit. Es habe keine Opfer und nur leichte Sachschäden gegeben.

Donald Trump dementiert Truppenentsendung

Der iranische Außenminister Dschawad Sarif warnte angesichts der Entwicklungen vor einer Eskalation. „Wir hatten es schon vorhergesehen, dass solche dubiosen Zwischenfälle passieren könnten, um Spannungen in der Region zu provozieren“, sagte er laut der staatlichen iranischen Nachrichtenagentur Irna.

US-Präsident Donald Trump dementierte unterdessen einen Bericht über eine massive Entsendung von Soldaten in die Region. Die „New York Times“ hatte geschrieben, dass die USA die Entsendung von 120 000 Soldaten in den Mittleren Osten für den Fall prüften, dass der Iran beschleunigt an Atomwaffen arbeiten oder US-Truppen angreifen sollte. Trump bezeichnete dies als „Fake News“. Trump sagte mit Blick auf die Nachricht: „Würde ich das machen? Absolut. Aber das haben wir nicht geplant. Hoffentlich werden wir das nicht planen müssen. Und wenn wir müssten, würden wir verdammt viel mehr Truppen schicken.“ 

Steht Trump-Berater John Bolton hinter dem harten Kurs?

Für den harten Kurs gegenüber dem Iran ist laut Beobachter in Washington vor allem Trump-Berater John Bolton verantwortlich. Er hatte zuletzt auch öffentlich eine führende Rolle dabei übernommen, die US-Linie gegenüber dem Iran zu vertreten. In vagen Andeutungen warnte er vor einer gewachsenen Gefahr durch den alten Erzfeind – und begründete so die Entsendung eines Flugzeugträgers und einer Bomberstaffel in die Region. Jeden „Angriff“ würden die USA mit „unerbittlicher Kraft“ beantworten, lautete Boltons martialische Warnung an Teheran.

Der Falke im Team Trump: Berater John Bolton.

Keinen Zweifel kann es aber daran geben, dass Bolton derzeit das Ohr des Präsidenten hat. „Er wirkt hart und stark – zwei Eigenschaften, die Trump schätzt“, sagt Robert Guttman, Außenpolitik-Experte an der Johns Hopkins University. Trump hatte Bolton im März 2018 als obersten Sicherheitsberater ins Weiße Haus geholt – als Nachfolger von H.R. McMaster, der wie Mattis den Präsidenten immer wieder zu zügeln versucht hatte.

Als Falke der besonders aggressiven Art ist Bolton schon seit Jahrzehnten im In- und Ausland eine hochkontroverse Figur. So war er unter Ex-Präsident George W. Bush als Staatssekretär im Außenministerium und Botschafter bei der UNO einer der führenden Advokaten der Militärinvasion im Irak. Vor vier Jahren plädierte Bolton dann in der „New York Times“ für Luftangriffe auf iranische Nuklearanlagen: „Bombardiert den Iran, um Irans Bombe zu stoppen“, lautete der provokante Titel seines Beitrags.

Gelernt unter Ronald Reagan

Ein Konservativer ist Bolton seit frühen Jahren. Der Sohn eines Feuerwehrmanns und einer Hausfrau aus der Ostküstenstadt Baltimore schaffte es an die Eliteuniversität Yale, wo er ein Jurastudium absolvierte und sich in dem linksliberalen Umfeld durch seine politischen Ansichten abhob. Erstmals in der Regierung arbeitete er dann unter Präsident Ronald Reagan.

Unter Trump hat der 70-Jährige mit dem buschigen Schnauzbart nun den Höhepunkt seiner langen Laufbahn erreicht – ein später Aufstieg, den er wohl nicht zuletzt seiner vorherigen Tätigkeit als Moderator bei Trumps Lieblingssender Fox News zu verdanken hat.

Boltons Einfluss macht sich auf diversen Feldern bemerkbar – weniger bei Nordkorea, wo Trump vor allem auf die Diplomatie setzt, aber etwa auch in dem harten Kurs gegenüber Venezuelas Machthaber Nicolás Maduro. Seine markantesten Fußspuren hinterlässt er aber bisher in der Iran-Politik. Dass Trump zwei Monate nach Boltons Eintritt in die Regierung das Atomabkommen mit Teheran aufkündigte, war für den Sicherheitsberater ein Riesentriumph.

Nun befürchten manche, dass Bolton den Präsidenten gar zum Krieg mit dem Iran antreiben könnte. (FR/dpa/afp)

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