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Zwei weitere junge Demonstranten hingerichtet – Iran soll zur Verantwortung gezogen werden

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Von: Katja Thorwarth

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Im Iran werden erneut zwei junge Menschen hingerichtet, weil sie gegen das Regime protestieren. Die USA verurteilen die Hinrichtungen „aufs Schärfste“.

Update vom Sonntag, 8. Januar, 11.00 Uhr: Die US-Regierung hat die Hinrichtungen von zwei weiteren Demonstranten im Iran „aufs Schärfste“ verurteilt. Der Sprecher des Außenministeriums in Washington, Ned Price, warf dem Iran vor, „Scheinprozesse“ gegen die am Samstag gehängten Männer Mohammed-Mehdi K. und Sejed-Mohammed H. geführt zu haben. „Diese Hinrichtungen sind ein wesentlicher Bestandteil der Bemühungen des Regimes, Proteste zu unterdrücken“, schrieb Price am Samstagabend auf Twitter. Die Vereinigten Staaten würden weiterhin mit ihren Partnern zusammenarbeiten, um den Iran für das brutale Vorgehen zur Verantwortung zu ziehen.

Zwei weitere junge Demonstranten im Iran hingerichtet – Baerbock will Druck erhöhen

+++ 17.20 Uhr: Bundesaußenministerin Annalena Baerbock hat sich nach der erneuten Hinrichtung von Demonstranten im Iran für mehr Druck der EU gegenüber Teheran ausgesprochen. Die beiden Männer seien vom Regime erhängt worden, „weil sie sich dem brutalen und menschenverachtenden Handeln nicht unterwerfen wollten“, schrieb die Grünen-Politikerin am Samstag bei Twitter. Dies seien zwei „weitere schreckliche Schicksale, die uns bestärken, mit der EU den Druck auf Teheran weiter zu erhöhen“.

Mohammed-Mehdi K. und Sejed-Mohammed H. wurden im Iran wegen ihrer Proteste mit dem Tod bestraft.
Mohammed-Mehdi K. und Sejed-Mohammed H. wurden im Iran wegen ihrer Proteste mit dem Tod bestraft. © Christophe Gateau/dpa

Hinrichtungen im Iran: Gnadengesuch vom obersten Gerichtshof abgelehnt

Erstmeldung vom Samstag, 7. Januar: Teheran - Das Mullah-Regime im Iran hat zwei weitere Menschen hinrichten lassen, die gegen die Regierung protestieren. Die iranische Justizbehörde gab am Samstag (7. Januar) bekannt, dass Mohammed-Mehdi K. und Sejed-Mohammed H. in den frühen Morgenstunden gehängt worden seien. Ihnen wurde vorgeworfen, im November während einer Demonstration für den Tod eines Sicherheitsbeamten verantwortlich gewesen zu sein, erklärte die Justiz auf ihrem Webportal Mizan. Damit steigt die Zahl der hingerichteten Demonstranten im Zuge der mehr als dreimonatigen systemkritischen Proteste auf vier.

Die beiden jungen Männer sollen nach Justiz-Angaben vor Gericht angeblich zugegeben haben, bei Protesten in Karadsch, einem Vorort von Teheran, einen - wie es hieß - „unbewaffneten“ Sicherheitsbeamten erstochen zu haben. Der Sicherheitsmann war Mitglied der berüchtigten paramilitärischen Basidsch-Einheit der Revolutionsgarden. Das Gnadengesuch der beiden Angeklagten wurde dem Mizan-Bericht zufolge vom obersten Gerichtshof abgelehnt und das Todesurteil bestätigt. 

Proteste im Iran: Zwei junge Männer hingerichtet

Im Vorfeld war ein Journalist festgenommen worden, weil er mit den Familien von zum Tode verurteilten Gefangenen Interviews geführt hatte. Die reformorientierte Zeitung Etemad berichtete am Freitag (6. Januar) auf ihrer Homepage, der Leiter ihrer Politikredaktion, Mehdi Beikoghli, sei am Donnerstagabend festgenommen worden. Seine Ehefrau habe auf Twitter darüber informiert, dass ihm sein Smartphone, sein Computer und seine persönlichen Sachen abgenommen worden seien.

Dezember waren bereits der Rap-Musiker Mohsen S. und Madschid-Resa R. wegen angeblichen Mordes und angeblich versuchten Mordes an zwei Basidsch-Mitgliedern hingerichtet worden. Die EU beschloss daraufhin auch wegen der schweren Menschenrechtsverletzungen weitere Sanktionen gegen den Iran.

Bereits vier Menschen im Iran wegen Teilnahme an Protesten hingerichtet

Nach jüngsten Schätzungen der Organisation Human Rights Activists News Agency (HRANA) sind bei den Protesten bereits mehr als 500 Menschen ums Leben gekommen, unter ihnen 70 Minderjährige sowie knapp 70 Polizei- und Sicherheitskräfte. Mehr als 19.000 Demonstrierende seien verhaftet worden.

Über die Zahl der zum Tode verurteilten Verhafteten gibt es widersprüchliche Informationen, da bei einigen das Todesurteil in Berufungsgerichten aufgehoben wurde. Die Rede ist von 20 Demonstranten, die auf der Todesliste der Justiz stehen sollen. Die iranische Führung hat diese und ähnliche Angaben bislang weder bestätigt noch dementiert.

Auslöser der landesweiten Proteste im Iran war der Tod der iranischen Kurdin Jina Mahsa Amini Mitte September. Sie starb in Polizeigewahrsam, nachdem sie von der sogenannten Sittenpolizei wegen Verstoßes gegen die islamischen Kleidungsvorschriften festgenommen worden war. Seither gibt es immer wieder Proteste gegen den repressiven Kurs der Regierung und das islamische Herrschaftssystem. (ktho/dpa)

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