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Mit einer neuen Großrazzia in Zentralirak reagieren die USA auf die Angriffe der vergangenen Wochen, bei denen insgesamt 31 US-Soldaten getötet wurden. 50 mutmaßliche Anhänger des Saddam-Regimes wurden in den ersten Stunden verhaftet.

Irakischer Rat tritt zusammen

Schiiten stellen Mehrheit im Gremium / Neue US-GroßrazziaMit der konstituierenden Sitzung des Verwaltungsrats in Irak ist nach US-Angaben der erste Schritt zur Demokratie im Land gemacht worden. Die in mehr als zweimonatigen Verhandlungen bestimmten 25 Ratsmitglieder versammelten sich am Sonntag unter strengen Sicherheitsvorkehrungen. In Zentralirak begann eine Großrazzia gegen Anhänger Saddams. Dossier: Irak nach dem Krieg

BAGDAD, 13. Juli (ap/dpa/rtr). Dem Verwaltungsrat gehören einer Liste zufolge 13 Schiiten, fünf Sunniten, fünf Kurden, ein Christ und eine Turkmenin an. Schiiten stellen 60 Prozent der irakischen Bevölkerung. Ratsmitglieder sind neben anderen der Führer des Irakischen Nationalkongresses, Ahmed Tschalabi, ein Führer des Obersten Rats für die Islamische Revolution, Abdel-Asis Hakim, die beiden Kurdenführer Massud Barsani und Dschalal Talabani sowie der frühere Außenminister Adnan Patschatschi. Ein Sprecher des Irakischen Nationalkongresses, Entifadh Kanbar, bezeichnete die Zusammenkunft des Gremiums in Bagdad als "positiven Schritt und historischen Tag für Irak".

Die Kontrolle über Irak wird weiter bei US-Zivilverwalter Paul Bremer bleiben, der ein Veto-Recht gegen Entscheidungen des Rates behält. Mit dem Recht, Minister zu ernennen und den Haushalt für 2004 zu verabschieden, werde der Verwaltungsrat aber über einiges politisches Gewicht verfügen, erklärten Beobachter in Bagdad. Der Rat soll Vorläufer einer größeren Versammlung sein, die binnen eines Jahres eine neue Verfassung ausarbeiten soll. Der schiitische Ajatollah Mohammad Baker Hakim warnte am Freitag vor einem Aufstand, sollten die Schiiten bei der Neuordnung des Landes nicht für ihre jahrzehntelange Unterdrückung entschädigt werden. Die US-Soldaten seien als Befreier gekommen, nun träten sie als Besatzer auf: "Das macht das Volk zornig."

Bei der vierten Großrazzia in Irak wurden nach US-Angaben in den ersten Stunden mehr als 50 Verdächtige verhaftet. "Wir gehen in die Offensive, um mögliche Angriffe der Baathisten und ehemaliger Fedajin-Elemente gegen uns zu unterbinden", erklärte Oberst David Hogg. Bei drei Großaktionen zuvor waren hunderte Verdächtige verhaftet worden. Viele wurden mangels Beweisen wieder freigelassen.

In Falludscha übergaben die US-Streitkräfte nach eigenen Angaben die Verantwortung für die Sicherheit an irakische Polizisten. Örtliche Sicherheitskräfte und der von den USA eingesetzte Bürgermeister hatten darum gebeten, weil sich Angriffe auf US-Einheiten gehäuft hatten.

Frankreich setzt sich eingehender mit einem möglichen Einsatz von Stabilisierungstruppen in Irak auseinander. 3000 bis 5000 französische Soldaten hält Presseberichten zufolge der Präsident des Verteidigungsausschusses im französischen Parlament, Guy Teissier, für möglich. Frankreich habe nie ausgeschlossen, Truppen für einen UN-Friedenseinsatz zu entsenden.

Dossier: Irak nach dem Krieg

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