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Deutscher UN-Chef-Ermittler: Noch viele IS-Massengräber im Irak

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Von: Lukas Zigo

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Massengrab im Irak
Knochen und Stoffreste liegen in einem Massengrab, in dem Opfer der Terrororganisation Islamischer Staat (IS), liegen. © Farid Abdulwahed/dpa

Im Irak ermittelt ein ehemaliger deutscher Bundesanwalt die Verbrechen der Terrormiliz „Islamischer Staat“. Dabei sollen die Profiteure der Gräueltaten ermittelt werden.

Bagdad – Eine Antwort auf die Frage zu finden, wie viele Opfer ein Konflikt fordert, ist ebenso wichtig, wie schwer. „Erstaunlich hoch“ sei die Zahl der Massengräber im Irak, sagte der Leiter des UN-Ermittlungsteams für Verbrechen des „Islamischen Staats“ („IS“), Christian Ritscher, der Deutschen Presse-Agentur. Die Ermittlergruppe Unitad der Vereinten Nationen rechnet damit, dass im Irak noch zahlreiche weitere Massengräber der Terrormiliz „Islamischer Staat“ ausgehoben werden.

„Es gibt etliche, die noch nicht geöffnet wurden“, ergänzte Ritscher. Dabei handele es sich um Beweismittel, aus denen sich unter anderem schließen lasse, wie viele Menschen der „IS“ getötet habe. „Es ist auch ein Wettlauf mit der Zeit, weil die Gräber natürlichen Einflüssen unterliegen. Aber wir sind da dran.“

Irak: UN-Ermittler untersuchen „Systematik dieser vielen grausamen Verbrechen“

Seit September leitet der frühere Bundesanwalt Ritscher das in Bagdad ansässige UN-Untersuchungsteam. Am Mittwoch (13.04.2022) treffen sich Expert:innen in Berlin zu einer unter anderem vom Auswärtigen Amt organisierten Konferenz über den „IS“. Es geht dabei um die Finanzströme der Extremisten. Durch „die Spur des Geldes“ ließe sich auch ermitteln, wer hinter „der Systematik dieser vielen grausamen Verbrechen“ stecke, sagte Ritscher. „Es geht uns darum, Verantwortliche bis in die Führungsetage vor Gericht zu bringen.“

Im Sommer 2014 hatte die Terrormiliz große Gebiete im Norden und Westen des Irak unter ihre Kontrolle gebracht. Der damalige Anführer, der mittlerweile tote Abu Bakr Al-Bagdadi, rief später ein sogenanntes Kalifat aus, das Gebiete im Irak und in Syrien umfasste. Zehntausende Menschen wurden in dieser Zeit getötet, verschleppt, versklavt und misshandelt. Die UN kamen zu dem Schluss, dass die Extremisten im Irak einen Völkermord an der religiösen Minderheit der Jesiden begangen hatten. Die Terrormiliz ist mittlerweile militärisch besiegt, Zellen sind jedoch in beiden Ländern weiter aktiv.

Irak: Kriegsverbrechen „hochgradig bürokratisch organisiert“

Ritscher erklärte weiter, wie minuziös geplant die Taten waren. „Das waren keine Einzeltaten. Das sieht sehr planmäßig aus, auch in der Breite.“ Laut Ritscher seien die Kriegsverbrechen des „Islamischen Staates“ „hochgradig bürokratisch organisiert“ gewesen. Alles spreche dafür, dass auch „die obersten Ränge wussten, was an der Front passiert“. Der „IS“ habe neben Festplatten und Handys auch eine enorme Anzahl von Dokumenten zurückgelassen. Diese würden nun digitalisiert und „unter Hochdruck“ ausgewertet. Ohne weitere Details zu nennen, merkte Ritscher an, dass weitere Spuren auch nach Deutschland führten.

Ritscher ist ausgezeichneter und international anerkannter Experte für die Verfolgung von Völkerstraftaten. Seit mehr als zehn Jahren ermittelt er Kriegsverbrechen, Völkermorde und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, darunter in Ruanda und in Syrien. Er leitete beim Generalbundesanwalt in Karlsruhe das Referat für Völkerstrafrecht, welches er mit aufbaute. Unitad hat den Auftrag, den Irak bei der Aufklärung der IS-Verbrechen zu unterstützen. (lz/dpa)

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