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Hackergruppe kapert Staats-TV im Iran – „Schließt euch uns an“

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Von: Tim Vincent Dicke

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Ein Kollektiv hackt das iranische Staatsfernsehen. „Das Blut unserer Jugend tropft von deinen Fingern“, wird Chamenei attackiert.

Teheran – Gegen die Proteste im Iran gehen die Machthaber mithilfe der Sicherheitsbehörden mit äußerster Brutalität vor. Doch die Protestierenden geben nicht nach – sowohl auf der Straße als auch online. Nun ist das iranische Staatsfernsehen von einer Gruppe gehackt worden.

Am Samstag (8. September) flimmerte wie jeden Tag die 21-Uhr-Nachrichtensendung über den Bildschirm von vielen Iranerinnen und Iranern. Doch mitten in einem Bericht erschien plötzlich eine Maske, gefolgt von einem Bild des Obersten Führers Ali Chamenei, mit Flammen um ihn herum und Zielscheibe auf dem Kopf. Außerdem zeigte das TV-Bild Mahsa Amini sowie drei anderen Frauen, die mutmaßlich von iranischen Sicherheitskräften getötet wurden.

Iran-Proteste: „Erhebt euch“, schreibt die Hackergruppe

Die 22-jährige Amini war am 16. September in Teheran gestorben, nachdem sie dort drei Tage zuvor von der Sittenpolizei wegen des Vorwurfs festgenommen wurde, ihr Kopftuch nicht den Vorschriften entsprechend getragen zu haben. Nach Angaben von Aktivistinnen und Aktivisten wurde sie im Polizeigewahrsam geschlagen und starb an einer Kopfverletzung. Der Tod der jungen Kurdin löste die massiven Proteste aus.

Ali Chamenei mit Fadenkreuz auf dem Kopf: Dieses Bild bekamen die Zuschauerinnen und Zuschauer des iranischen Fernsehens zu sehen.
Ali Chamenei mit Fadenkreuz auf dem Kopf: Dieses Bild bekamen die Zuschauerinnen und Zuschauer des iranischen Fernsehens zu sehen. © Twitter/@EdalateAli1400/AFP

„Das Blut unserer Jugend tropft von deinen Fingern“, hieß es nun am Samstag im Fernsehen in Bezug auf Chamenei, während das Bild gehackt wurde. „Schließt euch uns an und erhebt euch“, stand in der rechten oberen Ecke. Rund 15 Sekunden bekamen die Menschen im Iran die Botschaft zu sehen, dann schaltete der Staatssender wieder hastig zum Moderator in Studio.

Tote bei den Protesten Iran

Verantwortung für den Hack übernommen hat eine Gruppe, die sich Edalate Ali nennt. „Auf Wunsch unserer Landsleute haben wir unser Versprechen erfüllt und etwas Undenkbares getan, um den Iran zu befreien“, hieß es einem Bekennerschreiben auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. „Wacht auf und schließt euch uns auf den Straßen an. Wir werden unsere Aktionen fortsetzen, bis das korrupte System zerstört ist.“ Man werde „alles tun, um unser Land vom Mullah-Regime zu befreien.“

Die Proteste im Iran reißen auch nach mehr als drei Wochen nicht ab. Bei Demonstrationen am Wochenende in Teheran und der Kurdenregion im Nordwesten des Landes seien zwei iranische Sicherheitskräfte getötet worden, berichteten staatliche Medien. Der Nachrichtenagentur Irna zufolge starb einer der beiden Männer, nachdem er am Samstagabend „bei einem bewaffneten Angriff“ durch eine Menschengruppe im Süden Teherans eine schwere Kopfverletzung erlitten hatte. Ein weiteres Mitglied der Sicherheitskräfte starb demnach bei Protesten in Sanandadsch, der Hauptstadt der Provinz Kurdistan. (tvd/AFP)

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