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Iranischer Top-Fußballer Ghafouri wird verhaftet - Zeichen an Nationalspieler bei der WM in Katar?

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Von: Bedrettin Bölükbasi

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Der iranische Fußballspieler Voria Ghafouri. (Archivbild)
Der iranische Fußballspieler Voria Ghafouri. (Archivbild) © AFP

Im Iran wurde inmitten der Demonstrationen ein Fußballspieler verhaftet. Dies wird unter anderem auch als Zeichen an die Nationalspieler bei der WM 2022 in Katar gedeutet.

München – Bei der WM 2022 in Katar wurde das Spiel zwischen dem Iran und England am Montag (21. November) mit großer Spannung erwartet. Dabei ging es nicht nur um den sportlichen Aspekt. Sondern in erster Linie darum, ob sich die iranische Elf mit den Demonstrationen in ihrer Heimat solidarisieren würde. Tatsächlich tat sie dies: Keiner der elf Männer sang die Nationalhymne mit.

Auch wenn sie die Hymne im zweiten Spiel gegen Wales nun doch noch gesungen haben, dürften sie sich mit der Aktion im Spiel gegen England nicht unbedingt beliebt bei der iranischen Führung gemacht haben. Während die Spekulationen über mögliche Konsequenzen laufen, hat das Regime jetzt womöglich ein erstes Zeichen dafür gesetzt, was mit Spielern passiert, die Widerstand leisten. Der Fußballspieler Voria Ghafouri wurde unter dem Vorwurf von Propaganda verhaftet, berichtet merkur.de.

Iran-Demonstrationen: Regime verhaftet Fußballer wegen „Propaganda gegen den Staat“

Der aus der überwiegend kurdisch bewohnten Stadt Sanandadsch im Westen des Iran stammende 35-jährige Ghafouri ist zwar Nationalspieler, aber nicht Teil des iranischen WM-Kaders. Der Fußballer, der aktuell beim iranischen Klub Foolad Khuzestan unter Vertrag steht, war einst sogar Kapitän des berühmten Klubs Esteghlal aus Teheran. Laut der Nachrichtenagentur Fars, die unter dem Einfluss der Revolutionsgarde steht, wurde Ghafouri nach dem Training mit seinem Verein verhaftet, da er „den Ruf der Nationalmannschaft befleckt und Propaganda gegen den Staat verbreitet“ habe.

Der britischen Zeitung The Guardian zufolge war Ghafouri offenbar schon seit längerem im Visier von Pro-Regime-Politikern sowie der politischen Führung selbst. So soll der oberste religiöse Führer Ayatollah Ali Chamenei etwa gesagt haben: „Manche Menschen, die vom Frieden sowie der Sicherheit des Landes profitieren und ihre Arbeit sowie ihren Lieblingssport genießen, beißen die Hand, die sie füttert.“ Minister hätten Ghafouri zudem vorgeworfen, ein „kurdischer Separatist“ zu sein, so die Zeitung.

Botschaft an iranische Fußballer bei der WM in Katar? – Fußballer Ghafouri verhaftet

Tatsächlich dürfte Ghafouri mit seiner Unterstützung für die Demos dem Regime ein Dorn im Auge sein - immerhin ist er eine prominente Figur. Nach der Polizeigewalt gegen Demonstranten in seiner Stadt besuchte er die Verletzten. Im Iran ist es für Frauen verboten, Fußballspiele zu sehen. Ghafouri geht aktiv dagegen vor. Nachdem sich 2019 eine Frau namens Sahar Chodajari selbst in Brand gesteckt hatte, um einer Freiheitsstrafe für die Verletzung des Verbotes zu entgehen, verteilte Ghafouri blaue Trikots im Andenken an sie.

Sein Aktivismus macht sich in den sozialen Medien ebenfalls bemerkbar. Dort nimmt er kein Blatt vor den Mund. „Als ein Fußballspieler schäme ich mich in einer Zeit zu spielen, in der es unseren Müttern und Schwestern verboten ist, Stadien zu betreten“, zitierte ihn The Guardian aus einem Instagram-Beitrag. Auf Twitter soll er sich zuletzt für ein Ende der Gewalt gegen die kurdischen Demonstranten eingesetzt haben. (bb)

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