1. Startseite
  2. Politik

Iran: Hundert Menschen droht nach Protesten die Todesstrafe

Erstellt:

Von: Katja Thorwarth

Kommentare

Demonstrierenden im Iran droht die Todesstrafe.
Demonstrierenden im Iran droht die Todesstrafe. © Uncredited/dpa

Das Regime im Iran verhängt zunehmend Todesurteile im Zusammenhang mit den Protesten. Man wolle „über Exekutionen“ Angst verbreiten.

Teheran - Am 25. Dezember waren 100 Tage vergangen, seitdem die iranische Kurdin Jina Mahsa Amini im Polizeigewahrsam starb. Die berüchtigte Moralpolizei des Iran hatte die Studentin nur drei Tage zuvor wegen eines angeblich schlecht sitzenden Kopftuchs verhaftet. Ausgehend von ihrer Heimat Kurdistan verbreiteten sich Proteste wie ein Lauffeuer im ganzen Land, die bis heute andauern.

Das iranische Regime und sein Sicherheitssystem reagieren mit Härte und äußerster Brutalität gegen Frauen und vor allem junge Demonstrierende, die ihrer Unzufriedenheit und Ablehnung Ausdruck verleihen. Beobachter:innen sehen die Bewegung auch als Kampf der unterdrückten kurdischen Minderheit: Diese sei ebenso „als Teil des größeren kurdischen Kampfes in der Region zu verstehen“, erklärt etwa Fatemeh Shams, Professorin für persische Literatur in Pennsylvania.

Iran: Bis zu 100 Menschen droht nach Protesten die Todesstrafe

Worte der Versöhnung sind vonseiten Teherans nicht zu vernehmen. Im Gegenteil stand das Land unter Schock, als das Regime die zwei 23-jährigen Demonstranten Mohsen Schekari und Madschidresa Rahnaward hinrichten ließ. Weiter wurde bekannt, dass etwa 100 Inhaftierte nach Prozessen im Schnellverfahren im Todestrakt sitzen. Das erklärte die in Norwegen ansässige Menschenrechtsorganisation Iran Human Rights (IHR) am Dienstag (27. Dezember).

Ihnen würden Tatbestände zur Last gelegt, die im Iran mit dem Tod bestraft werden können. Elf davon seien bereits zum Tode verurteilt worden, ein großer Teil der Festgenommen habe nur begrenzt Zugang zu anwaltlicher Hilfe. Fünf der insgesamt 100 seien Frauen. Für zwei bereits zum Tode Verurteilte hatte die iranische Justiz in den vergangenen Tagen Berufungsverfahren zugelassen.

Regierung im Iran will über Hinrichtungen Angst verbreiten

Wie es von der NGO weiter heißt, wollten die iranischen Behörden mit den Todesurteilen die Menschen dazu bringen, „nach Hause zu gehen“, sagte IHR-Chef Mahmood Amiry-Moghaddam der Nachrichtenagentur AFP. Zwar hätten die Urteile „gewisse Auswirkungen“, sie führten aber nach Einschätzung seiner Organisation eher zu „größerer Wut gegenüber der Staatsmacht“. Die Strategie der Regierung, „über Exekutionen Angst zu verbreiten“, sei gescheitert.

Einem am Montag veröffentlichten Bericht der in den USA ansässigen Nichtregierungsorganisation Human Rights Activists News Agency (HRANA) zufolge stieg die Zahl der Hinrichtungen im Iran im Jahr 2022 im Vergleich zum Vorjahr um 88 Prozent. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Amnesty International ist der Iran nach China das Land mit den zweitmeisten vollstreckten Todesurteilen. Demnach wurden allein 2021 mindestens 314 Menschen hingerichtet. (ktho/AFP)

Auch interessant

Kommentare