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Das vermeintlich neue Video mit Abu Bakr al-Bagdadi ist ohne Datum und Ortsangaben veröffentlicht worden.

Video von IS-Anführer

Irakische Regierung: IS-Chef Al-Bagdadi ist isoliert

Abu Bakr al-Bagdadi ist am Montag zum ersten Mal seit fünf Jahren in einem Video erschienen. Auch Angela Merkel äußert sich.

Das jüngste Video des IS-Chefs Abu Bakr al-Bagdadi belegt nach Ansicht der irakischen Regierung, wie isoliert der Terroranführer heute ist. Ministerpräsident Adel Abdel Mahdi sagte am Dienstag nach einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin, die Tatsache, dass Al-Bagdadi jetzt "isoliert" an einem unwirtlichen Ort lebe, zeige, dass der IS "gebrochen" sei. Merkel sagte, niemand sei davon ausgegangen, dass der IS durch die militärische Niederlage im Irak und in Syrien "verschwunden ist". Das Video zeige, "dass diese Einschätzung auch richtig ist". 

Am Montag war die erste Videoaufnahme des Anführers der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) seit fast fünf Jahren aufgetaucht. In dem am Montag von der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) veröffentlichten Propaganda-Video bezeichnet Al-Bagdadi die Terrorangriffe von Sri Lanka über Ostern als Rache für die Zerstörung des von den Extremisten ausgerufenen Kalifats. Insbesondere bezieht er sich auf das Ende der Gefechte um die IS-Bastion Baghus im Osten Syriens im März. 

Der IS-Chef wurde mehrfach für tot erklärt

Unklar ist, wann das Video aufgenommen wurde. Al-Bagdadi spricht darin jedoch von den monatelangen Kämpfen um Baghus, dem letzten Rückzugsort der Dschihadistenmiliz in Syrien, der im März fiel. „Der Kampf um Baghus ist vorbei“, sagt Al-Bagdadi, auf dessen Kopf die USA eine Prämie in Höhe von 25 Millionen Dollar (22 Millionen Euro) ausgesetzt haben. In dem Video sitzt Al-Bagdadi im Schneidersitz auf einer Art Matratze. Er spricht zu drei Männern, deren Gesichter unkenntlich gemacht wurden. Sein langer grauer Bart scheint teilweise mit Henna gefärbt, er spricht langsam, unterbricht seine Sätze häufig für mehrere Sekunden.

Der einzige bekannte öffentliche Auftritt des 47-Jährigen war Anfang Juli 2014 im nordirakischen Mossul, bei dem er alle Muslime zum Gehorsam gegenüber dem IS-Kalifat aufgerufen hatte. Seitdem veröffentlichte seine Gruppe in unregelmäßigen Abständen Audiobotschaften, die von Al-Bagdadi stammen sollen. Doch wurde der Iraker, der an Diabetes leidet, nicht wieder in der Öffentlichkeit gesehen. Mehrfach wurde er bereits für tot erklärt, mindestens einmal wurde er verletzt. "Er ist nur von drei Menschen umgeben: Seinem älteren Bruder Dschumua, seinem Fahrer und Leibwächter Abdellatif al-Dschuburi, den er seit seiner Kindheit kennt, und seinem Kurier Saud al-Kurdi", sagte der Dschihadismus-Experte Hischam al-Haschemi im März. Er vermutete die vier in der weitläufigen Badia-Wüste im Zentrum Syriens. 

Abu Bakr al-Bagdadi schloss sich 2004 Al Kaida an

Geboren wurde Al-Bagdadi 1971 als Sohn einer armen Familie im zentralirakischen Samarra unter dem Namen Ibrahim Awad al-Badri. Als Junge begeisterte er sich für Fußball und träumte davon, Anwalt oder Soldat zu werden, doch seine mangelhaften Noten und seine schlechten Augen verhinderten beides. So studierte er schließlich in Bagdad Theologie, bevor er nach der US-Invasion 2003 als Anführer einer Dschihadistengruppe in den Untergrund ging. 

Die Journalistin Sofia Amara, die einen Dokumentarfilm über ihn gedreht hat, sagt, er mache nicht den Eindruck eines "brillanten Mannes", sondern erscheine eher als "geduldig und arbeitsam". Doch habe der "geheime Planer" schon früh "eine sehr klare Vorstellung" von der Organisation gehabt, die er schaffen wollte. Als er 2004 im Februar von der US-Armee im Gefängnis von Bucca inhaftiert wurde, knüpfte er dafür wichtige Kontakte. Das Gefängnis im Südirak galt als "Universität des Dschihad", da dort radikale Islamisten mit Militär- und Geheimdienstleuten des gestürzten Baath-Regimes von Saddam Hussein zusammenkamen. "Alle haben gemerkt, dass dieser schüchterne Typ ein feiner Stratege ist", sagt Amara über Al-Bagdadis Zeit in Bucca. 

Im März fiel Baghus in Ostsyrien - es war die letzte Bastion des IS

Als er im Dezember 2004 aus Mangel an Beweisen freikam, schloss er sich dem Al-Kaida-Führer Abu Mussab al-Sarkawi an. Als erst Al-Sarkawi und dann sein Nachfolger getötet wurden, übernahm der einstige Theologiestudent aus Samarra 2010 unter dem Namen Abu Bakr al-Bagdadi die Führung der Extremisten im Irak. Indem er frühere Offiziere Saddam Husseins anwarb, machte er aus seiner Guerillagruppe eine schlagkräftige Truppe und nannte sie Islamischer Staat (IS). Sie überrannte im Sommer 2014 die nordirakische Großstadt Mossul und drang binnen weniger Wochen bis vor Bagdad vor. Doch mit Gräueltaten und blutigen Anschlägen brachte er viele Iraker und Syrer sowie die internationale Gemeinschaft gegen sich auf. 

In den vergangenen Jahren folgte eine Niederlage auf die andere, und nach dem Verlust des letzten Dorfs in Ostsyrien bleiben dem IS-Führer nur noch einige versprengte Zellen. Nach erbittert geführten Kämpfen hatte ein von den USA unterstütztes kurdisch-arabisches Bündnis am 23. März den Ort Baghus nahe der irakischen Grenze erobert. Die Dschihadisten kontrollieren aber noch einige unbewohnte Gebiete in der Badia-Wüste und verüben auch immer noch Anschläge. (afp/dpa)

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