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Ein Jagdbomber der israelischen Luftwaffe.

Israels Angriff

Iran ist Israels größte Sorge

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Mit der Bombardierung einer syrischen Militäranlage will Israel vor allem seine eigenen Sicherheitsinteressen bei einer Neuordnung Syriens wahren.

Der Luftangriff in der Nacht zum Donnerstag auf eine syrische Militäranlage, die neben Fassbomben auch Chemiewaffen herstellen soll, ging mutmaßlich auf Israel zurück. Nicht nur Damaskus ist davon überzeugt. Auch israelische Militärexperten bestätigten dies indirekt, wenngleich die Regierung in Jerusalem sowie die Armeesprecher sich jeglichen Kommentars enthielten. Vorausgesetzt, die Annahme stimme, handele es sich „um eine lobenswerte und moralische Aktion seitens Israels gegen das Abschlachten in Syrien“, twitterte Amos Yadlin, ehemals Chef des israelischen militärischen Geheimdienstes.

Noch am Vortag hatte ein UN-Report dem Assad-Regime vorgeworfen, allein in diesem Jahr sieben Mal chemische Kampfstoffe wie Sarin gegen seine Zivilbevölkerung eingesetzt zu haben. Mindestens 83 Syrer seien dadurch bei einer Attacke in der Provinz Idlib ums Leben gekommen. Als Motiv spielte das allerdings wohl die geringste Rolle für Israel, das stets betont, sich aus dem Bürgerkrieg im feindlichen Nachbarstaat heraushalten zu wollen. Zwar haben israelische Kampfjets wiederholt Waffenkonvois der pro-iranischen Hisbollah in Syrien bombardiert. So bekannte jüngst Airforce-Chef Amir Eschel, seine Leute hätten derartige Schläge in den vergangenen fünf Jahren an die hundert Mal lanciert. Aber auch in diese Reihe passt der Luftangriff vom Donnerstag auf das syrische Militärforschungszentrum CERS in Masiaf, unweit von Hama, nicht.

Für den Fall des Falles gerüstet

Dieser Schlag sei keine Routine gewesen, erklärte Yadlin, derzeit Leiter des Instituts für nationale Sicherheitsstudien an der Tel Aviver Universität. Syrien wiederum warnte, die israelische Aggression, die zwei seiner Soldaten das Leben gekostet habe, werde schwere Konsequenzen nach sich ziehen. Auch unterstellte Damaskus den Israelis, die Moral der Terrortruppen des IS (Islamischer Staat) anheben zu wollen, die dank des siegreichen Vormarschs der syrischen Armee kollabierten. Nach israelischer Lesart hingegen verbindet sich mit dem Angriff vor allem eine Botschaft an die Großmächte USA und Russland: Ignoriert unsere Sicherheitsinteressen nicht.

Der aufs Militär spezialisierte „Haaretz“-Journalist Amos Harel drückte es so aus: „Wir sind in der Lage, den Prozess einer künftigen Neuordnung in Syrien zu stören, wenn ihr (Washington und Moskau) uns weiterhin dabei nicht berücksichtigt.“ Denn nicht sunnitische IS-Terroristen machen Israel die größte Sorge, sondern der Iran und mit ihm verbündete schiitische Gotteskrieger aus Libanon, die sich in einem Nachkriegs-Syrien im Grenzgebiet der Golanhöhen verschanzen könnten. Aus diesem Grund war auch Premier Benjamin Netanjahu kürzlich zu einem Treffen mit Präsident Wladimir Putin in Moskau. Der freilich ließ nach russischer Darstellung den Israeli abblitzen. Was Syrien anlangt, geht für Putin das Bündnis mit den Iranern vor israelischen Wünschen.

Nicht von ungefähr hat Israel die gerade stattfindende jährliche Militärübung unter Beteiligung aller Streitkräfte an seine Nordgrenze verlegt. Man verfolge damit keine Kriegsabsichten, heißt es. Aber man müsse für den Fall des Falles gerüstet sein.

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