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Ein Flur im Evin-Gefängnis im Iran
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Ein Flur im Evin-Gefängnis im Iran. Geleakte Aufnahmen enthüllen, wie Gefangene misshandelt werden. (Archivfoto)

Cyberangriff

Iran: Hacker veröffentlichen Bilder aus Foltergefängnis

  • Lukas Rogalla
    VonLukas Rogalla
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Das berüchtigte Evin-Gefängnis im Iran wird Ziel von Hackern, die an Videoaufnahmen und Daten kommen. Die Behörden gestehen „inakzeptables Verhalten“.

Teheran – Aufnahmen aus einem Gefängnis im Iran sind an die Öffentlichkeit gelangt. Sie zeigen unter anderem, wie Insassen von Wärtern geschlagen werden. Der Chef des iranischen Vollzugswesens, Mohammed Mehdi Hajmohammadi, hat bereits die Verantwortung für das „inakzeptable Verhalten“ der Wärter übernommen und die Echtheit der Aufnahmen indirekt bestätigt.

Auf Twitter entschuldigte sich Hajmohammadi bei „Gott dem Allmächtigen“ und „unserem lieben Anführer“, mit dem er Ali Khamenei meinen dürfte. Die „tragischen Ereignisse“ dürften sich nicht wiederholen. Doch wie sind die Aufnahmen überhaupt veröffentlicht worden?

Iran: Hacker veröffentlichen Bilder aus berüchtigtem Gefängnis

Eine Gruppe Hacker ist in das Computersystem des berüchtigten Evin-Gefängnisses am Rand der Hauptstadt Teheran eingedrungen und hat das erlangte Material der Nachrichtenagentur Associated Press übergeben. Neben den Videoaufnahmen sei man außerdem an „hunderte“ Gigabyte Daten gekommen. Eigenen Angaben zufolge wolle man die schlimmen Zustände in dem Gefängnis aufzeigen. Die Zeitstempel deuten an, dass die Aufnahmen hauptsächlich von 2020 und 2021 sind. „Wir wollen, dass die Welt unsere Stimme für die Freiheit aller politischen Gefangenen hört“, sollen die Hacker AP den Grund für den Cyberangriff erklärt haben.

In den Aufnahmen soll ein Mann zu sehen sein, der im Versuch, sich selbst zu verletzen, in einen Badezimmerspiegel schlägt. Gefangene – und auch Wächter – schlagen gegenseitig aufeinander ein. Ein älterer Gefangener bricht im Außenbereich zusammen und wird von Wächtern über den Boden geschliffen. Ein Geistlicher kommt die Treppe heruntergelaufen und steigt einfach über dessen Körper. Das sollen nur einige Beispiele der täglich stattfindenden Misshandlung im Evin-Gefängnis sein.

Folter im Evin-Gefängnis enthüllt – nicht der erste Cyberangriff im Iran

Veröffentlichte Aufnahmen der Überwachungskamera im Gefängnis-Kontrollzimmer zeigen den Moment, in dem die Botschaft der Hacker auf den Bildschirmen erscheint. „Cyberattacke“ und „Freiheit für alle politischen Gefangenen“ heißt es. Andere Wächter versammeln sich, machen Fotos oder Videos, tätigen Anrufe. Die Hacker-Gruppe bezeichnet sich selbst als „Edalat-e Ali“ (Alis Gerechtigkeit) – in Bezug auf den Obersten Anführer des Iran, Ali Khamenei. Die Daten seien anlässlich der Wahl des ultrakonservativen Ebrahim Raisi zum Präsidenten erfolgt. „Das Evin-Gefängnis ist ein Schmutzfleck auf Raisis schwarzem Turban und weißem Bart“, heißt es weiter. Raisi wird vorgeworfen, als Justizbeamter in den 1980er-Jahren Massenhinrichtungen angeordnet zu haben.

Wie die AP berichtet, läuft das Computersystem im Gefängnis noch über Windows 7, für das Microsoft keine Patches mehr zur Verfügung stellt. Für Hacker sei es deshalb einfacher, einzudringen. Nicht-lizensierte Versionen von Windows sind im Iran weit verbreitet. Zuletzt hatten Hacker den iranischen Zugverkehr mit einer Cyberattacke gestört. Vor Jahren war auch das iranische Atomprogramm Ziel eines Angriffs durch den Virus Stuxnet, hinter dem die USA und Israel stecken sollen.

Iran: Behörden bestätigen „tragische Ereignisse“ im Evin-Gefängnis

Das Evin-Gefängnis wurde 1971 von Mohammad Reza Pahlavi, dem letzten Schah, errichtet. Bereits vor der islamischen Revolution 1979 waren hier vor allem politische Gefangene inhaftiert. Heute gibt es spezielle Bereiche für Gefangene mit Verbindungen in westliche Länder, die oft als Druckmittel in Verhandlungen eingesetzt werden.

Laut einem Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch drohe man Gefangenen und ihren Familienmitgliedern im Evin-Gefängnis regelmäßig mit Folter und Haft auf unbestimmte Zeit. Demnach finden mehrmals täglich Verhöre statt, die bis zu sechs Stunden dauern. Im Bericht heißt es zudem, dass medizinische Behandlungen oftmals verweigert werden. Dass der Iran Menschenrechtsverletzungen einräumt, passiert äußerst selten. (lrg)

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