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Warum kam es zu den Protesten im Iran – und was fordern die Menschen?

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Von: Tim Vincent Dicke

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Nach dem Tod von Mahsa Amini gehen Tausende im Iran auf die Straße. Bei den Protesten entlädt sich die Wut, die sich über Jahrzehnte aufgestaut hat.

Teheran – Seit rund einer Woche demonstrieren im Iran Tausende Menschen gegen das herrschende Regime und die brutal vorgehenden Sicherheitsbehörden. Auslöser war der Tod der 22 Jahre alten Mahsa Amini. Die junge Iranerin mit kurdischen Wurzeln war von der Religions- und Sittenpolizei verhaften worden – und verstarb nach der Festnahme.

Die Methoden in der islamischen Republik sind ebenso bekannt wie auch gefürchtet. Es kommt meist gar nicht zu großen Protesten und Ausschreitungen, da die Polizei mit äußerster Härte vorgeht. Doch warum ist die Situation diesmal eine andere? Offenbar ist der Tod von Mahsa Amini der Tropfen, der das Fass im Iran zum Überlaufen gebracht hat, die junge Frau ist ein Symbol des Widerstands gegen ein mit Unterdrückung herrschendes System geworden.

Iran-Proteste: Für Frauen gelten strenge Kleiderregeln

Die Sittenwächter hatten Amini vor einer Woche in der Hauptstadt Teheran festgenommen, weil sie das islamische Kopftuch offenbar nicht den strikten Vorschriften entsprechend trug. Die 22-Jährige brach unter nicht geklärten Umständen auf der Polizeiwache zusammen und wurde drei Tage später im Krankenhaus für tot erklärt. Laut Polizei hatte sie eine Herzattacke. Menschenrechtsaktivisten zufolge erlitt Amini einen tödlichen Schlag auf den Kopf. Diese Version wird durch einen CT-Scan ihres Schädels gestützt, der Medienberichten zufolge einen Knochenbruch, Blutungen sowie ein Hirnödem zeigt.

Proteste im Iran: Zwei Frauen fliehen vor der iranischen Polizei, die mit Motorrädern angefahren kommt.
Viele junge Frauen sind im Iran auf der Straße. © dpa

Für junge Frauen ist der Tod ein drastisches Signal, dass sie im Iran als Menschen zweiter Klasse angesehen werden. Die frauenfeindlichen Vorschriften werden zwar von den Behörden durchgesetzt, aber es kommt auch zu Angriffen aus der Zivilbevölkerung auf Frauen, die sich „unislamisch“ kleiden oder verhalten.

Umsturz im Iran nicht von allen Demonstrierenden gefordert

„Ich kann rumsitzen und alles bedauern, oder ich kann etwas dagegen tun“, sagt die Studentin Schabnam in einem Telefoninterview mit der Deutschen Presse-Agentur. Die 25-Jährige ist eine der vielen jungen Frauen, die seit dem Tod Aminis auf die Straße gehen. Viele Demonstrant:innen fordern den Sturz des gesamten islamischen Regimes und stattdessen ein säkulares System, in dem Staat und Religion getrennt sind.

Schabnam geht jedoch nicht so weit. „Die Türkei ist ja auch islamisch, aber die Frauen dürfen zwischen Schleier und Minirock frei wählen“, sagt Schabnam. Daher gehe es ihrer Einschätzung nach nicht allen Protestler:innen um einen „politischen Umsturz, sondern um ein Ende unzeitgemäßer islamischer Kriterien, die der iranischen Gesellschaft in den letzten vier Jahrzehnten aufgedrängt wurden“. (tvd/dpa)

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